Britische Airline

Easyjet eröffnet Wartungshangar am Flughafen BER

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Norman Börner
Flugzeugingenieur Olaf Groß inspiziert im neuen Hangar das Triebwerk eines Airbus A320 Neo.

Flugzeugingenieur Olaf Groß inspiziert im neuen Hangar das Triebwerk eines Airbus A320 Neo.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Easyjet wartet seine Europa-Flotte künftig in Berlin. Warum die Halle technisch und wirtschaftlich ein Meilenstein ist.

Berlin.  David Morgan, Chief Operating Officer bei easyJet, überschlägt sich mit Superlativen, als er nach der Bedeutung des am Mittwoch eröffneten Wartungshangars der Airline auf dem Flughafen BER gefragt wird. „As good as it gets“. Besser geht’s nicht. Und ganz Unrecht hat der CEO der britischen Billig-Fluggesellschaft damit nicht. Was bei der Präsentation vor Vertretern aus Presse und Politik unter dem Dach des gut 10.000 Quadratmetern großen Leichtbaudach gezeigt wird, ist wohl State of the Art in der Luftfahrt für Kurz- und Mittelstreckenflüge. Und ein klares Zeichen - der Branche geht es wieder besser.

Die Corona-Krise stürzte viele Anbieter in ein Tal, das immer noch nachwirkt. So gab Easyjet 2022 bekannt, dass sie am BER Stellen abbauen. Am Ende fällt der Stellenabbau wohl geringer aus als angenommen. Im neuen Hangar werden zudem von nun an mehr als 100 qualifizierte Mitarbeitende, wie Wartungstechniker und unterstützendes Personal, die Wartung der Europe-Flotte durchführen. Laut Jörg Steinbach, Minister für Wirtschaft, Arbeit und Energie des Landes Brandenburg, seien durch den Hangar 50 neue Arbeitsstellen geschaffen worden. Er begrüßte das Bekenntnis zum BER, der aber noch nicht ganz da sei wo, er hin soll.

Wartungshangar kostete 20 Millionen Euro

Auch den Flughafen stürzte Corona in die Krise. In den Pandemiejahren 2020 und 2021 flogen weniger als zehn Millionen Passagiere über den Flughafen in Schönefeld. Die Finanzen waren schlecht. Im vergangenen Jahr wurden gut 19,8 Millionen Gäste registriert. „Es ist ein finanzieller und strategischer Vertrauensbeweis in den BER und in den Wirtschaftsstandort Brandenburg“, sagte Aletta von Massenbach, Vorsitzende der Geschäftsführung Flughafen Berlin Brandenburg. Eastjet hat am BER einen Marktanteil von 23 Prozent.

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Das rund 20 Millionen teure Projekt sei ein klares Signal für eine gemeinsame Zukunft. „Die heutige Eröffnung unseres Wartungshangars am BER ist ein wichtiger Meilenstein für unser Engagement in der Hauptstadtregion“, sagte bei der Eröffnung auch Thomas Haagensen, Geschäftsführer von Easyjet Europe.

Instandhaltungsaufgaben sind gesetzlich vorgeschrieben

Die technische Lobpreisung galt am Mittwoch dann einerseits dem in der Halle gezeigten Airbus A321 Neo, der durch neuartige Technik mit hoher Effizienz besticht. Aber auch dem in den vergangenen anderthalb Jahren errichteten Hangar in Stahlleichtbauweise, der zeigt, dass Wirtschaftlichkeit und Sicherheit in der modernen Luftfahrt keine Gegensätze sind. Wer schonmal mit flauem Gefühl im Magen im Billigflieger saß und überlegte, ob bei der engen Taktung Sicherheit zu kurz kommt, kann beruhigt sein.

Der Hersteller legt für jeden Flugzeugtyp geplante Instandhaltungsaufgaben fest und muss diesen von der zuständigen Luftfahrtbehörde genehmigen lassen. Weil Flugzeuge weltweit unterwegs sind, müssen solche Checks auch mal in Miethallen durchgeführt werden. Mit der Eröffnung eines eigenen Wartungshangars in Kontinentaleuropa nimmt easyjet die Wartung für die 135 Flugzeugstarke Europe-Flotte selbst in die Hand.

Effizienz und Sicherheit durch moderne Technik

Als Stationsleiter Christian Ehrlich im Jahr 1987 seine Ausbildung begann, arbeiten die Airlines bei der Wartung ihrer Maschinen noch mit Karteikarten. Heute sind die Wartungsintervalle in der Software der Flugzeuge verschiedener Hersteller hinterlegt. Mit Computern lassen sich Systemprüfungen durchführen und Prozesse optimieren. Easyjet will mit daher dem eigener Hangar am BER auch die Effizienz steigern.

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Fielen Flieger früher bei größeren Wartungen schonmal mehrere Tage aus, ermöglicht das Netz von Wartungsstationen heute, dass diese getaktet durchgeführt werden und die Flugzeuge des Anbieters am BER schon am nächsten Morgen wieder in der Luft sind. „Wir schaffen im neuen Wartungshangar am BER zwei umfangreichere Checks pro Nacht“, sagt Techniker Christian Ehrlich. Dann gilt ohnehin Flugverbot.

Der Hangar bietet dabei Platz für Arbeiten an vier Flugzeugen gleichzeitig bis zu einer Größe des Airbus A320 Neo. Bisher sei erst jeder zehnte Flieger von diesem Typ, aber Easyjet wolle die Flotte immer weiter ausbauen und langfristig durch smarte Systeme immer mehr CO2 einsparen. Bis 2050 sei es das Ziel, durch alternative Antriebe wie Wasserstoff und Strom bis zu 78 weitere Prozent Emission pro Gast einzusparen.