Mauerfall

9. November: Gedenken an vielen Orten

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Das zentrale Gedenken an den Mauerfall 1989 findet in der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße statt.

Das zentrale Gedenken an den Mauerfall 1989 findet in der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße statt.

Foto: Wolfgang Kumm / picture alliance/dpa

Schwieriger Gedenktag: Wo in Berlin der Pogrome gegen Juden von 1938 gedacht wird – und wo des Mauerfalls 1989. Eine Übersicht.

Berlin.  In vielen Veranstaltungen wird am Mittwoch der Novemberpogrome gegen Jüdinnen und Juden vor 84 Jahren und des Mauerfalls am 9. November 1989 gedacht.

Zur Erinnerung an die Friedliche Revolution im Herbst 1989 und den Fall der Berliner Mauer findet am Mittwoch die zentrale Gedenkveranstaltung in der Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße in Mitte statt. Hier werden unter anderem die Regierende Bürgermeisterin von Berlin, Franziska Giffey (SPD) sowie Claudia Roth (Grüne), Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien erwartet. Beim Programm in der Gedenkstätte sowie in der Kapelle der Versöhnung auf dem ehemaligen Todesstreifen wird der belarussische Volny-Chor auftreten. Dieser entstand im August 2020 als Reaktion auf die manipulierten Wahlen und die Repressionen in Belarus. Die Sänger des Volny-Chors treten mit Masken auf, um anonym zu bleiben und sich vor Verfolgung zu schützen. Mit ihrem Gesang demonstrieren sie für Freiheit und Demokratie. Zudem werden sich rund 200 Schülerinnen und Schüler aus Deutschland, Frankreich und Norwegen mit der Bedeutung des Mauerfalls auseinandersetzen.

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Neue Ausstellung an der East Side Gallery

An der East Side Gallery in Friedrichshain gibt es zum 33. Jahrestag des Mauerfalls neue Informationsstelen und Erklärungen zu Kunst, Geschichte und Entwicklung des historischen Ortes. Die Freiluft-Ausstellung zwischen Oberbaumbrücke und Ostbahnhof wurde von der Stiftung Berliner Mauer konzipiert. Thematisiert wird die künstlerische Aneignung der Mauer im Jahr 1990 durch 118 Künstlerinnen und Künstler aus 21 Ländern. Die dauerhafte Open-Air-Ausstellung besteht aus 15 reflektierenden Informationsstelen im Park zwischen Mauer und Spree. Vor den insgesamt 107 Bildern der Galerie wurden zudem die Informationstafeln erneuert.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der Zentralrat der Juden laden am Mittwoch zu einer Tagung ins Schloss Bellevue unter der Überschrift: „Wie erinnern wir den 9. November? Ein Tag zwischen Pogrom und demokratischen Aufbrüchen.“

Die Kassenärztliche Vereinigung Berlin wird am Mittwoch ihre neue Gedenkstätte für jüdische Ärztinnen und Ärzte im Foyer ihres Gebäudes an der Masurenallee in Charlottenburg einweihen. In der NS-Zeit seien von rund 3.600 Kassenärzten 2063 jüdischer Herkunft gewesen, hieß es. Sie erhielten den Angaben zufolge 1938 ein Berufsverbot, wurden „verfolgt, entrechtet, ins Exil getrieben oder getötet“.

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55.696 ermordete Berliner Juden: Alle Namen werden verlesen

Des 84. Jahrestages der Novemberpogrome am 9. November 1938 wird am Mittwoch an vielen Orten in Berlin gedacht. In der Jüdischen Gemeinde zu Berlin an der Fasanenstraße, Charlottenburg, werden von 9 bis 21 Uhr die Namen der 55.696 ermordeten Berliner Juden aus dem Gedenkbuch des Landes Berlin verlesen. Die Gedenkveranstaltung beginnt am Mittwoch um 19 Uhr im Jüdischen Gemeindehaus. Nach der Begrüßung durch Gideon Joffe, den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, wird die Regierende Bürgermeisterin von Berlin, Franziska Giffey, ein Grußwort halten. Das Gebet spricht Rabbiner Jonah Sievers.

Kranzniederlegungen in vielen Bezirken

Auch in vielen Bezirken wird an historischen Orten der Pogrome gedacht, bei denen vor allem in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 im gesamten Deutschen Reich etwa 400 Menschen ermordet oder in den Suizid getrieben wurden, mehr als 1400 Synagogen und Bet­stuben sowie etwa 7500 Geschäfte und Wohnungen zerstört wurden.

Das Bezirksamt Lichtenberg lädt ab 11 Uhr am Gedenkstein für die ehemalige Synagoge an der Konrad-Wolf-Straße 92 in Hohenschönhausen ein. Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Linke) wird sprechen, Mitglieder der Bezirksverordnetenversammlung und Gästen werden Kränze niederlegen.

In Spandau wird der Pogrome am Mittwoch mit Schülern der Bertolt-Brecht-Oberschule gedacht. Von 17.15 Uhr bis 19 Uhr stehen diese vor Häusern in der Spandauer Altstadt, in denen früher Geschäfte mit jüdischen Eigentümern waren. Eine Gedenkstunde mit Vertretern der Jüdischen Gemeinde und des Bezirksamts Spandau gibt es am Freitag, 11. November, um 10 Uhr am Mahnmal Lindenufer/ Sternbergpromenade.

In Tempelhof-Schöneberg lädt Bezirksbürgermeister Jörn Oltmann am Mittwoch zur Gedenkveranstaltung in Schöneberg. Ab 16 Uhr an der ehemaligen jüdischen Synagoge, Münchener Straße 38, 10779 Berlin. Nach der Eröffnung wird Rabbiner Teichtal den Psalm 121 sprechen.

In Neukölln legt die Anwohnerinitiative „Hufeisern gegen Rechts“ am Mittwoch um 19 Uhr Blumen vor drei Häusern der Parchimer Allee nieder, wo während des Nazi-Regimes jüdische Menschen versteckt und vor der Ermordung gerettet wurden. Im Schillerkiez gibt es in der der Genezarethkirche am Herrfurthplatz ein Konzert des Trios OrgaVoce mit Musikstücken jüdischer Künstlerinnen und Künstler sowie einer Lesung. Anschließend werden Stolpersteine in der Umgebung besucht. Beginn: 19 Uhr.

In Pankow werden der Vorsteher der Bezirksverordnetenversammlung Pankow, Oliver Jütting und Bezirksbürgermeister Sören Benn um 11 Uhr auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee in der Herbert-Baum-Straße und um 12 Uhr auf dem Jüdischen Friedhof an der Schönhauser Allee Kränze niederlegen. Beide Veranstaltungen sind öffentlich.

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