Umweltkatastrophe

Fischsterben: Finanzhilfe vom Bund gefordert

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In der Nähe des polnischen Dorfs Widuchowa werden die Fischkadaver mithilfe eines mobilen Damms geborgen.

In der Nähe des polnischen Dorfs Widuchowa werden die Fischkadaver mithilfe eines mobilen Damms geborgen.

Foto: Marcin Bielecki / dpa

Die Linke fordert vom Bund, den Betroffenen des Fischsterbens in der Oder finanziell zu helfen. Derweil geht die Ursachen-Suche weiter.

Frankfurt (Oder)/Schwerin/Warschau.  Reihenweise ziehen Fischer entlang der Oder seit Tagen tote Tiere aus dem Fluss – darunter auch immer wieder große und mehrere Kilogramm schwere Welse. Normalerweise wäre das ein guter Fang, aktuell ist es jedoch nur noch ein Fall für den Sondermüll. Und während weiterhin die vergifteten Kadaver der qualvoll verendeten Fische aus dem Wasser geborgen werden, geht die Suche nach den Ursachen weiter. Außerdem stellt sich die Frage, wie den Menschen, die vom Fischfang am deutsch-polnischen Grenzfluss leben, geholfen werden kann.

Der linke Bundestagsabgeordnete und ehemalige Brandenburger Finanzminister Christian Görke sieht den Bund in der Pflicht und fordert finanzielle Hilfen. Es brauche klare Zusagen gegenüber den Städten und Landkreisen sowie den Fischerei- und Landwirtschaftsbetrieben an der Oder. „Insofern erwarte ich, dass die Bundesregierung und speziell die Bundesumweltministerin, sich klar zu finanziellen Hilfen gegenüber den Betroffenen bekennt und unbürokratisch ausreicht“, so Görke weiter.

Außerdem sei es „unverständlich und inakzeptabel“, dass nach fast einer Woche immer noch keine konkrete Ursache für das Fischsterben bekannt ist, so der Linkenpolitiker aus dem Wahlkreis Cottbus – Spree-Neiße weiter. Er erwarte von Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne), die Aufklärung voranzutreiben. „Eine Kurzvisite und Krokodilstränen, nachdem die Umweltministerin mehrere Tage abgetaucht war, reichen nicht.“

Fischsterben in Polen bereits seit Ende Juli bekannt

Lemke war am Sonnabendabend nach Frankfurt (Oder) gefahren, um dort mit Helfern und Helferinnen zusammenzutreffen, die tote Fische aus der Oder sammelten. Es treibe sie massiv um, dass nach wie vor Ungewissheit über Gründe, Ausmaß und Folgen der Katastrophe bestehe. Grund dafür sei auch, dass es anfänglich Probleme bei der Zusammenarbeit mit Polen gegeben habe, so die Ministerin.

Der Nachbarstaat habe Deutschland entscheidende Informationen vorenthalten, kritisierte Lemke. Die deutsch-polnische Zusammenarbeit „hat an dieser Stelle ganz offensichtlich nicht funktioniert“. Klar ist, dass die dortigen Behörden bereits seit Ende Juli Hinweise hatten, dass massenweise verendete Fische in der Oder treiben.

Bis nach Warschau seien die Informationen jedoch nicht durchgedrungen, heißt es von der Regierung. Er habe erst am Mittwoch davon erfahren, sagte Ministerpräsident Mateusz Morawiecki. „Ich wurde auf jeden Fall zu spät informiert.“ Am Freitag entließ Morawiecki die Leiter der polnischen Wasser- und Umweltbehörde.

Derweil geht die Suche nach den Gründen für die Umweltkatastrophe weiter. Nachdem Polens Regierung bereits vor einigen Tagen Quecksilber als Grund ausschloss, legte sich Umweltministerin Anna Moskwa nun darauf fest, dass Schwermetalle allgemein nicht die Ursache seien. Man warte nun auf die Ergebnisse der Untersuchungen auf andere Schadstoffe. In Warschau geht man vielmehr davon aus, dass Chemieabfälle ins Wasser eingeleitet wurden. Wirklich sicher war das jedoch auch am Sonntag nicht. Die polnische Polizei hatte am Sonnabend eine Belohnung von 210.000 Euro für Hinweise ausgelobt, die zur Ergreifung des oder der Täter führen.

Für die Hunderte Helfer und Helferinnen ging die Arbeit in Brandenburg auf einer Strecke von rund 80 Kilometern indes auch am Sonntag weiter. Die Einsatzkräfte tragen dabei Gummistiefel, Wathosen und Handschuhe, um Kontakt mit den möglicherweise verseuchten Tierleichen zu vermeiden.

Verwesungsgeruch legt sich über Lebus

Die Helferinnen und Helfer verpacken die Kadaver in Plastiktüten und sammeln sie dann in Containern. Teilweise werden sie anschließend zu einer Verbrennungsanlage auf dem Gelände der Raffinerie PCK in Schwedt (Oder) gebracht und dort vernichtet. Die Umweltkatastrophe ist mittlerweile auch abseits der Oder zu spüren. So soll sich mittlerweile ein starker Verwesungsgeruch über die Straßen der Kleinstadt Lebus nördlich von Frankfurt gelegt haben.

Gute Nachrichten gibt es zumindest aus dem Norden Deutschlands. Anders als ursprünglich befürchtet wurden noch keine toten Fische auf der deutschen Seite des Stettiner Haffs entdeckt. Wie der „NDR“ am Sonntag unter Berufung auf das Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern berichtete, hätten weder Anwohnenden noch die Wasserschutzpolizei entsprechendes gemeldet. Dass das Fischsterben das Haff erreichen wird, ist laut Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) allerdings nur eine Frage der Zeit. Er rät daher vom Baden und Angeln im Haff ab.

( mit dpa )