Zoo Berlin

Vogelgrippe: Zoo Berlin bleibt geschlossen

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Ein Hammerkopf, auch Schattenvogel genannt, war der erste Vogelgrippe-Todesfall im Zoologischen Garten Berlin. Seit 18. November ist der Zoo deswegen geschlossen.

Ein Hammerkopf, auch Schattenvogel genannt, war der erste Vogelgrippe-Todesfall im Zoologischen Garten Berlin. Seit 18. November ist der Zoo deswegen geschlossen.

Foto: Malte Ossowski/SVEN SIMON / picture alliance / SvenSimon

Eine erste Testrunde ergab keine weiteren Geflügelpest-Fälle. Dennoch kann der Zoo Berlin noch keine Entwarnung geben.

Berlin.  Zwei Wochen ist es her, dass ein Vogel im Zoo Berlin an der Vogelgrippe gestorben ist. Seitdem konnten keine weiteren Infektionen festgestellt werden. Das ergab eine erste Testrunde, bei der alle 1200 Vögel einmal auf das H5N1-Virus getestet wurden, so Zoo-Sprecherin Philine Hachmeister am Mittwoch. Der Zoo bleibt bis auf Weiteres für Besucher geschlossen.

Dass der verstorbene Hammerkopf ein Einzelfall bleibt, ist jedoch nicht sicher. „Das können wir erst nach weiteren Testrunden wissen“, sagte die Sprecherin. Die zweite Runde soll nach 21 Tagen durchgeführt werden, denn so lange dauert die Inkubationszeit der Geflügelpest.

Wie das H5N1-Virus in den Zoo gelangt ist, ist weiterhin unklar. Wildvögel, Besucher und Tierpfleger sind potenzielle Überträger, doch in Berlin und Brandenburg wurde in den letzten Wochen kein einziger Fall gemeldet.

Vogelgrippe Fall bei Stichproben-Testung entdeckt

Dass dieser Vogelgrippefall entdeckt wurde, liegt an den stichprobenartigen Testungen, die auch der Berliner Zoo durchführt. Symptome habe der erkrankte Hammerkopf keine gehabt, so Sprecherin Hachmeister. Anders als Haushühner, denen man eine Erkrankung anmerkt, versuchen Wildtiere offenbar jedes Zeichen von Krankheit und Schwäche „zu verstecken“. So verhinderten sie, in der Wildnis als leichte Beute erkannt zu werden, erklärt Hachmeister. Ein Vogelgrippefall fällt dann erst beim Testen auf.

„Sobald in den vergangenen Jahren ein Fall in der Umgebung auftrat, wurden die Vögel als Vorsichtsmaßnahme bereits in die Stallungen gebracht“, erklärte der Zoologische Leiter Christian Kern am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Doch der aktuelle positive Befund habe den Zoo ohne Vorwarnung getroffen. Auch interessant: „Jurassic Park“ in Berlin: Tierpark plant Dino-Ausstellung

Zoo-Direktor will Tötung des Bestands „in jedem Fall verhindern“

Nun droht den Wildvögeln im Zoo im schlimmsten Fall sogar der Tod im Namen der Seuchenbekämpfung. Das will Zoodirektor Andreas Knieriem in jedem Fall verhindern. Es gelte, „eine Katastrophe für unsere Vögel und den Zoo abzuwenden. Wir arbeiten derzeit mit Hochdruck daran, eine Ausnahmegenehmigung für unseren einzigartigen Vogelbestand zu bekommen.“

Das vorsorgliche Töten der infizierten Tiere ist in Geflügelfarmen das übliche Vorgehen. Für den Zoo wären die Folgen fatal. „Wir haben im Berliner Zoo den größten Wildvögelbestand in Europa. Den neu aufzubauen, würde zehn Jahre dauern.“ Die Frage, wann der Zoo wieder öffnen könne, habe daher momentan nicht die höchste Priorität, sagte Direktor Knieriem am Mittwoch.

Lehren aus Karlsruher Vogelgrippe-Ausbruch nur bedingt möglich

„Bisher wurde noch in keinem uns bekannten Zoo eine Tötung des gesamten Vogelbestands angeordnet“, sagte die Sprecherin des Berliner Zoos, „aber jeder Fall ist anders“. Nicht nur der Berliner Zoo hatte in diesem Jahr mit dem Vogelgrippe-Virus zu kämpfen. Auch in Karlsruhe musste der Zoo im Frühjahr vier Wochen lang wegen eines Ausbruchs schließen. Dort versuchte man ebenfalls, nicht alle infizierten Tiere vorsorglich zu töten. So konnten 63 der 90 erkrankten Tiere überleben.

Die Tierärzte des Berliner Zoos stehen in engem Austausch mit den Karlsruher Kollegen. Doch die Situation ist nicht eins zu eins zu vergleichen. Während in Karlsruhe alle Vögel in einem Haus leben, sind die Bestände im Berliner Zoo über das ganze Gelände verstreut. Dennoch wurden die bestmöglichen Schutzmaßnahmen getroffen, sagte Sprecherin Hachmeister. Die Vögel wurden in Stallungen gebracht, Volieren wurden mit Planen abgedeckt, um Kontakt zu Spatzen, Möwen und anderen Wildvögeln – etwa durch Kot – zu verhindern.

Sperrbezirk bisher nicht angeordnet

Arten wie die Pelikane, die ein Winterquartier haben, wurden dorthin in Sicherheit gebracht. Der gesamte Zoo steht unter Quarantäne: Nichts und niemand betritt oder verlässt das Gelände ohne Desinfektion. Diese Maßnahmen hat die zuständige Veterinär- und Lebensmittelaufsicht vom Ordnungsamt Berlin-Mitte angeordnet.

Ein Sperrbezirk mit einem Radius von drei Kilometern, wie es die Bundesverordnung zum Schutz vor Geflügelpest vorsieht, wurde bisher nicht eingerichtet. Bei Zoologischen Gärten können Behörden eine Ausnahme machen, das ist so explizit in der Verordnung vermerkt. Somit gelten für Tierheime und den Tierpark in Berlin aktuell keine besonderen Regeln.

Trotzdem hat der Tierpark Berlin bereits vorsorglich Schutzmaßnahmen für seine Vögel ergriffen. Genau wie im Zoo wurden hier alle Volieren abgedeckt und wo möglich die Tiere in Stallungen gebracht. Eine Risikoanalyse der Gesamtsituation im Zoo Berlin laufe aktuell noch, so eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz. Das Ergebnis werde dann die Grundlage für weitere Entscheidungen bilden, die der Veterinäraufsicht Mitte obliegen.

Loeffler-Institut: Risiko für Vogelgrippe deutschlandweit „hoch“

Die erneute Schließung nach den Corona-Jahren trifft den Berliner Zoo nach eigenen Angaben auch finanziell hart. Als gemeinnützige Organisation sei der Zoo Berlin auf Eintrittsgelder und Spenden angewiesen, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Übertragung von Vögeln auf Menschen oder andere Tiere ist bislang nur aus Einzelfällen bekannt. Mit der Schließung soll vor allem eine Verschleppung des Virus in andere Vogelbestände verhindert werden.

Seit 2020 tritt die Vogelgrippe vermehrt in Deutschland auf. Allein im Oktober wurden in Deutschland 24 Ausbrüche bei Hausgeflügel gemeldet. Betroffen waren Geflügelfarmen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bayern. Zugleich kamen 19 Fälle bei Wildvögeln in den gleichen Bundesländern vor. Das Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit, das diese Zahlen bekannt gibt, schätzt das Risiko für Übertragungen aktuell deutschlandweit als „hoch“ ein.

( mit dpa )