Öffentlicher Nahverkehr

BVG: Neues Rufbus-Angebot startet im Osten Berlins

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Der neue Rufbus der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) namens "Muva".

Der neue Rufbus der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) namens "Muva".

Foto: Jörg Krauthöfer

Im Osten Berlins sind zehn Rufbusse für die BVG im Einsatz. Weitere Kleinbusse sollen bei defekten Aufzügen der U-Bahn einspringen.

Berlin. Vor allem in den Berliner Außenbezirken gibt es noch Gebiete, die bislang unzureichend vom öffentlichen Nahverkehr erschlossen sind. In Teilen von Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick soll die Situation nun verbessert werden, mit einem neuen Service der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Zehn Rufbusse werden ab sofort und rund um die Uhr in dem rund 62 Quadratkilometer großen Bediengebiet unterwegs sein. „Das Gebiet ist noch nicht so gut angebunden, wie wir uns das wünschen“, sagte Verkehrsstaatssekretärin Meike Niedbal bei der Vorstellung der Rufbusse. Diese sollen vor allem ein Angebot für die erste und letzte Meile darstellen, erklärte sie – gerade für Menschen, die nicht so leicht zu Fuß oder mit dem Fahrrad einen weiteren Weg zum Bahnhof zurücklegen können.

Insgesamt sollen sich über das Gebiet rund 4000 Haltepunkte verteilen, wozu neben Bahnstationen und Bushaltestellen auch virtuelle Punkte an Kreuzungen zählen. Als wichtige Umsteigebahnhöfe gehören auch die Stationen Frankfurter Allee und Ostkreuz in Friedrichshain-Kreuzberg zum Bediengebiet, um die Anbindung dorthin zu verbessern. Gebucht werden die Rufbusse per Telefon oder über die neue „BVG Muva“-App. Das System prüft dann, wo die Fahrzeuge, die bis zu sieben Personen transportieren können, gerade unterwegs sind. Sie zeigt dem Nutzer nach kurzer Zeit seine Optionen, die prognostizierte Wartezeit und die Kosten an. Ziel ist es, Anfragen zu bündeln und Fahrten entlang ähnlicher Strecken zu kombinieren.

BVG: Hier verkehrt der neue Rufbus

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Neuer BVG-Rufbus: Fahrt zum Bahnhof kostet 1,50 Euro

Drei Millionen Euro sind nach Angaben der Verkehrsverwaltung für das neue Rufbus-Angebot im Verkehrsvertrag mit der BVG eingeplant, zusätzlich kommen aber auch Zuschläge auf Nutzerinnen und Nutzer zu: Für Fahrten zum Bahnhof werden 1,50 Euro pro Buchenden und 50 Cent pro weiteren Mitfahrer fällig. Bei Direktfahrten, die also nicht zu einer Haltestelle des öffentlichen Nahverkehrs führen, werden 1,50 pro Kilometer als Zuschlag fällig, für weitere Mitfahrer reduziert dieser sich auf 50 Cent pro Kilometer. Die Zahlung ist über PayPal, Kreditkarte, Lastschrift oder Gutscheinkarte möglich.

Die BVG gibt als Ziel an, dass die durchschnittliche Wartezeit auf einen Rufbus bei bis zu zehn Minuten liegen soll. In Einzelfällen könne man aber auch darüber liegen, hieß es. Die Zahl der eingesetzten Rufbusse stützt sich auf bisherige Erfahrungen aus anderen Projekten – bekannt istder „Berlkönig“, der bis zum Sommer unterwegs war, allerdings im Unterschied zum neuen Projekt in den östlichen Innenstadtbezirken und nicht am Stadtrand. Für das Projekt hatte die BVG bereits mit der Firma Via zusammengearbeitet, die auch die Ausschreibung für „BVG Muva“ gewonnen hat. Der Vertrag läuft bis Jahresende 2025.

Wie BVG-Chefin Eva Kreienkamp sagte, sei es gemeinsames Anliegen mit der Verkehrsverwaltung, durch die Rufbusse die Mobilitätswende dahin zu bringen, wo sie wegen des eingeschränkten ÖPNV-Angebots bislang noch nicht gelebt werden könne. Durch die gewonnenen Daten über die Nutzung erwartet sich die BVG Erkenntnisse dazu, welche Bedarfe die Fahrgäste haben, welche Strecken sie nutzen und wo es bislang noch Schwächen im Angebot gibt. „Wenn es gut angenommen wird, wollen wir das Angebot von On Demand und Ridepooling auch ausweiten“, sagte Kreienkamp. Diesen Plan verfolgt, auf Basis der Erfahrungen im ersten Bediengebiet, auch die Senatsverwaltung. Weitere konkrete Gebiete stehen aber noch nicht fest.

Kleinbusse als Aufzugersatz bei Störungen an U-Bahnhöfen

Zu „BVG Muva“ gehört auch ein weiteres neues Angebot. Zehn weitere Kleinbusse sind entlang der U-Bahn-Linie U8, an Teilen der U5 sowie zwischen S-Bahnhof Attilastraße und S-Bahnhof Marienfelde unterwegs, um im Fall von fehlenden oder defekten Aufzügen einzuspringen. Die Nutzung steht allen Fahrgästen mit Mobilitätseinschränkungen offen, zum Beispiel Menschen mit Schwerbehinderungen, Senioren, Personen mit Kinderwagen oder Kleinkindern sowie Personen mit Gepäck. Für den „Aufzugersatz“ investiert das Land Berlin entsprechend dem Verkehrsvertrag weitere 10.2 Millionen Euro. Weil Menschen, die dieses Angebot in Anspruch nehmen, keinen Zuschlag zahlen müssen, ist der Betrag höher als beim Rufbus-Projekt.

Wer mit Mobilitätseinschränkung zu einem U-Bahnhof mit Aufzugstörung kommt, so der Plan, soll sich die Kleinbusse als Aufzugersatz bestellen können, die die Fahrgäste dann zur nächsten, barrierefreien Station bringen. Zur Mitfahrt reicht ein gültiges VBB-Ticket, die Buchung ist ebenfalls über die App oder per Telefon möglich. Eine berlinweite Ausweitung des Angebots ist laut BVG in Planung. Zudem betonte die BVG-Chefin: Der barrierefreie Ausbau der Bahnhöfe werde trotz des neuen Services weiter vorangetrieben.

Fraktionen loben Rufbusse, fordern aber weiteren ÖPNV-Ausbau
Aus den Parteien gab es am Donnerstag positive Reaktionen zum neuen Angebot. „Wir brauchen in Berlin überall ein verlässliches ÖPNV-Angebot, dazu können On-Demand-Angebote einen sinnvollen Beitrag leisten“, erklärte der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Felix Reifschneider. „Wenn die ersten Erfahrungen mit Muva gut sind, muss es auf weitere Gebiete ausgeweitet werden.“ Kristian Ronneburg, Sprecher für Mobilität der Linken lobte ebenfalls, dass durch die Rufbusse Angebotslücken geschlossen werden könnten. Gleichzeitig forderte er, wie auch FDP-Politiker Reifschneider, dass trotz der Rufbusse der ÖPNV weiter ausgebaut werden müsse.

Kritik kommt vom Fahrgastverband Igeb. „Das ist eine falsche Prioritätensetzung“, sagte Sprecher Jens Wieseke, der dabei auf den gekürzten Fahrplan verwies, der zurzeit für diverse Buslinien gilt. „Die BVG sollte erst einmal dort zum Regelfahrplan zurückkehren und ihre Kernaufgaben erfüllen“, so Wieseke.