Steuerfreie Sonderzahlung

Diese Berliner Firmen zahlen die Inflationsprämie

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Wer bekommt die steuerfreie Inflationsprämie in Berlin vom Arbeitgeber gezahlt? Eine Morgenpost-Umfrage zeigt: Tausende Berliner werden davon profitieren. Es gibt aber auch Firmen, die sich noch nicht darauf verständigt haben.

Wer bekommt die steuerfreie Inflationsprämie in Berlin vom Arbeitgeber gezahlt? Eine Morgenpost-Umfrage zeigt: Tausende Berliner werden davon profitieren. Es gibt aber auch Firmen, die sich noch nicht darauf verständigt haben.

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Einige große Firmen in Berlin zahlen Mitarbeitern die steuerfreie Inflationsprämie, andere nicht. Die Wirtschaft warnt aber auch.

Berlin.  In der deutschen Hauptstadt haben bislang vor allem große Konzerne verkündet, ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Inflationsprämie in Höhe von bis zu 3000 Euro zahlen zu wollen. Einige warten aber auch noch ab. Einer Morgenpost-Umfrage zufolge planen derzeit Großunternehmen wie Bayer, Telekom, Siemens und Siemens Energy die Zahlung der steuerfreien Pauschale. Zum Teil geht das auch auf Tarifeinigungen in den jeweiligen Branchen zurück.

Die Arbeitgebervertreter der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) warnten allerdings, nicht alle Firmen könnten sich die Zahlung einer solchen Prämie auch leisten. Mit dem steuer- und sozialabgabenfreien Inflationsausgleich von 3000 Euro hätten die Unternehmen die Möglichkeit, ihre Beschäftigten angesichts der steigenden Preise zu unterstützen. In vielen Branchen würden darüber Arbeitgeber und Gewerkschaften im Rahmen von Tarifverhandlungen sprechen, so UVB-Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck.

UVB: Nicht alle Firmen können sich eine solche Zahlung leisten

„Allerdings können sich längst nicht alle Firmen aufgrund der vielfach schwierigen wirtschaftlichen Situation und wegen der fehlenden Liquidität eine solche Zahlung leisten. Viele sind allenfalls in der Lage, einen Bruchteil davon zu schultern. Deshalb ist es wichtig, dass dieser Betrag freiwillig und mit großer Flexibilität gezahlt werden kann“, sagte Amsinck weiter.

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Auf eine Tarifeinigung in der chemischen Industrie geht zum Beispiel zurück, dass der Pharmariese Bayer seinen an den Tarif gebundenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern 3000 Euro Inflationsprämie auszahlt. „Ob und inwieweit wir auch außertariflich Beschäftigten und Leitenden Angestellten eine steuerfreie Sonderzahlung als Teuerungsausgleich gewähren werden, wird derzeit intern geprüft und ist noch nicht abschließend entschieden“, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. Bayer hat in Berlin gut 5000 Beschäftigte.

Bei der Telekom erhalten Mitarbeiter in unteren und mittleren Tarifgruppen Sonderzahlungen

Von der Telekom hieß es, Mitarbeiter in den unteren und mittleren Tarifgruppen würden 2022 und 2023 jeweils 500 Euro als Sonderzahlungen erhalten. Auch diese Prämie geht auf einen bereits abgeschlossenen neuen Tarifvertrag zurück. In Berlin hat der Telekommunikationskonzern 5300 Beschäftigte.

Von einer in der vergangenen Wochen erzielten Einigung zwischen Arbeitgebern und IG Metall profitieren in der Hauptstadt auch die Tausenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Siemens und Siemens Energy. Anfang 2023 und Anfang 2024 erhalten die Metalltarif-Beschäftigten jeweils 1500 Euro als steuer- und abgabenfreie Inflationsausgleichsprämie. Siemens Energy teilte mit, einen Großteil der 5000 Beschäftigten in Berlin nach dem Tarifvertrag zu vergüten. Man sei aber ohnehin daran interessiert, „kontinuierlich eine wettbewerbsfähige und faire Vergütung“ zu bieten. Das schließe auch andere Sonderleistungen mit ein.

Andere Arbeitgeber in Berlin haben sich noch nicht vollends zur Zahlung einer solchen Tarifprämie entschlossen. Vom Dax-Konzern Zalando hieß es: „Es wurde noch keine finale Entscheidung über die Zahlung der Inflationsausgleichprämie getroffen“. Der Online-Modehändler hat 8000 Beschäftigte in Berlin. Auch Kochboxenversender Hellofresh hat in dieser Hinsicht noch keine Entscheidung getroffen, so eine Sprecherin.

Deutsche Wohnen findet Inflationsprämie „gut und richtig“ – Bahn verweist auf nahende Tarifgespräche – BVG prüft

Der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen signalisierte grundsätzliche Bereitschaft, die Prämie zu zahlen: „Die Idee der Inflationsausgleichsprämie finden wir in diesen herausfordernden Zeiten gut und richtig. Wie wir das als Deutsche Wohnen umsetzen, daran arbeiten wir aktuell noch“, sagte ein Sprecher. Auch von den Supermärkten Rewe und Edeka (10.000 Mitarbeiter in Berlin) hieß es, man prüfe das Thema.

Die Deutsche Bahn mit ihren rund 23.200 Mitarbeitenden in der Hauptstadt verwies auf die anstehenden Tarifrunden. Dabei komme es am Ende auf ein gutes Gesamtpaket an, so eine Sprecherin. Auch das Landesunternehmen Messe wies auf bevorstehende Tarifverhandlungen hin, ebenso die Stadtreinigung BSR. Von der BVG hieß es: „Das Thema Inflationsausgleich ist bei uns aktuell in der Prüfung.“

Absagen gab es hingegen von den landeseigenen Klinikkonzernen Charité und Vivantes. „Die Charité – Universitätsmedizin Berlin hat konzernweit knapp 21.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir werden keine Inflationsausgleichprämie auszahlen können, da diese nicht refinanziert ist. Ein Großteil der Löhne und Gehälter wird aus Mitteln der öffentlichen Hand finanziert. Jetzt im November erhalten Beschäftigte den Pflegebonus, die Begünstigten dafür hat der Gesetzgeber festgelegt“, so ein Sprecher. Auch Vivantes erklärte, aus eigenen Mitteln eine solche Zahlung nicht aufbringen zu können.

DGB will sich langfristig für gute Löhne einsetzen

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Berlin und Brandeburg forderte hingegen Entlastungen für die Menschen in „allen Bereichen“. „Dass die Bundesregierung zusätzliche Zahlungen der Arbeitgeber von bis zu 3000 Euro steuerfrei ermöglicht, ist ein gutes weiteres Angebot. Das kann den Menschen helfen, die steigenden Belastungen zu stemmen. Eine schnelle Unterstützung ist gut – allerdings ist unser Ziel als Gewerkschaften die dauerhafte Stabilisierung der Reallöhne“, erklärte DGB-Chefin Katja Karger. Dafür werde sie sich in den anstehenden Tarifrunden einsetzen.

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