Dürre-Rekordjahr 2022

Wassermangel: BUND drängt Regierungskoalition zum Handeln

| Lesedauer: 3 Minuten
Birgit Lotze
In die Vollen greifen, wie im Starkregenspeicher der Berliner Wasserwerke in Berlin-Mitte, wird zusehens schwieriger. In der Regel wird bereits zu viel Wasser entnommen, der Boden um Berlins Wasserwerke wird trockener.

In die Vollen greifen, wie im Starkregenspeicher der Berliner Wasserwerke in Berlin-Mitte, wird zusehens schwieriger. In der Regel wird bereits zu viel Wasser entnommen, der Boden um Berlins Wasserwerke wird trockener.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Zu zahm, sogar kontraproduktiv ist die Gewässerschutz-Politik der Hauptstadt, sagt der BUND. Und das trotz Dürre-Rekordjahr.

Berlin.  Berlin geht das Wasser aus. Wasser werde ein immer rareres Gut in der Hauptstadt, doch die Regierungskoalition trete in Sachen Gewässerschutz politisch praktisch auf der Stelle, warnte zu Neujahr der Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Die Wasserschutz-Bilanz des BUND Berlin für das Jahr 2022 fällt ernüchternd aus. 2022 sei das Rekord-Dürrejahr gewesen, sagte Richard Kathy, der Sprecher des Arbeitskreises Wasser des BUND Berlin. Auch erlebten die Berliner bereits das fünfte Dürrejahr in Folge. „Und trotzdem ist weiterhin nicht absehbar, wann die zentralen Defizite im Gewässerschutz angegangen werden.“

„Ein wichtiges Jahr wurde vertan“

„Zahm bis kontraproduktiv“, so urteilt Christian Schweer, Gewässerschutzexperte des BUND Berlin, über die Berliner Gewässerschutz-Politik. Der Wasserverbrauch sei weiterhin zu hoch, die Stadt werde fortwährend versiegelt, wiederholt gebe es Dürren, doch die Regierungskoalition reagiere wenig. „Ein wichtiges Jahr wurde vertan.“

Ohne konsequente Umsteuerung könne ein zukunftsfähiges Wassermanagement nicht gelingen, „weshalb eine weitere Verschärfung der Wasserkrise vorprogrammiert ist“, sagte der BUND-Gewässerschutz-Experte.

Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Berlin-Dahlem galt das Jahr 2018 als das bislang trockenste. Damals waren 359,3 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. 2022 wurden 355,5 Liter registriert. In den vergangenen fünf Jahren, von 2018 bis 2022, seien insgesamt 2260,8 Liter gemessen worden, berichtete Richard Kathy. Vergleiche man diesen Wert mit dem langjährigen Mittel, dann fehle in diesen fünf Jahren eine Niederschlagsmenge von einem Jahr und zwei Monaten. In den Jahren 1981 bis 2010 seien im Mittel 589,9 Liter pro Quadratmeter gefallen. Dazu komme, dass 2022 auch eines der wärmsten Jahre war. Die stark angestiegene Verdunstung habe das Wasserdefizit Berlins zusätzlich belastet, sagte Kathy.

Andere Stadtstaaten sind weiter

Der BUND-Sprecher mahnte die Hauptstadt, die europäische Wasserrahmen-Richtlinie zügig umzusetzen. Diese Richtlinie, seit dem Jahr 2000 in Kraft, hätte 2015 umgesetzt sein müssen, so Kathy. Zunächst habe die Stadt die Umsetzung verzögert, jetzt fokussiere sich sich nur auf einen Bruchteil der Stadtgewässer, auf weniger als vier Prozent. Und selbst dafür werde nur ein Bruchteil der veranschlagten Geldmittel eingesetzt. Andere Stadtstaaten, Hamburg und Bremen, seien da weiter.

Christian Schwer monierte, dass nicht einmal eine gesetzliche Initiative zur Sicherstellung von Mindestgrundwasserständen vorgelegt wurde. „Obwohl selbst im Urstromtal der Grundwasserspiegel sinkt.“ Im Einzugsbereich der Wasserwerke trockneten Wald- und Moorgebiete aus, weil dort zu viel Wasser entnommen werde.

Großverbraucher sollen Gebühren zahlen

Auch sei weiterhin unklar, wann in Berlin Gebühren für Oberflächenwasser eingeführt werden. Vor allem Großverbraucher, die viel Oberflächenwasser entnehmen, in erster Linie fossil betriebene Heizkraftwerke, müssten an den Folgekosten der Wasserkrise beteiligt werden, forderte der BUND-Gewässerschutz-Experte. Und auch beim Grundwasser gebe es nach wie vor viele Ausnahmen. Jeder Besitzer von wasserbehördlich zugelassenen Betriebsbrunnen könne sechs Millionen Liter jährlich fördern, ohne für das Wasser bezahlen zu müssen.