Verkaufsoffener Sonntag

Berlin: Umsätze übertreffen Erwartungen des Handels

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Einkaufscenter wie die Mall of Berlin lockten am verkaufsoffenen Sonntag zahlreiche Menschen in die Stadt.

Einkaufscenter wie die Mall of Berlin lockten am verkaufsoffenen Sonntag zahlreiche Menschen in die Stadt.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Der erste verkaufsoffene Sonntag im Advent in Berlin hat viele Menschen in die Stadt gelockt. So lief das Adventsshopping in der City.

Berlin.  Der erste verkaufsoffene Sonntag in Berlin in diesem Advent hat zahlreiche Menschen in die Stadt gelockt. Egal ob in der Mall of Berlin, dem Kudamm oder den Weihnachtsmärkten: Es herrschte reger Betrieb in weiten teilen der City, mitunter wurde es richtig voll. Zahlen des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg stützen diesen Eindruck.

„Das war ein sehr gutes Wochenende und ein sehr guter Sonntag“, sagt Günter Pätz, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg. Nach Rückmeldung der Betriebe sei die Sonntagsöffnung sowohl von Einheimischen als auch Touristen sehr gut angenommen worden.

Verkaufsoffener Sonntag in Berlin: Einheimische und Touristen kommen in die Stadt

Viele machen es dabei offensichtlich so wie Christoph Schulz (33) und David Ruhe (34). Die beiden Freunde gönnen sich vor dem Adventsshopping – Ruhe will Schmuck für seine Freundin kaufen, Schulz begleitet ihn – erstmal einen Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz. „Nach drei Krisenjahren hat mich Weihnachten jetzt voll zurückgeholt“, sagt der 33-jährige Christoph Schulz, der in Charlottenburg lebt und als Architekt arbeitet. „Das ist schon der dritte Weihnachtsmarkt, den ich besuche.“

Dass die Krise nicht ganz vorbei ist, bekommt David Ruhe dennoch zu spüren. Der 34-Jährige führt eine Apotheke im Wedding und hat mit Arzneimittelknappheit, steigenden Preisen und den neu beschlossenen Einsparungen beim Honorar für verschreibungspflichtige Medikamente zu kämpfen. Trotzdem sagen beide, die steigenden Preise hätten keine Auswirkungen auf ihr Einkaufsverhalten.

Shopping-Lust kehrt nach den Corona-Jahren zurück

Die Erleichterung, dass die Pandemiejahre überstanden sind, überwiegt bei den meisten Einkaufsbummlern am Sonntag. Familie Herbig auf dem fränkischen Bad Brückenau konnte zum ersten Mal seit drei Jahren wieder ihren traditionellen Adventsausflug nach Berlin machen. „Seit die Kinder klein sind kommen wir vor Weihnachten für ein Wochenende hierher“, erzählt Bianca Herbig (48). Dabei hätten sie sich gezielt das Wochenende mit dem verkaufsoffenen Sonntag ausgesucht.

Ihr Adventsshopping war bisher erfolgreich: „Wir haben für beide Kinder jeweils ein Paar Air Jordans ergattert“, sagt Herbig. Dieses Turnschuh-Modell der Marke „Nike“ sei sonst fast immer ausverkauft. Für ihren Sohn wollen sie deswegen um Punkt 13 Uhr vor dem Schuhgeschäft stehen und die Sneaker noch einmal gegen eine größere Nummer umtauschen. Im Vergleich zur Heimat fällt ihnen vor allem auf: „Auf dem Weihnachtsmarkt hier ist alles viel teurer als bei uns“, sagt Bianca Herbig.

Für Eline Lund (46) und Björn Winter (45) gehen die Preise in Berlin im Vergleich zu Norwegen in Ordnung. Die medizinische Fachangestellte und der Kieferorthopäde pendeln zwischen Deutschland und Oslo. Schon um 12.30 Uhr spähen sie durch die noch geschlossenen Tore ins Kaufhaus. „Ins KaDeWe gehen wir vor allem, um die schönen Schaufenster anzusehen und einen Kaffee zu trinken“, sagt Lund.

Offenbar nutzen so viele Menschen die Gelegenheit zum Shopping in Berlin, dass mitunter wieder an die Umsätze aus dem letzten Vor-Corona-Jahr 2019 angeknüpft werden konnte. „Unsere Erwartungen wurden übertroffen“, sagt Handelsverbands-Mann Pätz. Das Einkaufsangebot und die vielen Weihnachtsmärkte habe wieder zahlreiche Menschen in die Stadt gelockt.

Handelsverband will Gewinnentwicklung noch abwarten

Komplett Entwarnung mag Günter Pätz für den Handel jedoch noch nicht geben: „Die Umsätze steigen zwar wieder, das liegt aber auch daran, dass die Waren teurer werden.“ Somit reduziere sich tendenziell die Anzahl der Käufe, gleichzeitig bleibe durch gestiegene Fixkosten weniger bei den Händlern hängen. Inwiefern die Gewinne aus dem Geschäft 2019 erreicht werden könnten, müsse sich daher noch zeigen. Nächster verkaufsoffener Sonntag ist der vierte Advent am 18. Dezember.

Zum Ende des ersten verkaufsoffenen Adventssonntags ist die Stimmung in Berlin jedoch erst einmal gelöst. An zahlreichen Armen baumeln am späten Nachmittag Einkaufstaschen, im Europacenter spielt die Swingband „The Swinging Hermlins“ den Song „Santa Claus is Coming to Town“. Just in dem Moment kommt ein Mann mit Zipfelmütze und Rauschebart um die Ecke. Scheint, als sei Weihnachtsstimmung trotz aller Krisen in der Stadt eingekehrt.