USA -Austausch

Von Berlin auf eine Gemüsefarm in Kalifornien

| Lesedauer: 5 Minuten
Nicole Dolif
Sam, Lukas und Larissa (v.l.) gehörten zu einer Gruppe von 15 Sekundarschülern, die zur Freiwilligenarbeit in die USA gereist ist.

Sam, Lukas und Larissa (v.l.) gehörten zu einer Gruppe von 15 Sekundarschülern, die zur Freiwilligenarbeit in die USA gereist ist.

Foto: Jörg Krauthöfer / FUNKE Foto Services

15 Berliner und Brandenburger Sekundarschüler reisten in den Herbstferien für freiwillige Arbeit in die USA. Was sie dort erlebten.

Berlin.  Die Erinnerungen sind noch sehr lebendig. Bei einer Schülerin ist es der Sonnenaufgang, bei einer anderen die Arbeit auf der Gemüsefarm, ein Schüler erinnert sich besonders gern an die lustige Feier zu Halloween. Die Gruppe aus 15 Berliner und Brandenburger Sekundarschülerinnen und -schülern hat sich in den Herbstferien in die große weite Welt gewagt: Sie gingen mit dem Besuchsprogramm „USA for you“ nach Apple Valley, nördlich von Los Angeles. Dort lebten sie in Gastfamilien und halfen bei verschiedenen gemeinnützigen Projekten.

„Es war einfach eine einmalige Erfahrung“, schwärmt Larissa, (15) aus Brieselang. „Ich könnte mir seitdem auch definitiv einen längeren Austausch in die USA vorstellen.“ „USA for you“ ist ein Besuchsprogramm für Sekundarschüler aus verschiedenen Bundesländern und München. Es findet zweimal jährlich statt und ist für alle Teilnehmenden kostenlos. Es wird finanziell gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz von der Robert Bosch Stiftung, der Landeshauptstadt München, Youth For Understanding Deutschland, dem Experiment e.V. und der US-Botschaft in Berlin.

Arbeit hat die Gruppe zusammengeschweißt

Lukas (16) betonte, dass er so viele nette Menschen während des Austauschs kennengelernt hat. „Es war spannend, einen Einblick in eine amerikanische Highschool zu bekommen und zu sehen, wie unterschiedlich das System ist“, sagt er, „auch das Essen und die Lehrer sind ganz anders als ich das aus meiner Schule in Berlin kenne.“ Auch die freiwillige Arbeit auf einer Gemüsefarm hat der Gruppe großen Spaß gemacht. „Wir haben Unkraut gejätet und Samen eingepflanzt“, sagt Lukas, „durch unsere Unterstützung konnten wir dem Farmer zwei Wochen Arbeit abnehmen.“ Das habe sie auch als Gruppe zusammengeschweißt.

Deshalb war die Freude auch besonders groß, als sich die 15 Schülerinnen und Schüler am Montag im Festsaal des Roten Rathauses noch einmal zur Abschlussveranstaltung trafen. Zusammen mit Schülerinnen und Schülern aus Thüringen, Sachsen-Anhalt, München, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern warteten sie gespannt auf die Worte von Berlins Regierender Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) und der amerikanischen Botschafterin Dr. Amy Gutmann. „Wir sind hier heute zusammengekommen um zu würdigen, was ihr geschafft habt“, sagte Giffey, „ihr wart alleine im Ausland, ihr habt euch getraut, obwohl ihr am Anfang vielleicht noch nicht so gut Englisch konntet.“

Wichtige Erfahrung für junge Menschen

Sie selbst habe nach dem Mauerfall auch mehrere Austausche gemacht. Sie sei in den USA, Frankreich, Japan und Brüssel gewesen. „Diese Erfahrungen haben mich für mein Leben geprägt“, sagte Giffey. Sie appellierte an die Eltern, ihre Kinder auch in Zukunft bei solchen Erfahrungen zu unterstützen. „Ihre Kinder bekommen dadurch etwas, was ihnen kein Schulunterricht geben kann. Sie bekommen Lebenserfahrung, Mut und Vertrauen in die eigene Kraft. Und vor allen Dingen eine unglaubliche Neugier auf mehr“, sagte Giffey. Und außerdem hätten sie erfahren, was es bedeutet, fremd zu sein. „Es ist wichtig zu wissen, wie sich das anfühlt“, sagte Giffey, „ich denke, dass man dadurch jeden, der in unserem Land neu ankommt, die Sprache vielleicht noch nicht so gut kann, besser verstehen kann. Auch deshalb unterstützen wir den Austausch gerne. Wir wollen, dass junge Leute über den Tellerrand hinaus schauen.“

Bisher haben an dem Programm etwa 300 Schülerinnen und Schüler teilgenommen. „Ein Auslandsaufenthalt ist für jede Schülerin und jeden Schüler ein großer Schritt“, betonte US-Botschafterin Gutmann. „Als Tochter eines Flüchtlings, die als erste in ihrer Familie ein College besuchte, erinnere ich mich noch sehr gut daran, wie es war, meine Komfortzone zu verlassen. Deshalb möchte ich sie alle beglückwünschen.“ Sie betonte, dass „USA for you“ eines der wenigen Programme ist, die in Deutschland angeboten werden und einen Freiwilligendienst in den USA ermöglichen. „Ehrenamtliche Arbeit hat in den Vereinigten Staaten eine lange Tradition“, sagte Gutmann. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Programms konnten während ihres Austauschs bürgerschaftliches Engagement in den USA kennenlernen. „Ich hoffe, dass die Freundschaften, die Sie dort geschlossen haben, von Dauer sein werden“, sagte Gutmann in ihrer Ansprache, „Sie sind nun ein Teil der Bande, die unsere beiden Länder miteinander verbindet.“

Larissa, Lukas und auch Sam können sich gut vorstellen, an einem weiteren Austausch mit den USA teilzunehmen. „Es war einfach alles super“, sagen die zwei Schülerinnen und der Schüler. Sie haben sich durch Fast-Food-Restaurants gefuttert, Feste gefeiert und gearbeitet. Mit einer Fülle von spannenden Erfahrungen sind sie nach den 14 Tagen nach Berlin und Brandenburg zurückgekehrt. „Ich glaube, dass diese Zeit uns schon alle jetzt sehr geprägt hat“, sagt Lukas.