Einsatzleitstelle

Polizei: Gewerkschaft fordert Lösungen gegen Personaldefizit

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In der Einsatzleitzentrale nehmen Dienstkräfte der Polizei Notrufe entgegen.

In der Einsatzleitzentrale nehmen Dienstkräfte der Polizei Notrufe entgegen.

Foto: Britta Pedersen / picture alliance / ZB

Um fehlendes Personal in der Einsatzleitzentrale auszugleichen, werden Kräfte anderer Dienststellen eingesetzt.

Berlin.  „Notruf der Polizei Berlin. Wie kann ich Ihnen weiterhelfen?“ In der Regel empfängt einen eine freundliche Stimme, wenn man die 110 wählt. Auf der anderen Seite des Hörers soll das aber nicht die aktuelle Situation widerspiegeln. Es ist die Rede davon, dass die Mitarbeiter der Einsatzleitzentrale überarbeitet seien, beklagt die Gewerkschaft der Polizei (GdP). Als Grund wird eine Unterbesetzung genannt.

„Die Einsatzleitzentrale sollte eigentlich eines unserer Aushängeschilder sein, weil für viele hier der erste Kontakt zur Polizei entsteht“, sagt Stephan Kelm, stellvertretender Landesvorsitzender der GdP Berlin. Vor Jahren soll es eine absolute Bewerberdienststelle gewesen sein. „Jetzt aber reden wir über eine Dienststelle, die uns seit Jahren große Kopfschmerzen bereitet, weil da einfach niemand mehr hin möchte“, ergänzt Kelm.

Polizei Berlin: Hospitation in Einsatzleitzentrale dauert zwölf Monate

Unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Einsatzleitzentrale soll es 183 Stammkräfte geben. Der Mindestbedarf liege laut Stephan Kelm aber bei 308. Um dieses Defizit aufzufangen, wurden Hospitationsprogramme eingeführt. Bedeutet: Personal anderer Dienststellen unterstützt regelmäßig die Kollegen, in der Regel für zwölf Monate.

Heißt aber auch, dass diese Kräfte dann in den eigenen Dienststellen fehlen. Nach Angaben der Senatsinnenverwaltung arbeiten aktuell insgesamt 266 Menschen in der Notrufannahme und Einsatzsteuerung.

Senat bestätigt Personalmangel bei Polizei Berlin

Aus Sicht der Gewerkschaft ist das nicht mehr tragbar. „Wir benötigen endlich ein tragfähiges Konzept. Wenn man keine Leute bekommt, muss man sich irgendwann auch mal fragen, woran das liegt“, betont Kelm und schlägt unter anderem flexible Arbeitszeiten sowie eine Erschwerniszulage für die Spezialdienststelle vor, um die Attraktivität zu erhöhen.

Auf Nachfrage bei der Senatsinnenverwaltung bestätigt diese einen Personalmangel bei der Berliner Polizei. Und das, „obwohl mit dem Haushalt 2022/2023 erneut ein erheblicher Zuwachs von 610 Stellen, davon 486 im Vollzugsdienst, erfolgt ist“, sagt eine Sprecherin. Daher sei es nötig, das Personal flexibel einzusetzen, um so die Dienststellen wie auch die Einsatzleitzentrale unterstützen zu können.

Einsatzleitzentrale wird mit weiteren 48 Kräften unterstützt

Auch wenn die Senatsinnenverwaltung den Einsatz in der Einsatzleitzentrale auch als Erfahrungs- und Erkenntnisgewinn für die jeweiligen Dienstkräfte sieht, so ist den Verantwortlichen auch bewusst, dass die Tätigkeit in einer Einsatzleitzentrale mit Besetzung rund um die Uhr eine hohe Beanspruchung der Dienstkräfte darstelle. Man sei sich der bedeutenden Rolle des Einsatzleit- und Lagezentrums für die Sicherheit der Menschen in der Hauptstadt bewusst.

Deshalb werde das Hospitationsprogramm erweitert. Bis zu 48 Dienstkräfte der fünf Direktionen sollen die Einsatzleitzentrale zusätzlich unterstützen. Weiter soll es unter anderem eine psychosoziale Betreuung sowie Beratung und Coachingangebote geben.

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