Berlin

Großübung zu Terrorangriff mit Bio-Kampfstoff: FBI dabei

| Lesedauer: 3 Minuten
Von Andreas Rabenstein, dpa
Einsatzkräfte des Sondereinsatzkommandos (SEK) und der Entschärfung stehen auf einem Hof des Polizeipräsidiums.

Einsatzkräfte des Sondereinsatzkommandos (SEK) und der Entschärfung stehen auf einem Hof des Polizeipräsidiums.

Foto: Sabrina Szameitat/dpa

Die Gefahr für Terroranschläge ist weiterhin hoch. Die schlimmsten Anschläge der vergangenen Jahre geschahen mit Bomben, Gewehren oder Lastern. Noch schwieriger werden Terroreinsätze aber für die Polizei, wenn die Täter zusätzlich Giftstoffe verwenden.

Berlin (dpa/bb). Es ist nur eine Übung: Die Bombe eines Selbstmordattentäters explodiert in einem Kino, zwei weitere Terroristen erschießen Menschen und fliehen. Kurz darauf entdecken Polizisten und Rettungskräfte einen biologischen Kampfstoff. Dieses simulierte Szenario ist die Grundlage für eine Großübung von Polizei- und Gesundheitsbehörden in Berlin, die noch bis Donnerstag läuft. Beteiligt sind seit Dienstagabend insgesamt 1000 Einsatzkräfte, wie Polizeipräsidentin Barbara Slowik am Mittwoch berichtete. 100 Beobachter aus Deutschland und zahlreichen weiteren Staaten nehmen teil, darunter Spezialisten der US-Bundespolizei FBI, der israelischen Botschaft und aus Japan.

Der Name der seit langem vorbereiteten Übung lautet «Apollon» - benannt nach dem Kino, in dem auf einem großen Polizeigelände in Berlin-Spandau der simulierte Selbstmordanschlag verübt wurde. 19 Menschen sterben in dem Szenario, ein Attentäter nimmt Geiseln, ein weiterer flieht in die Innenstadt. Die Bombe verteilt auch das hochgiftige Rizin, das aus einer Pflanze stammt - und tatsächlich ist das Szenario nicht ganz aus der Luft gegriffen. 2018 fand die Polizei in Köln Rizin in der Wohnung eines Terrorverdächtigen, der später verurteilt wurde.

Die eigentliche Herausforderung bei der Übung in Berlin ist das Zusammenwirken von Polizei und Feuerwehr, dem schnell hinzugezogenen Robert Koch-Institut (RKI), der Uniklinik Charité, dem Bundeskriminalamt (BKA) und der Bundespolizei. Die Auswertung wird später ergeben, wo es noch hakt.

In der Übung stößt die Polizei zunächst auf eine äußerst unübersichtliche Situation mit vielen Toten, Verletzten und geflohenen Attentätern, wie Polizeipräsidentin Slowik erläutert. Dann geht es um die Koordination der Versorgung der Verletzten, Absperrungen und die Verfolgung der Täter. Doch plötzlich ändert sich die Lage, als im Internet ein Bekennervideo der Attentäter mit Hinweisen auf den Bio-Kampfstoff auftaucht.

Umgehend müssen schwer bewaffnete Spezialeinsatzkommandos, Spurensicherung, Sanitäter und Ärzte in spezielle Schutzanzüge mit Atemmasken gesteckt werden - «Tatortarbeit unter Vollschutz» heißt das im Polizeijargon. Spezialfahrzeuge fahren auf, viele Menschen sind kontaminiert, die spezielle Krisenmanagement-Einheit des Zentrums für Biologische Gefahren und Spezielle Pathogene am RKI wird alarmiert.

Tatsächliche Bedrohungen könnten in der Realität nur mit vorherigen Übungen bewältigt werden, sagt Polizeipräsidentin Slowik. «Der Ernstfall verzeiht keine Fehler.» Berlin und die Polizei seien mit dieser Übung Vorreiter, das zeige auch das große Interesse der Beobachter aus dem In- und Ausland.

Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, hält das Risiko für den simulierten Anschlag zwar nicht für sehr hoch - aber trotzdem müsse man trainieren. Gerade der Umgang mit biologischen Waffen sei schwierig, weil sie «sehr, sehr vielfältig» seien.

Vize-Feuerwehrchef Karsten Göwecke lobt am Mittwoch, vieles habe zu Beginn der Übung schon gut funktioniert. Manches sei aber zu verbessern, etwa die Dekontamination von verletzten Patienten oder die Möglichkeit zum schnellen Nachweis solcher Bio-Kampfstoffe durch die Rettungskräfte, die als erste am Einsatzort einträfen.

Und wie reagiert die Öffentlichkeit auf den simulierten Anschlag? Sie bekommt von der Übung auf dem großen Polizeigelände in Spandau kaum etwas mit. In Charlottenburg sollen jedoch Menschen in Schutzanzügen auf der Straßen gesehen worden sein. Die Polizei twittert dazu: «Möglicherweise bemerken Sie Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und mitübenden Institutionen. Seien Sie unbesorgt. Es handelt sich um die Übung Apollon.»