Martin Ecknig

Berlins Messechef muss sofort gehen

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Berlins Messechef Martin Ecknig muss sofort seinen Posten räumen. Dafür sprach sich der Aufsichtsrat des Landesunternehmens am Mittwoch bei einer Sitzung aus.

Berlins Messechef Martin Ecknig muss sofort seinen Posten räumen. Dafür sprach sich der Aufsichtsrat des Landesunternehmens am Mittwoch bei einer Sitzung aus.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Messechef Martin Ecknig muss seinen Posten räumen. Der Aufsichtsrat votierte wegen Compliance-Vergehen für das Ende seiner Tätigkeit.

Berlin. Martin Ecknig ist am Mittwoch von seinen Aufgaben als Messechef entbunden worden. Der Aufsichtsrat des Landesunternehmens votierte am Mittwoch dafür, dem Manager fristlos zu kündigen. Gleichzeitig stimmte man auch dafür, Gespräche mit Ecknig über eine einvernehmliche Vertragsauflösung zu führen, um möglichen Prozessrisiken aus dem Weg zu gehen. Ein entsprechender Aufhebungsvertrag zwischen Ecknig und dem Landesbetrieb ist Morgenpost-Informationen zufolge noch am Abend unterschrieben worden. Auch die Messe selbst bestätigte die Trennung.

Berlins Wirtschaftssenator Stephan Schwarz (parteilos, für SPD), der auch stellvertretender Aufsichtsratschef der Messe ist, sagte der Berliner Morgenpost am Mittwochabend: „Ich freue mich, dass der Aufsichtsrat den Weg frei gemacht hat für einen echten Neuanfang. Der Aufsichtsrat hat heute auch entschieden, ein Neubesetzungsverfahren in die Wege zu leiten. Wir sind Herrn Hoffmann dankbar, dass er bis zur Neubesetzung die Messe Berlin alleine führt.“ Dirk Hoffmann war bislang zweiter Mann hinter Ecknig und als CFO für die Finanzen des Landesbetriebs verantwortlich.

Ecknig stand seit Januar des vergangenen Jahres als Nachfolger des langjährigen Chefs Christian Göke an der Spitze der Berliner Messe. Der nun entlassene Messechef stolperte dem Vernehmen nach vor allem über die zahlreichen Compliance-Vorwürfe im Zusammenhang mit der RBB-Affäre. Die Messe hatte an den Ehemann der inzwischen abberufenen RBB-Intendantin Patricia Schlesinger, Gerhard Spörl, lukrative Aufträge in Höhe von rund 140.000 Euro vergeben. Der damalige Messeaufsichtsratschef Wolf-Dieter Wolf, der gleichzeitig auch Verwaltungsratschef beim Rundfunksender war, hatte Spörl und Ecknig einander bekannt gemacht.

Kommentar zum Thema: Chance für echten Neuanfang

Neues Gutachten belastet Ecknig schwer

Vorwürfe gab es auch rund um die Besetzung Ecknigs als Messechef. Gegen Wolf-Dieter Wolf laufen in dieser Sache noch immer Untersuchungen. Wolf soll damals seinen Bekannten Ecknig auf die Liste der Messechef-Kandidaten gebracht haben und Ausschreibungskriterien zu Ecknigs Gunsten geändert haben. Andere Mitglieder des Aufsichtsrats habe Wolf von seiner Bekanntschaft mit Ecknig hingegen nicht informiert, war zu hören. Wolf selbst bestritt die Vorwürfe.

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Anlass für den Aufsichtsrat, sich am Mittwoch vertiefend mit der Personalie Ecknig zu beschäftigen, gab ein neues arbeitsrechtliches Gutachten. Eine Kanzlei hat dem Messechef demnach „zahlreiche Verfehlungen und Richtlinienverstöße“ attestiert und die sofortige Freistellung empfohlen. Die Juristen werfen Wolf und Ecknig ein sogenanntes „kollusives zusammenwirken“ vor. Wolf soll also dafür gesorgt haben, Ecknig als Messechef zu installieren.

Ecknig ist eigentlich Fachmann für Immobilien

Der gebürtige Berliner Ecknig hatte von Beginn an als Messechef einen schwierigen Stand. Ecknig war von Siemens zum Landesunternehmen gekommen. Bei dem Industriekonzern hatte er sich zuvor vornehmlich um die konzerneigenen Immobilien gekümmert. Als Messefachmann hingegen galt Ecknig nie. In Berlin war das Geschäft mit den Messen während der Corona-Krise nahezu vollständig zum Erliegen gekommen. Ecknig, so hieß es zuletzt, auch innerhalb der Messe-Belegschaft, fehle die Weitsicht, wohin sich das Messegeschäft entwickeln könne. Ihm sei es auch nicht gelungen, neue Impulse zu setzen.

Ecknig sah selbst offenbar keinen Grund, vorzeitig von seinem Posten zurückzutreten. Im Sommer hatte er in einem Morgenpost-Interview noch sämtliche Schuld mit Blick auf die Verquickungen zwischen ihm, Wolf und Schlesinger-Ehemann Spörl zurückgewiesen. „Nein, ich habe keine Fehler gemacht“, hatte er erklärt. Dennoch beschäftigten sich danach mehrere Berliner Senatsverwaltungen und auch Anwaltskanzleien mit dem Geschehenen. In Sachen Auftragsvergabe an Gerhard Spörl hatte eine Untersuchung die Messe Berlin im Sommer entlastet. Demnach sei kein Verstoß gegen öffentliche Vergabevorschriften festgestellt worden, hieß es.

Auch in Sachen IFA warf man Ecknig intern zögerliches Agieren vor

Für die Messe Berlin war es in den vergangenen Monaten auch darum gegangen, das Geschäft nach der Pandemie wieder in Fahrt zu bringen. Mit der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung ILA, der Fruit Logistica, der Elektronikschau IFA und der Bahnmesse InnoTrans hatten in diesem Jahr erstmals wieder mehrere Großveranstaltungen stattgefunden. Messen und Kongresse gelten innerhalb der deutschen Hauptstadt als wichtiger Wirtschaftsfaktor. Tausende Besucher geben nicht nur auf dem Messegelände Geld aus, sondern auch bei Hotels, Restaurants und Taxifahrern. Auch das Land hatte deshalb immer wieder betont, wie wichtig ein Wiederhochfahren des Messegeschäfts für den Standort ist.

Ecknig konnte zuletzt noch einen Erfolg für sich verbuchen. Im Kampf um die Internationale Funkausstellung IFA gelang ihm ein Vertragsabschluss mit der IFA-Rechteinhaberin gfu und deren neuem Partner, dem internationalen Veranstaltungsunternehmen Clarion. Der Messechef allerdings soll auch da zu spät gehandelt haben, hörte man innerhalb des Landesunternehmens. Statt möglicherweise aktiv auf die gfu zuzugehen und einen neuen Vertrag auszuhandeln, wurde Ecknig vom Agieren seines Vorgängers Göke überrascht. Göke hatte die gfu und Clarion zusammengebracht. Die neuen Partner wollten der Messe und dem Land zunächst einen Vertrag diktieren. Erst später gelang es, neu zu verhandeln. Nun bleibt die IFA mindestens zehn weitere Jahre in Berlin – wobei die Messe nur noch Vermieter der Hallen ist. Martin Ecknig hingegen wird die nächste Auflage im September 2023 als Messechef nicht mehr erleben.