Nahverkehr

Neue S-Bahnen für Berlin kommen später

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Derzeit läuft das Vergabeverfahren für die S-Bahn-Teilnetze Nord-Süd und Stadtbahn in Berlin. Doch es kommt zu Verzögerungen.

Derzeit läuft das Vergabeverfahren für die S-Bahn-Teilnetze Nord-Süd und Stadtbahn in Berlin. Doch es kommt zu Verzögerungen.

Foto: Jens Kalaene / dpa

Die Vergabe der Teilnetze Nord-Süd und Stadtbahn verzögert sich. Und auch die Deutsche Bahn schafft den Netzausbau nicht rechtzeitig.

Berlin.  Berliner müssen deutlich länger auf die nächste S-Bahn-Generation warten als geplant: Die Betriebsaufnahme auf den beiden Teilnetzen Stadtbahn und Nord-Süd verschiebt sich um 16 beziehungsweise 30 Monate. Hintergrund sind zum einen Verzögerungen im laufenden Vergabeverfahren für die Teilnetze, zum anderen aber auch Verschiebungen im Zeitplan der DB Netz AG. Diese soll die für die neuen Züge geplanten neuen Werkstätten ans S-Bahn-Netz anbinden. „Die DB Netz AG hat uns deutlich mitgeteilt, dass sie den ursprünglichen Zeitplan nicht halten kann“, sagte Berlins Mobilitätssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) am Mittwoch. Beschleunigungspotenzial werde nicht gesehen.

Für die Stadtbahn, auf deren Strecken zum Beispiel die Linien S5, S7 und S9 fahren, ist in der Folge nun für den Juni 2029 die Betriebsaufnahme des neuen Verkehrsvertrags vorgesehen, der etwa durch dichtere Takte zu Verbesserungen im Angebot sorgen soll. Bislang war sie für den Februar 2028 geplant. Im Teilnetz Nord-Süd, das unter anderem die Linien S1, S2 und S8 umfasst, verschiebt sich der Termin von Dezember 2027 auf Juni 2030. Die unterschiedlich starke Verzögerung sei durch die Lage der neuen Werkstätten im jeweiligen Netz und dem Zeitplan der DB Netz erklärbar, hieß es. Die Werkstattstandorte sind in Waßmannsdorf, Fredersdorf, Hennigsdorf und an der Schönerlinder Straße angedacht.

Von dem Bahn-Tochterunternehmen gab es derweil Widerspruch zu der Darstellung der Senatsverwaltung: Sämtliche Terminpläne der Infrastrukturmaßnahmen für die S-Bahn-Ausschreibung – und damit auch für die Anbindung potenzieller Werkstätten – seien mit allen Partnern „eng abgestimmt und seit langem bekannt“, sagte Jens Bergmann aus dem Vorstand der DB Netz AG am Mittwochnachmittag. Und weiter: „Verzögerungen sind uns als DB Netz AG nicht bekannt.“

S-Bahn Berlin: 1400 neue Wagen sollen beschafft werden

Unterdessen ist beim laufenden Vergabeverfahren die nächste Phase erreicht: In den kommenden Monaten, bis Ende Juli 2023, können die Bieter ihre finalen Angebote einreichen. Mit der Bereitstellung der notwendigen Vergabeunterlagen hat die Verkehrsverwaltung am Mittwoch begonnen, bis Mitte Dezember sollen die letzten Anlagen für die Bewerber verfügbar sein.

Bei der Vergabe – der größten Ausschreibung in der Geschichte der Berliner S-Bahn – geht es um ein Volumen von voraussichtlich mehr als acht Milliarden Euro. Für die beiden Teilnetze Nord-Süd und Stadtbahn werden jeweils die Fahrzeuglieferung und -instandhaltung sowie der Betrieb neu vergeben. Mindestens 1400 S-Bahn-Wagen sollen neu beschafft werden und später in Landesbesitz übergehen.

Die Verträge sind auf lange Zeit ausgelegt: Der Betrieb wird für beide Netze für jeweils 15 Jahre vergeben, die Instandhaltung des Fuhrparks sogar über 30 Jahre laufen. Bewerber können Angebote für Einzellose, aber auch für das Gesamtpaket abgeben. Zu den Bietern zählt ein Konsortium aus S-Bahn Berlin GmbH, Stadler und Siemens-Mobility, außerdem der Konzern Alstom. Weitere Interessenten sind bislang nicht öffentlich bekannt.

Vergabeverfahren der S-Bahn: Zuschlag Anfang 2024 geplant

Den Zuschlag an den siegreichen Bieter wollen die Länder Berlin und Brandenburg Anfang 2024 erteilen – eigentlich war dieser bereits für Ende 2022 geplant. Diese Verzögerungen erklärte die Verkehrsverwaltung unter anderem mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie, einer längeren Verhandlungsphase mit den Bietern sowie deren Wünschen, für die Ausarbeitung ihrer finalen Angebote mehr Zeit zu bekommen.

Durch die Verschiebung der Betriebsaufnahme entsteht aber auch eine Lücke zwischen dem laufenden und dem künftigen Verkehrsvertrag, die überbrückt werden muss. Dafür soll ein entsprechender Übergangsvertrag geschlossen werden, der laut Verwaltung „wettbewerblich mit Zulassung von Altfahrzeugen“ ausgeschrieben wurde. Geschlossen ist dieser Vertrag noch nicht, allerdings gibt es, weil Altfahrzeuge eingesetzt werden sollen, nur ein Angebot vom Bestandsbetreiber, sprich der S-Bahn GmbH. Höhere Kosten sollen durch die Überbrückung allerdings nicht erstehen, sagte Jarasch, eben weil mit Bestandsfahrzeugen gearbeitet wird.

Kammergericht soll nächstes Jahr über Beschwerde eines Bieters entscheiden

Da die alten Züge damit länger im Einsatz sein sollen, sollen diese entsprechend fit gemacht werden. „Eine Ertüchtigung der Altfahrzeuge ist schon beauftragt worden und läuft auch schon“, erklärte die Verkehrssenatorin. Zudem kündigte Jarasch an, dass das Angebot bei der S-Bahn auch mit diesen Zügen ausgebaut werden soll. So sind beispielsweise im Rahmen des Interimsvertrags ab Ende 2023 längere Züge und dichtere Takte auf der S1 geplant, auch auf den Linien S2, S26 und S5 sollen mehr S-Bahn-Wagen eingesetzt oder Takte verdichtet werden. Auch die Siemensbahn soll wie geplant 2029 ihren Betrieb aufnehmen.

Zugleich steht aber noch ein Gerichtsentscheid über das Vergabeverfahren aus. Erst kürzlich hatte die Vergabekammer die Rügen des Bieters Alstom abgewiesen, der jedoch Beschwerde vor dem Kammergericht eingelegt hat. Jarasch geht davon aus, dass eine Entscheidung dort im kommenden Jahr getroffen wird – also bevor der Zuschlag im Vergabeverfahren erteilt wird. Zu weiteren Verzögerungen soll es damit nicht kommen.