Autoverkehr

Friedrichstraße: Öffnung erst in letzter Minute?

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Birgit Lotze
Der Weihnachtsbaum auf der Friedrichstraße darf auch dann noch stehenbleiben, wenn in vier Tagen die Sperrung für den Autoverkehr ausläuft. Er wird dann wie eine Baustelle behandelt.

Der Weihnachtsbaum auf der Friedrichstraße darf auch dann noch stehenbleiben, wenn in vier Tagen die Sperrung für den Autoverkehr ausläuft. Er wird dann wie eine Baustelle behandelt.

Foto: Birgit Lotze / BERLINER MORGENPOST

Die letzten Sperren sollen in der Nacht zum Mittwoch fallen – der letztmögliche Zeitpunkt zur Öffnung der Friedrichstraße für Autos.

Berlin. Die Friedrichstraße wird sozusagen in letzter Minute für Autos geöffnet. Das Bezirksamt Mitte hat den Rückbau der letzten Verkehrssicherungen zwischen Französischer und Leipziger Straße für den späten Dienstagabend, beziehungsweise die Nacht auf Mittwoch angekündigt. Das Berliner Verwaltungsgericht hatte die Sperrung des Abschnitts der Friedrichstraße nach Auslaufen eines Verkehrsversuchs für rechtswidrig erklärt und als letztmöglichen Zeitpunkt zur Öffnung der Fahrbahn für Autos den 22. November festgesetzt.

Parken soll dann auf einigen Fahrbahnabschnitten wieder möglich sein. Fußgängern steht dann wieder nur der Gehweg zur Verfügung – zumindest vorerst. Der Weihnachtsbaum vor dem Russischen Haus im Abschnitt zwischen Jäger- und Taubenstraße darf stehenbleiben. Er werde, ähnlich wie Baustellen, am Fahrbahnrand gesichert, teilte das Bezirksamt mit.

Almut Neumann, Bezirksstadträtin für Ordnung, Umwelt, Natur, Straßen und Grünflächen in Mitte, hat noch einmal ihren Willen verdeutlicht, aus dem Abschnitt der Friedrichstraße eine Flaniermeile zu machen – und zwar möglichst bald. Sie gehe davon aus, dass sie die Umwidmung der Straße bis Ende des Jahres im Bezirksblatt ankündigen könne. Die Verkehrsverwaltung hatte nach dem Ende eines Verkehrsversuchs beantragt, die Friedrichstraße zwischen Französischer und Leipziger Straße dauerhaft umzuwidmen. Das Verfahren ist aber noch nicht abgeschlossen.

Die Möglichkeit einer Teilentziehung, also die Beschränkung der Nutzung der Straße für bestimmte Zwecke oder Kreise für das öffentliche Wohl, sieht Almut Neumann bei der Friedrichstraße als klar gegeben. Der Verkehrsversuch habe gezeigt, dass die Mehrheit der Menschen, die sich auf der Friedrichstraße aufhielten, auf Nachfrage sehr positiv darauf reagierten, dass keine Autos mehr fahren. Die Fahrradstreifen seien hingegen umstritten gewesen.

Der Versuch habe gezeigt, dass es grundsätzlich funktioniert. Daher reagiere man nun: Die Radtrasse werde abgeschafft, die Friedrichstraße solle bald den Fußgängern gehören. Radfahrern werde eine Alternative in der Charlottenstraße geschaffen.

Auf Nachfrage, ob die Anrainer aktiv eingebunden worden seien, sagte die Bezirksstadträtin, zwischen Bezirksamt, Senat und Anrainern bestehe ein reger Austausch, Beiträge der Anrainer fänden sich auch im neuen Konzept wieder. Sie hätten beispielsweise Fassadenbegrünungen favorisiert und allgemein mehr Grün gewünscht.

Die Flaniermeile soll möglichst bereits im Januar aufgebaut werden

Dass die Flaniermeile intensiv grün startet, davon kann man wohl nicht ausgehen. Die Friedrichstraße zu entsiegeln und Bäume zu pflanzen, sei schon wegen der darunter verlaufenden U-Bahn schwierig, sagt Almut Neumann. Ebenso schwierig werde eine Ausgestaltung mit Grün beim geplanten Start der Flaniermeile im Januar. „Wir brauchen möglichst viele Sondernutzungen.“ Sie freue sich, dass es gelungen ist, den Weihnachtsbaum vor dem Russischen Haus zu halten.

Die Bezirksstadträtin sieht die Flaniermeile nicht nur unter dem Aspekt der Stadtplanung, des Verkehrs, sondern auch unter dem Thema Wirtschaftsförderung für die Geschäfte. „Ich sehe sie als einen Baustein, um die Friedrichstraße zu retten.“ Man müsse gucken, ob eine Flaniermeile nicht mehr Leben in die Straße holen könne. Bei der Gestaltung der Friedrichstraße arbeiteten Bezirksamt und Senat, auch zwischen den Ressorts, sehr gut zusammen. „Der Grundstein ist gelegt. Ich freue mich darauf, wie es weitergeht.“