Konjunktur

Berliner Wirtschaft wächst über dem Bundesdurchschnitt

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Ein Arbeiter führt auf einer Baustelle Schweißarbeiten an einer Brücke aus.

Ein Arbeiter führt auf einer Baustelle Schweißarbeiten an einer Brücke aus.

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild

In Berlin und Brandenburg hat das Bruttoinlandsprodukt stärker zugelegt als in vielen anderen Bundesländern. Aus der Wirtschaft gibt es allerdings Warnungen vor unruhigen Zeiten.

Berlin (dpa/bb). Die Berliner Wirtschaft hat im ersten Halbjahr 2022 stärker als der Bundesdurchschnitt zugelegt. Das Bruttoinlandsprodukt der Hauptstadt ist verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 3,7 Prozent gewachsen, wie das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg am Freitag mitteilte. Im Nachbarland Brandenburg waren es 3,1 Prozent, bundesweit 2,8 Prozent.

Die Aufhebung vieler Corona-Beschränkungen im Frühjahr habe in fast allen Dienstleistungsbereichen zu einem Anstieg der Wirtschaftsleistung geführt, so die Statistiker. Das gelte besonders für das in den ersten zwei Jahren von der Pandemie stark getroffene Gastgewerbe in der Hauptstadtregion, in Brandenburg auch für das produzierende Gewerbe.

«Unsere Wirtschaft hat in den ersten sechs Monaten des Jahres eine starke Aufholjagd hingelegt», kommentierte Berlins Wirtschaftssenator Stephan Schwarz (parteilos) die noch vorläufigen Ergebnisse zum Konjunkturverlauf. «Viele Branchen laufen wieder auf Hochtouren.» Tausende neue Arbeitsplätze seien vor allem im Dienstleistungssektor und in Berlins Innovations- und Technologiesparten entstanden.

Auch für den Tourismus und die Veranstaltungsbranche habe es ein Comeback gegeben. «Die Hotels waren im Sommer voller als in New York, Paris oder London.» Die 330 Millionen Euro für die sogenannten Neustartmaßnahmen des rot-grün-roten Senats seien gut angelegtes Geld gewesen. Die Operation Neustart für die Wirtschaft sei gelungen. «Und das sendet gerade jetzt ein extrem wichtiges Signal», so der Wirtschaftssenator. «Berlin stolpert nicht in die neue Krise, sondern kann sie gestärkt angehen.»

Aus der Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg (UVB) gab es kritischere Einschätzungen: «Die Wachstumsdaten für das erste Halbjahr sind ein Blick in den Rückspiegel. Ein Gradmesser für den aktuellen Zustand der Wirtschaft in der Hauptstadtregion können sie nicht sein», warnte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Alexander Schirp. «Die Unternehmen stecken in einem deutlichen Abschwung. Der Mix aus Energiekrise, Lieferkettenproblemen, Krieg, Unsicherheit und Inflation ist ein schwer verdaulicher Cocktail.»

Quer durch alle Branchen seien die Betriebe damit beschäftigt, ihre Kosten zu begrenzen und wettbewerbsfähig zu bleiben, sagte Schirp. «Ändert sich am politischen und wirtschaftlichen Umfeld nichts, stehen wir vor unruhigen Zeiten und wahrscheinlich vor einer Rezession.»

Berlin liege beim Bruttoinlandsprodukt im Ländervergleich bundesweit auf einem guten fünften Rang. «Das dürfte im Wesentlichen an der Rückkehr der Touristen und am Aufschwung im Gastgewerbe nach der Corona-Pandemie gelegen haben», sagte Schirp. «Die Entwicklung des Konsumklimas deutet aber darauf hin, dass dieser Effekt nur von kurzer Dauer sein könnte.» Auch in Brandenburg spielten Tourismus und Gastronomie eine wichtige Rolle. «Hinzu kommt der Tesla-Effekt in der Industrie und die in diesem Zuge wachsenden Investitionen im Verarbeitenden Gewerbe.»

Wirtschaftssenator Schwarz kündigte an, die Berliner Unternehmen würden auch in der Energiekrise nicht allein gelassen. Ein eigenes Hilfsprogramm des Landes soll die Entlastungsmaßnahmen des Bundes für Unternehmen flankieren. «Wir brauchen hier dringend mehr Klarheit und Tempo vom Bund», forderte Schwarz. «Und das heißt für mich auch eine Energiepreisbremse.»