Berlin

Raubüberfall auf Ehepaar - Angeklagter gesteht teilweise

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Berlin (dpa/bb). Nach einem Überfall auf ein 88-jähriges Ehepaar in Berlin-Reinickendorf hat der Prozess gegen einen 62-Jährigen begonnen. Der Angeklagte soll die ihm bekannten Senioren in deren Wohnung überwältigt und ausgeraubt haben. Zunächst soll er die Frau zu Boden gebracht, dann den Rollstuhl des hinzugekommenen Ehemanns umgeworfen und eine Dose mit etwa 2500 Euro entwendet haben. Die Anwältin erklärte am Mittwoch vor dem Berliner Landgericht für ihren Mandanten, der erste Angriff sei nicht gezielt erfolgt. Als die Frau allerdings auf dem Boden lag und schrie, habe er die Situation ausgenutzt und die Dose an sich gebracht.

Die Anklage gegen den 62-Jährigen lautet auf Körperverletzung und schweren Raub. Er soll am 28. April dieses Jahres bei den Eheleuten, die er seit vielen Jahren kennt, geklingelt haben. Als die Frau die Tür öffnete, soll er seinen Arm um ihren Hals gelegt haben. Er habe zugedrückt, ihr den Mund zugehalten und sie zu Boden gebracht, heißt es in der Anklage. Als der Ehemann kam, habe er auch diesen attackiert. Ein Nachbar, der auf die Hilferufe der Frau aufmerksam wurde, habe den fliehenden Verdächtigen festhalten können.

Die 88-jährige Frau sagte als erste Zeugin, sie und ihr Mann hätten den Angeklagten als Fahrer eines Krankentransports kennen gelernt. «Er war uns vertraut, fast zehn Jahre lang fuhr er meinen Mann zum Arzt», so die Seniorin, die auf einen Rollator angewiesen ist. Bei der Tat habe er sie unvermittelt attackiert - «er nahm mich in den Schwitzkasten, kniete dann auf mir». Ein Nachbar habe sie und ihren Mann gerettet. Sie hätten Prellungen erlitten. Geblieben sei Angst.

Für den Angeklagten sagte die Verteidigerin weiter, zunächst habe er sich ohne Absicht an der Frau festgehalten und sie so zu Boden gebracht. Als sie schrie, habe es bei ihm «ausgesetzt». Er bedauere das Geschehen sehr. «Was ihn da geritten hat, versteht er auch nicht, er kann das alles nur mit einem totalen Blackout erklären.» Der Prozess wird am 23. September fortgesetzt.