Schulbau

Inklusiver Ergänzungsbau an Schilling-Schule eröffnet

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Victoria Atanasov
Der modulare Ergänzungsbau der Schilling-Schule wurde eröffnet.

Der modulare Ergänzungsbau der Schilling-Schule wurde eröffnet.

Foto: Victoria Atanasov

Mit dem inklusiven modularen Ergänzungsbau bekommt die Schilling-Schule zusätzlichen Platz und hochmoderne Technik.

Berlin. Versteckt hinter dem Hauptgebäude der Britzer Schilling-Schule in der Paster-Behrens-Straße steht der grünliche Block, anfangs wurde er auch Container genannt. Es ist Neuköllns dritter modularer Ergänzungsbau (MEB), der den Schülerinnen und Schülern des sonderpädagogischen Förderzentrums mehr Platz bietet. Im Beisein politischer Gäste wurde er heute im Rahmen der Berliner Schulbauoffensive eröffnet.

Drinnen war da bereits viel los. In der großen Mensa begrüßten die Schülerinnen und Schüler etwas aufgeregt die Ehrengäste. An Julius’ Easytalkpad, einer Kommunikationstechnologie für behinderte Menschen, klebte ein Bild von Andreas Geisel, Senator für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen (SPD). Damit er weiß, wen genau die Stimme aus seinem Tablet adressieren soll. Dann wurde gemeinsam ein Herbstlied angestimmt.

„Wir freuen uns sehr darüber, dass wir ein Gebäude erhalten, das die Möglichkeiten schafft, den spezifischen Anforderungen und behinderungsbedingten Bedürfnissen entgegenzukommen,” sagt Schuldirektor Andreas Seefeld. 53 ältere Schülerinnen und Schüler sind bereits seit den Herbstferien in den Block umgezogen. Heute dann wurde symbolisch der Schlüssel von Bezirksbürgermeister Martin Hikel und Bildungsstadträtin Karin Korte (beide SPD) an Seefeld übergeben.

Ergänzungsbau mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung

Von außen sieht er aus wie andere Ergänzungsbauten, von innen unterscheidet er sich: Er wurde nämlich für den Förderschwerpunkt geistige Entwicklung angepasst. Denn die Schilling-Schule ist ein sonderpädagogisches Förderzentrum mit neun Klassen für geistig behinderte Schülerinnen und Schüler.

Im barrierefreien Bau befinden sich auf drei Etagen 20 Lehrräume plus zwei Therapie- und Pflegeräume sowie ein Kunstraum, ein Raum für Lehrkräfte und Erziehende. Ein großer Hit sind die eigenen Küchenzeilen, die sich jeweils zwei Klassen teilen. Die Schülerinnen und Schüler haben sie natürlich schon ausprobiert und Muffins gebacken. Mit einem großen Fernseher im Foyer wird ihnen Gebärdensprache näher gebracht.

Modulare Ergänzungsbauten sind Erfolgsmodell

Die Modularen Ergänzungsbauten werden seit einigen Jahren im Rahmen des Berliner Investitionsvorhabens Schulbauoffensive errichtet. Modular, weil sie sich in Modulen aufbauen und an die jeweiligen Schulstandorte und -bedarfe anpassen. Trotz ihrer monotonen Kastenform und der gleichen Bauart lassen sie sich vielfältig einrichten und entsprechend der Bedürfnisse anpassen.

Weil sie schnell und einfach gebaut werden können, seien sie ein „Meilenstein” für den Schulbau, sagt Geisel. Das sei in einer rasant wachsenden Stadt wie Berlin mit hohem Bedarf an Schulplätzen besonders wertvoll. Der erste MEB in Berlin wurde übrigens 2013 in Pankow im Rosa-Luxemburg-Gymnasium gebaut.

Schnell ging es auch mit dem MEB in der Schilling-Schule. Nur 13 Monate dauerte der Bau. Berlin kann also auch schnell, wenn es will. „ist ja kein Flughafen”, kommentiert Astrid-Sabine Busse, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie (SPD). Und weil es so schnell geht, ist auch schon ein neuer Bau an der Schule in Planung. Er wird ein in die Jahre gekommenes Übergangsgebäude ersetzen.

Neukölln braucht Schulplätze

Der Schulplatzmangel ist auch in Neukölln ein Problem. Zumindest in den südlichen Bezirksteilen. In Britz und Rudow fehlen besonders Gymnasial- und Grundschulplätze sowie Plätze für den sonderpädagogischen Förderbedarf, so Korte. Daher habe man die MEBs vor allem an solchen Schulen bauen lassen.

In Neukölln ist es der dritte Ergänzungsbau. Im Juni 2020 wurde der erste an der Sonnen-Grundschule und etwas später am Einstein-Gymnasium gebaut. Weitere MEBs in Neukölln sind bereits in Planung oder Umsetzung: In der Schliemann-Schule, in der Christoph-Ruden-Schule, in der Oskar-Heinroth-Schule und durch den Neubau der Schule am Koppelweg.

Schulbau muss spezifischen Anforderungen gerecht werden

Dabei sind es nicht nur die mangelnden Plätze, die den Bau notwendig gemacht haben. Schuldirektor Seefeld ergänzt, die besonderen Bedarfe für sonderpädagogische Einrichtungen werden durch den barrierefreien modularen Ergänzungsbau aufgefangen. Die Nachteile der „denkbar schlechten Startbedingungen und Ausgangspositionen der Schülerinnen und Schüler” könnten somit ausgeglichen werden.

Dies könne eventuell auch die neidvollen Gefühle anderer ausradieren, die angesichts der ersten Photovoltaik-Anlage auf einem MEB-Dach, der modernen Technik und der lichtdurchfluteten Räume inmitten des Waldes entstehen könnten.

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