Mercedes-Benz Arena

David Garrett in Berlin: Ein genialer Grenzgänger

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Ulrike Borowczyk
David Garrett auf der Bühne.

David Garrett auf der Bühne.

Foto: Hendrik Schmidt / pa/dpa

David Garrett interpretiert auf seiner „Alive“-Tour in der Berliner Mercedes-Benz Arena bekannte Rock- und Pop-Hits neu.

Berlin. Weißes Shirt, schwarzes Hemd und das lange Haar im Nacken lässig zusammen gebunden, ist David Garrett schon rein optisch nicht der typische Violinist. Er sieht nicht nur aus wie ein echter Rock'n'Roller. Er hat auch die Attitüde und den Sound dazu drauf. Egal, ob er den „Tanz des Ritters“ von Sergej Prokofjew spielt oder „Smooth Criminal“ von Michael Jackson.

Nur eines unterscheidet ihn von den meisten Rockmusikern: Vor dem Auftritt trinkt der Star-Geiger keinen Tropfen Alkohol. Dafür ist das präzise Spiel auf seinem Instrument einfach zu komplex.

Drei Jahre ist es her, dass der Musiker zuletzt in der Mercedes-Benz Arena war. Endlich zurück, merkt man ihm an, dass der Live-Auftritt eine Befreiung nach der langen Bühnenabstinenz während der Pandemie ist. Er sagte unlängst: „Für mich als Vollblutmusiker war das eine wirklich schwierige – und vor allen Dingen sehr emotionale Zeit.“

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Benannt hat er seine Konzertreise nach seinem aktuellen Longplayer. „Alive – My Soundtrack“ ist ein sehr persönliches Album, dass mit vielen Lieblingssongs in seine private musikalische Welt entführt. Etwa mit „Happy“ von Pharrell Williams. Dazu bedient Garrett eine Loopstation, mit der er solo coole rhythmische Akzente setzt. Und entlastet seine fünfköpfige Band kurzzeitig damit.

David Garrett beherrscht die Geige mit traumwandlerischer Perfektion

Wegen seiner Grenzgänge zwischen Rock, Pop und Klassik wurde der gebürtige Aachener zuweilen als „David Hasselhoff der Klassik“ belächelt. In Italien hingegen wurde der 42-Jährige gerade als „Paganini des Pop“ umjubelt. Was weitaus zutreffender ist. Denn er beherrscht die Geige mit traumwandlerischer Perfektion, vermag in einen Strich über die Saiten ein ganzes Kaleidoskop von Gefühlen zu legen. Wie in seiner eleganten Version von John Lennons Ballade "Imagine".

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Garretts Cover feiern fröhlich und stimmungsvoll das Leben. Dabei macht sich der Geigenvirtuose die Songs zu eigen. Nicht nur, weil hier Klassik auf die beste Weise mit Pop und Rock zum Crossover verschmilzt. Sondern auch, weil all die Hits keinen Gesang mehr brauchen. Stattdessen singt die Geige vor wuchtigen Rockklängen.

Songs wie „Stayin' Alive“ von den Bee Gees, „Come Together“ von den Beatles, Disneys "Die Schöne und das Biest“, Metallicas „Enter Sandman“ oder „Paint it Black“ von den Rolling Stones begeistern das Publikum. David Garrett gelingt damit eine wilde und beeindruckende Rückkehr auf die Konzertbühne. Das ultimative Crossover-Programm. Ein Fest für die Musik.