Wissenschaft

Rakete soll mit Experimenten zur Strömungsforschung ins All

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Forscher stehen vor dem Labor, in dem die Experimente für den Flug ins All vorbereitet werden.

Forscher stehen vor dem Labor, in dem die Experimente für den Flug ins All vorbereitet werden.

Foto: BTU/Lehrstuhl Strömungsforschung/dpa/Archiv

Als eines von vier Forscherteams schicken Cottbuser Wissenschaftler eine Rakete mit Experimenten in den Weltraum. Der Start war im Februar wegen des Ukraine-Kriegs abgesagt worden. Nun soll die Mission gelingen.

Cottbus (dpa/bb). Ein im Februar dieses Jahres abgesagter Start einer Höhenforschungsrakete mit Experimenten von Cottbuser Wissenschaftlern zur Strömungsforschung wird nachgeholt. Am 1. Oktober soll die Rakete mit einem Experimentaufbau der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) in Schweden abheben, um für ungefähr sechs Minuten in der Schwerelosigkeit zu bleiben. Die zweistufige 13 Meter lange Forschungsrakete werde bei ihrem 15-minütigen Flug eine Höhe von etwa 250 Kilometern erreichen, wie die BTU-Wissenschaftler am Freitag weiter mitteilten.

Die Forscher fiebern dem Start der Rakete in den Weltraum ein zweites Mal entgegen. Ein geplanter erster Start am 28. Februar vom nordschwedischen Kiruna aus sei wegen des Ukraine-Kriegs abgesagt worden, berichtete Forscher Christoph Egbers, Inhaber des Lehrstuhls Aerodynamik und Strömungsforschung an der BTU, am Freitag. Der Startort Kiruna liegt etwa 300 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Inzwischen seien Bedingungen für einen Start geschaffen worden. Bereits seit zwei Monaten werde die Mission vorbereitet. Jetzt müsse noch das Wetter mitmachen, vor allem der Wind spiele eine entscheidende Rolle, erklärte Egbers. Danach müsse der Eintrittswinkel der Rakete ins All genau berechnet werden.

Der Experimentenaufbau in der Rakete musste nach Angaben der Forscher auf einer Fläche von 60 Zentimetern Durchmesser und einer Höhe von etwa einem Meter untergebracht werden. Ziel der Wissenschaftler ist die Untersuchung des Wärme- und Stofftransports in einer Flüssigkeit unter Weltraumbedingungen. Mit den Erkenntnissen ließen sich beispielsweise Wärmetauscher in Kühlsystemen oder Satelliten optimieren. Während die Untersuchungen auf der Erde durch schwerkraftgetriebene Strömungsbewegungen überlagert werden, könnten die Wissenschaftler die Effekte unter Schwerelosigkeit ohne diesen Einfluss beobachten und mit Computermodellen vergleichen, so Egbers.

Die BTU-Experimente unter dem Projektnamen «TEKUS» werden vom Forschungszentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) aus Mitteln des Bundeswirtschaftsministeriums gefördert. Kiruna ist meist Startplatz für Höhenforschungsraketen.

Der Start der Forschungsrakete ist den Wissenschaftlern zufolge ein bislang einzigartiges Projekt, etwa sechs Jahre haben sie auf diesen Zeitpunkt hingearbeitet. Zuvor waren zwölf erfolgreiche Experimente zur thermoelektrischen Konvektion im freien Fall bei Parabelflug-Missionen in Frankreich durchgeführt worden. Während des Raketenfluges könnten die thermoelektrischen Strömungsexperimente in einem etwa 18-fach längeren Zeitraum in annähernder Schwerelosigkeit stattfinden, als die Parabelflüge mit dem Flugzeug es ermöglichen.

Das BTU-Experiment ist eines von insgesamt vier Versuchsaufbauten auch anderer Forschungseinrichtungen, darunter aus Frankfurt am Main, Magdeburg, und Dresden. So sind ein physikalisches Experiment zur Strömungsmechanik, ein biologisches Experiment zur Erforschung des Verhaltens von Kalzium in der Schwerelosigkeit als wichtigem Stoff für den Knochenaufbau und ein Verbrennungsforschungsexperiment in der Höhenrakete untergebracht. Insgesamt etwa 40 Wissenschaftler, darunter auch von Airbus und dem DLR, arbeiten an der Mission.

«Wir versuchen den Mehrwert, den wir in Schwerelosigkeit gewinnen, auch auf der Erde durch gewisse Effekte (...) zu nutzen und damit auch die Wärmetauschersysteme auf der Erde zu verbessern, zum Beispiel den Wirkungsgrad zu erhöhen», erklärte Egbers. Erleben werden die Forscher den Start der Rakete in einem Kontrollzentrum etwa zwei Kilometer vom Startplatz entfernt. Vor der Landung wird ein Fallschirm gestartet, der die Rakete gebremst zu Boden kommen lässt.