Fußball

Hertha geeint in schwierige Zukunft

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Hertha-Geschäftsführer Thomas E. Herrich.

Hertha-Geschäftsführer Thomas E. Herrich.

Foto: Andreas Gora/dpa

Trotz einer schwierigen Situation ist die Stimmung auf der Mitgliederversammlung von Hertha BSC überwiegend positiv. Das wird in den kommenden Monaten aber auf die Probe gestellt werden.

Berlin. Der 2:0-Erfolg gegen den 1. FC Köln hat trotz aller sportlicher und wirtschaftlicher Probleme für eine positive Grundstimmung auf der über sechs Stunden dauernden Mitgliederversammlung des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC gesorgt. Mit tosendem Applaus wurde Trainer Sandro Schwarz empfangen, der den 1551 anwesenden Mitgliedern in der Messehalle 22 am Funkturm am Sonntag versprach, „Ende Mai dazustehen, wo wir hingehören.“

Wie die sportliche Ausbeute in den ersten 15 Ligaspielen ausbaufähig ist, geht auch die wirtschaftliche Situation ebenso negativ einher. Hertha-Geschäftsführer Thomas E. Herrich musste ein negatives Jahresergebnis von 79,8 Millionen Euro verkünden, dass die Handlungsfähigkeit die Verantwortlichen auch bei möglichen Transfers einschränken wird. „Wir wollen uns in den nächsten zwei, drei Saisons kurz- und mittelfristig substanziell verbessern und eine Schwarze Null im Jahresergebnis, was Ertrag und Aufwand angeht, anstreben“, sagte der 58-Jährige.

Durch den Verlust schrumpfte das Eigenkapital von 107,5 auf 29,5 Millionen Euro. Vor allem über eine Reduzierung der Personalkosten in allen Bereichen - größter Posten ist laut Herrich der Spieleretat - soll das Gesamtergebnis freundlicher gestaltet werden: „Wir haben einen klaren Kurs mit dem Präsidium vereinbart. Wir müssen den Gürtel enger schnallen.“ Hinzu habe die Corona-Pandemie mit all ihren Folgen „uns hart getroffen“, sagte Herrich, „wir müssen uns umfangreich konsolidieren“.

Kay Bernstein forderte in seiner ersten Mitgliederversammlung als Präsident die Mitglieder zu Einigkeit auf. „Wir müssen ein Wir-Gefühl erzeugen, das haben wir bravourös geschafft. Wir haben es geschafft, dass der Verein ein wenig demütiger und ruhiger geworden ist. Und dieses Grundgefühl des Zusammenseins, der Gemeinschaft ist die Grundlage, damit wir erfolgreich in der Zukunft zusammenarbeiten können“, sagte der 42-Jährige, der in einer Rede eine Bilanz seiner 140 Tage Amtszeit zog und dabei ein neues Stadion bis 2030 in Aussicht stellte.

Hitzig wurde es bei dem Antrag zur Abwahl des Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Brüggemann, dem vor der letzten Mitgliederversammlung im Juni „nachweislich Einfluss“ auf die Präsidentenwahl vorgeworfen worden war. Mit 51 Prozent Zustimmung zur Abwahl wurde die nötige Dreiviertelmehrheit verfehlt.

Größer war die Zustimmung bei der Einführung einer Mädchen- und Frauenfußballabteilung. Hertha hatte am Freitag bereits den Weg frei gemacht und in einer gemeinsamen Erklärung die zum kommenden Sommer auslaufende Kooperation mit dem Frauen-Bundesligisten Turbine Potsdam aufgekündigt. „Wir sind die letzten bei den Bundesligisten, die noch keine Frauenfußballabteilung haben“, sagte Bernstein, „das gibt uns einen Vorteil: Wir brauchen die Fehler der anderen nicht noch einmal machen.“

Fehler sollen auch die Profis im kommenden Jahr vermeiden. Trotz einer enttäuschenden Ausbeute von bis dahin elf Zählern kamen 60 827 Zuschauer ins Stadion des Vereins, der vor dem Köln-Spiel auf dem Relegationsplatz lag. Das 2:0 durch die Treffer von Wilfried Kanga (9. Minute) und Marco Richter (54.) lässt Hertha nach dem dritten Saisonsieg mit 14 Zählern auf dem 15. Platz überwintern.

Schwarz betonte die Entwicklung der Mannschaft, die künftig weiter optimiert werden soll, um den Abstiegsplätzen zu entkommen. „Wenn wir komplett bei uns bleiben, dann bin ich überzeugt, dass wir Ende Mai da stehen, wo wir hingehören“, sagte Schwarz und meinte damit höhere Tabellenregionen. Bernstein, der bereits bei der geplanten wirtschaftlichen Konsolidierung von einem „Marathon“ gesprochen hatte, sieht auch bei den sportlichen Aspekten Geduld gefragt: „Geduld ist als Berliner immer schwierig, aber Geduld und Zusammenhalt werden wir auf unserem langen Weg brauchen.“

( © dpa-infocom, dpa:221112-99-493582/6 (dpa) )