Gut für Pendler

Bahn macht Fahrplanwechsel der Superlative

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Das sind Deutschlands schlechteste Bahnhöfe

Das sind Deutschlands schlechteste Bahnhöfe

Zwei deutsche Bahnhöfe schaffen es in die Top 10 der schlechtesten europäischen Bahnhöfe. Beide sind in Berlin.

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Zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember: Auf der Berliner Ringbahn und auf vielen Regionalbahn-Linien gibt es Verbesserungen.

Berlin.  Es soll ein Fahrplanwechsel der Superlative werden: Mit dem 11. Dezember, wenn die neuen Verkehrsverträge in den Netzen Elbe-Spree und Lausitz in Kraft treten, soll sich das Regionalbahn-Angebot auf wichtigen Pendlerstrecken in der Hauptstadtregion erheblich erhöhen; dazu kommen neue Züge für mehr Komfort und mehr Sitzplätze.

Und auch im Berliner S-Bahn-Verkehr ist eine wesentliche Verbesserung geplant: Auf den Ringbahn-Linien S41 und S42 sollen sukzessive längere Züge eingesetzt werden, die über acht statt sechs Wagen verfügen. Hintergrund ist, dass die Produktion der neuen S-Bahnen schneller vorankommt als eigentlich vorgesehen, sodass diese vorzeitig eingesetzt werden soll. Ab Herbst 2023 sollen nur noch neue Züge auf dem Ring fahren.

Im Regionalverkehr wird sich zum Fahrplanwechsel auf diversen Linien etwas tun. „Wie werden die größte Fahrplanerweiterung erleben, die es je in Brandenburg gegeben hat“, sagte Brandenburgs Verkehrsminister Guido Beermann (CDU) am Montag. Berlins Mobilitätssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) erklärte, es habe selten „so viele spürbare Verbesserungen für die Fahrgäste in unserer Hauptstadtregion auf einmal gegeben“.

Deutsche Bahn in Berlin und Brandenburg: Regionalverkehr im Netz Elbe-Spree mit deutlich größerem Angebot

Das Netz Elbe-Spree umfasst 17 Linien, darunter den Flughafen-Express FEX und die Linien RE1, RE2 und RB14, und soll künftig 30 Prozent mehr Angebot bieten. Mit 28 Millionen Zugkilometern sei es „das größte je in Deutschland vergebene Schienenpersonennahverkehrsnetz“, sagte Beermann. Auf dem RE1, der künftig statt von der Deutschen Bahn von der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft (Odeg) betrieben wird, gibt es ab Fahrplanwechsel in der Hauptverkehrszeit drei Fahrten in der Stunde, die Züge haben 630 bis 800 Sitzplätze. Hier, sowie auf der neuen Linie RE8, können Fahrgäste in Zukunft auch Getränke und Snacks am Platz kaufen.

Pendler im westlichen Umland sollen von einem dichteren Takt nach Berlin profitieren. So wird Nauen künftig viermal pro Stunde mit Berlin verbunden – hier kommt die genannte Linie RE8 neu zum Einsatz. Die Sitzplatzanzahl steigt so auf über 2000 pro Stunde und Richtung. Von Falkensee gibt es noch eine fünfte Fahrt. Und Spandau wird direkt per Regionalbahn mit Potsdam verbunden, wenngleich die Fahrtzeit etwas länger ist als die der bisherigen Umsteigeverbindung.

Flughafen BER wird künftig auch nachts per Regionalbahn angebunden

Auch die Verbindung zum Flughafen BER soll besser werden: Zwischen Charlottenburg und dem Hauptstadt Airport soll es ab Fahrplanwechsel eine stündliche Verbindung rund um die Uhr geben. Neue Fahrten zum BER gibt es aus Ludwigsfelde, sowie aus Eberswalde und Oranienburg, wobei es aus letzteren beiden Städten bis zur Fertigstellung der Dresdner Bahn im Jahr 2025 nur bis zum Terminal 5 geht; dort ist ein Umstieg nötig. Fahrgäste werden sich zudem vielfach an neue Liniennummern gewöhnen müssen. So fährt aus Berlin nicht mehr die RB14 zum BER, sondern die Linie RE8, aus Potsdam ist es statt dem RE7 nun die RB23.

Mehr Komfort soll es für Fahrgäste beispielsweise durch kostenloses Wlan, eine verbesserte Fahrgastinformation, mehr Steckdosen oder modernere WCs geben. Die Odeg setzt dafür Neubaufahrzeuge ein, bei der Deutschen Bahn sind es komplett erneuerte Bestandsfahrzeuge.

Hoher Krankenstand beschäftigt Verkehrsunternehmen

Zugleich müssen Fahrgäste künftig zum Teil etwas längere Fahrtzeiten einplanen, das betrifft beispielsweise Züge, die auf der hoch ausgelasteten Stadtbahn durch das Berliner Zentrum unterwegs sind. „Wir haben auf verschiedenen Linien nach Berlin die eine oder andere Minute an Puffer eingebaut, um die Stabilität zu erhöhen“, erklärte Thomas Dill vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB). Das heißt: Indem an manchen Bahnhöfen ein kurzer Aufenthalt eingeplant wird, sollen eventuelle Verspätungen kompensiert werden, damit die weitere Fahrt pünktlich verläuft. Teilweise kommen zudem neue Halte hinzu, wie auf der Linie RE2, die die Fahrtzeit verlängern.

Daneben beschäftigt die Branche auch wie andere der Personalmangel und ein aktuell hoher Krankenstand. Erst am Wochenende hatte die Berliner S-Bahn angekündigt, dass bis 21. Dezember zusätzliche Verstärkerfahrten, die normalerweise unter der Woche zur Hauptverkehrszeit angeboten werden, auf den Linien S1, S3 Express und S5 ausfallen. Wie VBB-Vertreter Thomas Dill sagte, sei das Personal auch darüber hinaus ein Thema. „Es wird sicherlich im Dezember der eine oder andere Zug nicht fahren können“, so Dill, auch wenn man versuche, Ausfälle zu vermeiden.

Carsten Moll, Chef der DB Regio Nordost, betonte, man habe sich auf den Fahrplanwechsel vorbereitet und noch einmal das Personal aufgestockt. Auch im Regionalbahnbereich seien aber die Krankenstände zurzeit – und auch mittelfristig – erhöht, so Moll. Dazu kämen kurzfristige Krankmeldungen, die nur schwer aufgefangen werden können. Dass Takte auf Linien ausgedünnt werden müssen, ist laut Moll zurzeit nicht geplant. „Wir fahren aktuell das komplette Angebot“, sagte er. Einzelne Ausfälle muss aber auch die Deutsche Bahn momentan vermelden.