Engpässe

Existenzangst im Brandenburger Handwerk: Demo in Cottbus

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Ein Bäcker formt in der Backstube Teig.

Ein Bäcker formt in der Backstube Teig.

Foto: Soeren Stache/dpa/Symbolbild

Das Handwerk in Brandenburg blickt alles andere als optimistisch auf die kommenden Monate. Laut einer Umfrage ist die Stimmung unter den Betrieben im Keller. Die Handwerker fühlen sich allein gelassen in der Krise. In Cottbus soll es lautstarken Protest geben.

Cottbus (dpa/bb). Hohe Einkaufspreise, Versorgungsengpässe, stagnierende Aufträge und Fachkräftemangel: Handwerksbetriebe im Süden und Osten Brandenburgs sehen sich zunehmend in ihrer Existenz bedroht. Unter dem Motto „Mittelstand stirbt“ hat die Kreishandwerkerschaft Cottbus/Spree-Neiße (KH) daher für diesen Freitag zu einer Kundgebung am Oberkirchplatz in Cottbus aufgerufen.

Das Motto sei in voller Absicht zugespitzt worden, sagte Corina Reifenstein, Präsidentin der Handwerkskammer Cottbus. Vielen Handwerksunternehmen stehe das Wasser bis zum Hals. „Schade, dass wir Handwerker immer erst laut werden müssen, um gehört zu werden. Wir sind die Wirtschaftsmacht von nebenan, das wollen wir bleiben“, sagte Reifenstein. Betrieben müsse jetzt geholfen werden. Da sei nichts mehr, wo Betriebe „den Gürtel enger schnallen können“.

In der Herbstkonjunkturumfrage des Kammerbezirkes in Südbrandenburg, der 9700 Handwerksbetriebe vertritt, gab fast die Hälfte der Unternehmen an, dass die momentane Lage für sie stark bedrohend bis existenzbedrohend ist. Die Energiekosten der Unternehmen sind der Befragung zufolge um fast 54 Prozent gestiegen. Mehr als die Hälfte hat gegenüber aktuellen Strom- oder Gasverträgen Mehrkosten zu schultern. Im Durchschnitt betragen diese der Befragung nach über 70 Prozent. Bei Gas seien die Kosten doppelt so hoch wie vor der Krise. Wenn die Politik nicht schnell handele, sei der handwerkliche Mittelstand gefährdet, warnte Reifenstein.

Auch in Ostbrandenburg ist die Stimmung pessimistisch, wie der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Frankfurt (Oder), Frank Ecker, beschreibt. Neun von zehn Betrieben berichteten von Preissteigerungen im Einkauf. Zudem gibt das aus Sicht von Eckert späte Reagieren der Bundespolitik sowie „das Hin und Her bei den Maßnahmen und Schutzschirmen keine Sicherheit und Zuversicht“. Die Kammer vertritt 11.550 Betriebe in der Region.

Insbesondere die Treibstoff- und Energiekosten sind nach Angaben der Betriebe ein Problem. Auf einer Kundgebung in Frankfurt (Oder) forderte der ehrenamtliche Präsident der Handwerkskammer, Wolf-Harald Krüger, die Bundesregierung auf, gegen „Spekulanten auf den Energiemärkten“ vorzugehen. „Die Preisfindung bei Treibstoffen, Gas und Strom kann in Krisenzeiten nicht allein dem Markt überlassen werden. Wenn dieser Markt nicht mehr funktioniert, muss er stärker reguliert werden.“

Insgesamt fallen die Aussichten des brandenburgischen Handwerks pessimistisch aus. So erwarten für die kommenden Monate nur noch 68 Prozent der befragten Betriebe eine gleichbleibende oder bessere Geschäftslage. Im Vorjahr waren es noch 89,4 Prozent. Mit 32 Prozent rechnet fast ein Drittel aller Befragten mit einer Verschlechterung - in Ostbrandenburg sind es 35 Prozent der Betriebe, im Westen des Landes 19 Prozent und in Südbrandenburg rund 42 Prozent.

( © dpa-infocom, dpa:221125-99-655107/3 (dpa) )