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Polizei Berlin: Absolventen erfahren Einsatzort zu spät

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Wo die jungen Polizistinnen und Polizisten nach dem Studium oder der Ausbildung arbeiten, erfahren sie erst gut eine Woche vorher.

Wo die jungen Polizistinnen und Polizisten nach dem Studium oder der Ausbildung arbeiten, erfahren sie erst gut eine Woche vorher.

Foto: Jan Woitas / dpa

Erst kurz vor Dienstantritt erfahren junge Polizisten ihre Dienststelle. Eine Herausforderung, kritisiert die Gewerkschaft der Polizei.

Berlin. Das Studium oder die Ausbildung bei der Berliner Polizei sind abgeschlossen, nun soll die Arbeit auf einer festen Dienststelle beginnen. Der neue Einsatzort wird aber zu spät mitgeteilt, kritisiert die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Berlin. Das stelle viele Absolventen vor Herausforderungen.

Das Semester endet am 30. September, der Dienstantritt ist aufgrund des Feiertages am 4. Oktober. Erst in dieser Woche haben die Polizistinnen und Polizisten erfahren, in welchem Bezirk sie eingesetzt werden. Zwar dürfen sie Wünsche äußern, die können aber nicht immer erfüllt werden. Und gerade das stellt einige vor ein Problem, weiß GdP-Sprecher Benjamin Jendro. Er kennt jemanden, der in Hellersdorf wohnt, nun aber im äußersten Westen Berlins eingesetzt wird.

Kritik äußert auch GdP-Landeschef Stephan Weh: „Wir weisen seit Jahren auf diese Problematik hin und sind fassungslos, wie stiefmütterlich die Behörde dieses Thema behandelt. Es kann nicht sein, dass jemand, der aus der Ausbildung oder dem Studium kommt, erst wenige Tage vorher erfährt, dass man seiner Wunschdienststelle nicht nachkommt und er zum Beispiel in Spandau statt in Hellersdorf landet.“

Verteilung der Polizei-Absolventen auf Dienststellen ist ein komplexes Verfahren

Junge Menschen hätten einen Lebensmittelpunkt, seien froh eine bezahlbare Wohnung und einen Kita- oder Schulplatz für die Kinder gefunden zu haben. Es müsse möglich sein, den Menschen früher Bescheid und somit Planungssicherheit zu geben. „Der Personalverteilungsschlüssel steht ebenso wie die Wünsche des Nachwuchses lange fest“, sagt Weh.

Auf Nachfrage bei der Polizei Berlin heißt es, dass es sich bei der Verteilung der Absolventinnen und Absolventen des mittleren und gehobenen Dienstes der Polizei Berlin um ein komplexes und aufwendiges Verfahren handele, welches neben den priorisierten Wünschen auch gesamtbehördliche Bedarfe und geltende Verteilungsrichtlinien sicherstelle.

Polizei achtet darauf, dass Entfernung zwischen Wohnort und Dienststelle gering ist

Auch käme es aufgrund aktueller Erfordernisse sowie zahlreicher Absprachen bezüglich des zu verteilenden Personals zu stetigen Veränderungen und Anpassungen. „Insofern geht der abschließenden Verteilung eine mehrwöchige Koordinierungs- und Organisationsphase voraus, die sich aufgrund notwendiger interner Arbeitsprozesse nicht verkürzen lässt“, heißt es weiter. Man könne den Wünschen aber in der Regel entsprechen.

Die Polizei Berlin sagt aber auch: „Grundsätzlich handelt es sich bei den Absolventinnen und Absolventen um verbeamtete Dienstkräfte des Landes Berlin. Insofern ist ihre dienstliche Verwendung auch innerhalb des Landes Berlin möglich.“ Sollten im Rahmen der Verteilung im Einzelfall Abweichungen von den angegebenen Erstwünschen erfolgen, werde darauf geachtet, die Entfernung zwischen Wohnort und Dienststelle möglichst gering zu halten.

Personalbereich bei Polizei nimmt Änderungswünsche entgegen

Kommt es doch vor, dass man mit der neuen Dienststelle, beispielsweise aufgrund der Entfernung, nicht zufrieden ist, können sowohl innerhalb der Direktionen und Ämter die jeweiligen Personalbereiche kontaktiert werden.

Für die Gewerkschaft ist es wichtig, dass dieses Verfahren beschleunigt wird. „Sonst brauchen wir das Zertifikat familienfreundlicher Arbeitgeber nicht in den Mund nehmen und dürfen uns auch nicht wundern, wenn wir als Arbeitgeber nicht attraktiv sind“, sagt Stephan Weh.

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