Kundgebung

Hunderte ziehen bei Silvio-Meier-Demo durch Friedrichshain

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Die Spitze des Demonstrationszuges der Silvio-Meier-Demo in der Boxhagener Straße.

Die Spitze des Demonstrationszuges der Silvio-Meier-Demo in der Boxhagener Straße.

Foto: Philipp Siebert

Mit Pyrotechnik und Nebeltöpfen zog die jährliche Demonstration am Abend durch den Friedrichshainer Kiez.

Lautstark mit Sprechchören und Pyrotechnik hat sich die linke Demonstration zum Gedenken an Silvio Meier kurz vor 19 Uhr durch den Friedrichshainer Nordkiez in Bewegung gesetzt. Mehrere hundert Menschen sind dem Aufruf unter dem Motto „Fight Back - Antifa bleibt Handarbeit. Gegen Nazis und rechtsoffene Verschwörungsideologien“ gefolgt.

Auf der Rigaer und der Schreinerstraße wurden aus Häusern sowie aus dem Zug selbst Raketen und Nebeltöpfe gezündet. Die Polizei stoppte den Protestmarsch daher bereits nach wenigen Minuten, was die Teilnehmenden zu mehreren polizeifeindlichen Parolen brachte. Die Beamten, die relativ auf Abstand blieben, ließen sich davon jedoch nicht provozieren.

Die Protestierenden kritisierten das Erstarken Rechter und rechtsradikaler Kräfte in Deutschland und ganz Europa - zuletzt vor allem in Italien. Die Demonstranten wollten allerdings auch an Menschen erinnern, die von Neonazis getötet wurden, vor allem an den Hausbesetzer Silvio Meier erinnern. Der damals 27-Jährige wurde am 21. November 1992 im U-Bahnhof Samariterstraße von Neonazis erstochen wurde.

Vom Nord- geht es dazu durch den Südkiez und nach Lichtenberg, wo die Demo um 22 Uhr auf dem Roedernplatz enden soll.

Von Friedrichshain zog die Demo weiter nach Lichtenberg - laut den Organisatoren "ein Ort, wo sich Nazis wohlfühlen".

Auf dem Nöldnerplatz in Rummelsburg stoppte der Zug zunächst für eine Zwischenkundgebung, bevor es durch den benachbarten Weitlingkiez ging. Der galt in den 1990er-Jahren als Nazi-Hochburg. Dem sei zwar nicht mehr so, allerdings würde es nach wie vor rechte Strukturen und Treffpunkte geben, hieß es aus dem Lautsprecher. Einer davon sei die Kneipe „Sturgis“ an der Magaretenstraße.

Hier sollte die Demonstration ursprünglich entlangführen, was die Polizei allerdings als zu gefährlich bewertete und untersagte. Die Anmelder gehen von 600 bis 800 Teilnehmern aus.

Zusätzlich sicherte die Polizei im Weitlingkiez mehrere Läden vor möglichen Übergriffen.

Mehr als eine Stunde vor dem geplanten Ende um 22 Uhr endete die Demonstration schließlich auf dem Vorplatz des Bahnhofs Lichtenberg. Hier wurde an Eugeniu Botnari erinnert, der 2016 vom damaligen Leiter eines Supermarkts im Bahnhof angegriffen wurde und später an seinen Verletzungen starb.

Ursprünglich wollte der Zug noch weiter bis zum Roedernplatz ziehen. Man ende jetzt aber hier, da der Weg bislang schon recht weit gewesen sei, hieß es. Um 20.44 Uhr wurde die Demonstration offiziell beendet. Nennenswerte Zwischenfälle blieben aus.