“Welcome Hall Berlin“

Das Zelt für die Geflüchteten aus der Ukraine wird abgebaut

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Die Situation am Willkommenszelt vor dem Hauptbahnhof Mitte März: nun soll die sogenannte „Welcome Hall Berlin“ abgebaut werden (Archivbild).

Die Situation am Willkommenszelt vor dem Hauptbahnhof Mitte März: nun soll die sogenannte „Welcome Hall Berlin“ abgebaut werden (Archivbild).

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Ende September läuft der Vertrag mit dem Berliner Senat aus. Zuletzt kamen noch rund 200 Menschen täglich an. Wie es weitergehen soll.

Berlin.  Sie sollte die Ankunft der Geflüchteten aus der Ukraine erleichtern und die chaotischen Zustände am Hauptbahnhof verbessern: die „Welcome Hall Berlin“ auf dem Washingtonplatz, auch Willkommenszelt genannt. Am Ende des Monats läuft der Vertrag mit der Berliner Stadtmission aus, die das Zelt betreute. Dann soll es abgebaut und ersetzt werden.

Deshalb hat die Berliner Stadtmission am Dienstagmorgen den zahlreichen Helfern für ihr Engagement am Hauptbahnhof in den vergangenen Monaten mit einem Gottesdienst gedankt. Dazu waren zahlreiche haupt- und ehrenamtliche Mitstreiter gekommen.

Viele Menschen aus der Ukraine kamen mit einer ungewissen Zukunft an

„Wie mag es den Menschen gegangen sein, die zum ersten Mal durch die Halle gekommen sind?“, fragte Christian Ceconi, theologischer Vorstand der Berliner Stadtmission und Pfarrer, bei seiner Predigt während des Gottesdienstes. Vielleicht seien die Menschen erschöpft gewesen, vielleicht auch aufgeregt. Aber am Ende habe man zusammen in der Halle eine Erfahrung gesammelt, die einen nicht mehr loslasse, so Ceconi.

Auch wenn die Organisation anfangs ruckelte und zwischendurch freiwillige Helferinnen und Helfer fehlten, für die Menschen aus der Ukraine bot das Zelt einen ersten Moment, um durchzuatmen. Viele hatten lange Strapazen hinter sich. Sie flüchteten aus ihren Heimatstädten in der Ukraine über die polnische Grenze weiter nach Deutschland. Viele von ihnen waren tagelang unterwegs, oft mit dem Nötigsten ausgestattet und einer ungewissen Zukunft.

Seit 9. März versorgten Ehrenamtliche der Berliner Stadtmission die Menschen in dem rund 600 Quadratmeter großen Zelt. Sie boten ihnen warmes Essen an, verteilten Hygieneartikel und organisierten den Weitertransport zum Willkommenszentrum in Tegel oder halfen beim Ausfüllen von Anträgen und Formularen.

290.000 Menschen wurden im Willkommenszelt am Berliner Hauptbahnhof betreut

Nach Angaben einer Sprecherin der Berliner Stadtmission wurden rund 290.000 Menschen in dem Willkommenszelt am Hauptbahnhof betreut. In den ersten Wochen, nachdem russische Truppen die Ukraine überfallen hatten, seien es bis zu 7000 Menschen täglich gewesen. Zuletzt seien es noch 200 pro Tag gewesen.

Die Sozialverwaltung sprach von bisher im September 180 bis 500 Betreuten am Tag. Neben mehr als 40 Beschäftigten der Berliner Stadtmission engagierten sich in dem Zelt rund 500 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer.

Geschlossen wird die „Welcome Hall Berlin“ Ende September, da der Vertrag mit dem Berliner Senat ausläuft, so die Sprecherin der Berliner Stadtmission. Nach Angaben eines Sprechers der Senatsverwaltung für Soziales war das von Anfang an so geplant, weil das Zelt nicht winterfest ist.

Künftig werden am Hauptbahnhof ankommende Menschen aus der Ukraine demnach direkt zum großen Ankunftszentrum Tegel gebracht. Vor Ort bleibt dazu ein Helferteam präsent.

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