Wirtschaft

Berlins Arbeitsmarkt trotzt der Krise

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Joachim Fahrun
Gastronomen suchen weiter händeringend Leute. Auch deshalb sinkt die Arbeitslosigkeit

Gastronomen suchen weiter händeringend Leute. Auch deshalb sinkt die Arbeitslosigkeit

Foto: Jens Büttner / dpa

Die Arbeitslosigkeit geht saisonbedingt weiter zurück, die Quote fällt auf 8,9 Prozent. Firmen halten ihre Belegschaften zusammen.

Berlin.  Die Krise kommt, die Jobs bleiben: Trotz der Warnungen vor einer drohenden Rezession ist die Zahl der Arbeitslosen in Berlin und auch in Brandenburg zurückgegangen. „Saisonbedingt“ und im Rahmen des üblichen, hieß es von der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit.

In der Hauptstadt waren im September 180.274 Menschen arbeitslos, 6.279 weniger als im August und 10.161 weniger als im September des Vorjahres. Die Arbeitslosenquote beträgt aktuell 8,9 Prozent, das sind 0,3 Prozentpunkte weniger als im August und 0,5 Prozentpunkte weniger als im September 2021.

In Brandenburg waren im September 75.089 Personen arbeitslos gemeldet, 2.303 weniger als im Vormonat und 1.955 mehr als im Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenquote beträgt aktuell 5,7 Prozent.

Gastronomie, Handwerk sowie Pflege- und Gesundheitsbranche stellen weiter ein

Carina Knie-Nürnberg, Geschäftsführerin Operativ der Regionaldirektion sagte, hohen Einstellungsbedarf hätten weiterhin die Gastronomie, der Gesundheits- und Pflegebereich und auch das Handwerk. Noch gebe es in beiden Ländern freie Ausbildungsstellen für dieses Ausbildungsjahr. „Jeder, der aktuell noch sucht, hat immer noch die Chance auf einen Ausbildungsbeginn in diesem Jahr“, sagte Knie-Nürnberg.

Die Beschäftigung in Berlin liegt auf Rekordniveau. Im Juli 2022, neuere Zahlen gibt es nicht, waren 1,649 Millionen Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das waren 67.100 mehr als im Juli 2021.

Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) sagte, der Berliner Arbeitsmarkt zeige sich trotz politischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten robust. „Etwas abgekühlt hat sich die Personalnachfrage in energieintensiven Industriezweigen im Bereich der Lebensmittelerzeugung. Dies ist klar auf die massiv gestiegenen Energiepreise in Folge des Ukraine-Krieges zurückzuführen.“

IHK: Fachkräftemangel bleibt das größte Risiko für Unternehmen der Region

Aus Sicht der Wirtschaft stellt aber nach wie vor der Fachkräftemangel das größte Risiko für die Berliner Wirtschaft dar. „Hier erwarten wir ein schnelleres Handeln des Senats, insbesondere bei der Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten, so etwa bei der schnelleren Anerkennung von Berufsabschlüssen“, so Eder.

Für die Unternehmensverbände erklärte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Alexander Schirp, die Firmen wollten unbedingt vermeiden, gut eingearbeitetes Personal zu verlieren. „Die Unsicherheit liegt vielen aber wie ein Mühlstein um den Hals.“ Es komme jetzt darauf an, dass die geplante Strompreis- und die Gaspreisbremse so schnell wie möglich in die Praxis umgesetzt würden und wirkten.

Aus Sicht der Gewerkschaften ist der Fachkräftemangel oft hausgemacht. „Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist ungebrochen, doch die gewinnt und hält man nur mit fairen Löhnen und guten Arbeitsbedingungen“, hieß es vom DGB.