Verwaltung

Bürger wollen eine digitale Verwaltung

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Joachim Fahrun
Seit mehr Menschen von zu Hause aus arbeiten, kommt ihnen die Verwaltung mit ihren analogen Verfahren noch rückständiger vor

Seit mehr Menschen von zu Hause aus arbeiten, kommt ihnen die Verwaltung mit ihren analogen Verfahren noch rückständiger vor

Foto: Studio Romantic / Shutterstock/Studio Romantic

Nicht nur in Berlin sehen die Menschen große Rückstände in den Behörden. Die Messe in Berlin präsentiert Lösungen für smarte Städte.

Berlin. Die Berliner befinden sich in guter Gesellschaft. Überall in Deutschland sind die Menschen mit ihren Verwaltungen unzufrieden. Zwei Drittel gaben in einer Umfrage im Auftrag des Digitalwirtschaftsverbandes Bitkom an, ihre Behörden seien in der Digitalisierung ihrer Leistungen rückständig. Die Fortschritte, die es im Laufe der Corona-Pandemie gegeben hat, zahlen sich für die Wahrnehmung der Bürger nicht aus.

Der Eindruck, der Staat sei mit seinem Institutionen nicht auf dem aktuellen Stand der Digitalisierung, hat sich angesichts der Erfahrungen vieler Menschen mit den Möglichkeiten digitalen Arbeitens und Unterrichts sogar verstärkt. 2020 hielten erst 57 Prozent der Befragten die Ämter für rückständig. Jeweils weit mehr als 80 Prozent der Befragten sagen, die deutschen Behörden seien generell zu langsam, Termine seien schwierig zu bekommen. 77 Prozent gehen davon aus, dass sie mit digitalen Behördengängen Zeit sparen könnten.

90 Prozent wollen für einen Personalausweis nicht mehr aufs Bürgeramt gehen

Die Wünsche der Bürger sind klar: Sie erwarten mehr digitale Dienstleistungen. Neun von Zehn wollen ihren Personalausweis online beantragen, Wohnsitzmeldungen würden 69 Prozent gern am PC oder Smartphone erledigen, mehr als die Hälfte wünschen sich eine digitale Geburtsurkunde oder Autoanmeldung. „Es ist völlig überflüssig, für einen Perso aufs Amt zu gehen. Der Druck auf die Behörden nimmt zu“, sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder bei der Präsentation der Daten auf der Smart Country Convention in den Hallen 27 und 25 auf dem Berliner Messegelände.

10.000 Fachbesucher und mehr als 2000 Aussteller tauschen sich bei der ersten Präsenzmesse dieser Art seit drei Jahren darüber aus, wie die Verwaltungen schlauer und digitaler werden können. Wie es geht, ist im Messe-Partnerland Österreich zu besichtigen. Dort ist eine E-Ausweis App aufgebaut. Statt eines Ausweises haben die Bürger einen QR-Code auf dem Handy, demnächst kommt der Führerschein hinzu. Ziel ist, alle Dokumente und Bescheinigungen in einer digitalen Geldbörse zu speichern.

Berlins Bürgerämter schneiden bei Befragungen gut ab, aber Daten sind kaum belastbar

Auch Berlin mit seinen berüchtigten Bürgerämtern als Beispiel für Verwaltungsprobleme kann von den Beispielen auf der Messe profitieren, weil dort sichtbar wird, was andernorts möglich ist. Die Verantwortlichen in der Senatsinnenverwaltung verweisen zwar gerne auf die guten Zufriedenheitswerte, die die Teilnehmer an Kundenbefragungen den Bürgerämtern ausstellen

Eine Antwort auf eine Anfrage der FDP im Abgeordnetenhaus zeigt aber, dass dieses Bild einige Lücken aufweist. Welcher Anteil der Menschen, die einen Termin im Bürgeramt ausgemacht haben, tatsächlich an der Kundenbefragung teilnehmen, werde nicht statistisch erfasst, so die Innenverwaltung. Bekannt ist nur, dass monatlich 4000 bis 5000 Kunden an der Online-Befragung teilnehmen. Künftig sollen die Ergebnisse auch nach Bezirken ausgewiesen und den zuständigen Amtsleitungen zur Verfügung gestellt werden.