Nach Rauswurf

Berlins Ex-Messechef Ecknig wird sieben Monate weiterbezahlt

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Martin Ecknig war seit Januar 2021 Geschäftsführer der Messe Berlin. Seinen Posten ist er nun los. Eine Abfindung erhielt Ecknig juristisch gesehen nicht, aber er ist bis 30. Juni 2023 bezahlt freigestellt.

Martin Ecknig war seit Januar 2021 Geschäftsführer der Messe Berlin. Seinen Posten ist er nun los. Eine Abfindung erhielt Ecknig juristisch gesehen nicht, aber er ist bis 30. Juni 2023 bezahlt freigestellt.

Foto: Carsten Koall / dpa

Die Trennung von Ex-Messechef Martin Ecknig ist für das Land nicht umsonst. Die Nachfolge-Suche läuft. Welche Anforderungen es gibt.

Berlin.  Der am Mittwoch entlassene Ex-Chef der Berliner Messe, Martin Ecknig, erhält noch bis 30. Juni des nächsten Jahres sein volles Gehalt plus ihm zustehende anteilige Bonuszahlungen. Eine entsprechende Vereinbarung ist Morgenpost-Informationen zufolge am späten Mittwochabend zwischen dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Messe, Eric Schweitzer, und Ecknig selbst getroffen worden.

Eine Abfindung im juristischen Sinne erhält der Manager deshalb zwar nicht. Die bezahlte Freistellung sei aber nötig gewesen, um Ecknig dazu zu bewegen, die Auflösungsvereinbarung seines Vertrags zu unterzeichnen, hieß es aus Kreisen des Aufsichtsrats. Das Land Berlin geht mit diesem Weg möglicherweise komplizierte rechtlichen Auseinandersetzungen aus dem Weg. Man habe versucht über eine einvernehmliche Einigung mit Ecknig Prozessrisiken zu begrenzen, war zu hören.

Ecknigs Vertrag lief eigentlich noch bis Ende 2024

Ecknig zählt unter den Top-Managern der Berliner Landesbetriebe zu den Bestverdienern. Dem Vernehmen nach liegt sein Grundgehalt bei mehr als 300.000 Euro pro Jahr, hinzu kommen etwaige Bonuszahlungen in Höhe von etwa 125.000 Euro. Anzunehmen ist, dass Ecknig für das zurückliegende Jahr große Teile seiner variablen Vergütung erhält, denn die Geschäfte der Messe Berlin sollen nach dem Pandemie-Neustart besser als erwartet gelaufen sein. Die Lohnfortzahlung wurde auch wegen des mit Ecknig vertraglich vereinbarten Wettbewerbsverbots fällig, für das es im Falle eine Trennung enge rechtliche Leitplanken gibt. Für das Land Berlin sind die Eckpunkte zur vorzeitigen Ablösung Ecknigs zwar teuer, aber dennoch das bessere Geschäft. Der Vertrag des gebürtigen Berliners lief eigentlich noch bis Ende Dezember 2024.

Berlins Ex-Messechef war am Mittwoch von seinem eigenen Aufsichtsrat vor die Tür gesetzt worden. Ein neues juristisches Gutachten hatte zuvor Ecknigs sofortige Freistellung empfohlen. Ecking werden Compliance-Verfehlungen bei der Vergabe von Aufträgen an den Journalisten Gerhard Spörl, dem Ehemann der inzwischen abberufenen Ex-RBB-Intendantin Patricia Schlesinger, zur Last gelegt. Neuesten Erkenntnissen zufolge soll Ecknig Folgeaufträge an Spörl freihändig vergeben und damit gegen interne Richtlinien der Messe Berlin verstoßen haben.

Innerhalb der Messe hatte sich Ecknig zusehends abgeschottet

Der frühere Messe-Aufsichtsratschef Wolf-Dieter Wolf, der auch RBB-Verwaltungsratschef war, hatte Ecknig und Spörl miteinander bekannt gemacht. Wolf rückt auch in der Frage, wie Ecknig überhaupt zu seinem Posten gekommen ist, in den Fokus. Laut neuen Informationen kannten sich Ecknig und Wolf seit Jahren. Innerhalb des Berufungsverfahren habe Wolf dies aber nicht kenntlichgemacht, so der Vorwurf. Hinzu kommt, dass Wolf wohl aktiv dafür gesorgt haben soll, Ecknig mit einem längerfristigen Vertrag als üblich auszustatten: Statt drei Jahre Laufzeit bekam Ecknig vier.

Der Messe-Aufsichtsrat sah letztlich aber auch die persönlichen Fähigkeiten Ecknigs als nicht ausreichend an, um die Messe nach Corona wieder auf Kurs zu bringen. Es habe ein „generelles Missmatch zwischen ihm und seiner Aufgabe“ gegeben, so ein Mitglied des Aufsichtsrats. Das Top-Thema für den ausgewiesenen Immobilienexperten sei bei der Messe durch Corona zudem weggefallen: Die eigentlich anberaumte Sanierung des Geländes spielte kaum noch eine Rolle. Ecknig habe zudem nur wenig kommuniziert, sich eher abgeschottet und zurückgezogen. Das sei auch innerhalb des Landesunternehmens nicht gut angekommen.

Neuer Messechef soll international erfahren sein und das Geschäft kennen

Der Finanzchef der Messe, Dirk Hoffmann, wird nun bis auf Weiteres die Geschäfte führen. Grünes Licht für die Suche nach einem neuen CEO gab der Aufsichtsrat schon am Mittwoch. Zunächst soll nun eine Personalagentur beauftragt werden, die dann die Ausschreibung vornimmt. Wirtschaftssenator Stephan Schwarz (parteilos, für SPD) nannte gegenüber der Berliner Morgenpost am Donnerstag einen Zeitraum für die Suche von mindestens sechs Monaten. „Dann wären wir schnell“, so Schwarz, der auch stellvertretender Aufsichtsratschef der Messe ist.

Schwarz formuliert ganz klare Anforderungen an einen neuen Messe-Chef: „Ganz wesentliche Kompetenzen sind Wissen und Erfahrung im internationalen Messegeschäft und Kenntnisse, wenn es um die digitale Transformation von Messeveranstaltungen geht“, sagte Schwarz. Der Politiker erklärte weiter, er würde die Suche auch nicht nur auf Deutschland beschränken. „Das Geschäft ist sehr international, wir stehen im internationalen Wettbewerb. Jemand der diese Entwicklungen verstehe, wäre eine Bereicherung“, so Schwarz.

CDU greift den Wirtschaftssenator an

Die CDU im Berliner Abgeordnetenhaus kritisierte den Wirtschaftssenator am Donnerstag und warf ihm Intransparenz vor. Die Trennung ohne Begründung reihe sich ein in den Versuch, Vorgänge auch gegenüber dem Parlament nicht transparent zu machen, sagten Michael Dietmann, Sprecher für Betriebe und Beteiligungen, und Christian Gräff, wirtschaftspolitischer Sprecher. „Der von der SPD eingesetzte Wirtschaftssenator, der Ecknig noch vor Kurzen gelobt und Kritik abgetan hatte, scheint sowohl als Wirtschaftssenator als auch in seiner Funktion als Aufsichtsratsmitglied zu irrlichtern“, teilten sie mit.

Aufbruchstimmung versprühte hingegen die FDP. „Die Entlassung eines antriebslosen Messe-Chefs ohne jegliche Visionen für die Weiterentwicklung des Standorts ist eine gute Nachricht für unsere Stadt“, sagte Fraktionschef Sebastian Czaja. Jetzt habe die Messe die Möglichkeit, jemanden an die Spitze des Geschäfts zu setzen, der den Berliner Messestandort zeitgemäß in eine florierende Zukunft führe, so Czaja.