Katastrophenschutz

Ist der Grunewald der richtige Ort?

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Joachim Fahrun
Großbrand im Berliner Grunewald - Explosionsgefahr am Sprengplatz

Großbrand im Berliner Grunewald - Explosionsgefahr am Sprengplatz

In Berlin hält ein Großbrand im Grunewald die Feuerwehr in Atem. Das Feuer brach aus noch unbekannter Ursache am Sprengplatz in dem Wald im Südwesten der Hauptstadt aus. Wegen der Explosionsgefahr durch dort gelagerte Munition gestalten sich die Löscharbeiten schwierig - zumal Löschhubschrauber fehlen.

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Ein Sprengplatz gehört nicht in ein Naherholungsgebiet, sagt die CDU. Die Polizei findet, es gäbe keinen besseren Standort in Stadtnähe.

Berlin. Nur die CDU ist wirklich entschieden. Der Grunewald sei kein Ort, wo ein Sprengplatz hingehöre, ist nicht nur Landes- und Fraktionschef Kai Wegner überzeugt. Berlin solle eine gemeinsame Lösung mit Brandenburg finden, um die in der Stadt geborgene Weltkriegs-Munition und anderes sprengbares Material sicher zu entsorgen. Andere sind da nicht so sicher: „Die Debatte muss geführt werden“, hieß es am Freitag aus dem Senat.

Aus Sicht der Experten in Innenverwaltung, Polizei und Feuerwehr ist der Standort des Sprengplatzes im Grunewald trotz der aktuellen Katastrophe grundsätzlich geeignet, um dort in der Hauptstadt gefundene Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg und explosives Material kontrolliert zu vernichten.

Realistische Alternativen gebe es nicht, hieß es. Pro Tag würden in Berlin zwei- bis dreimal Munition gefunden und auf den Sprengplatz gebracht. Es wäre nicht ohne Risiko, diese über Straßen oder Autobahnen mehr als 60 Kilometer zum Gut Kummersdorf in der Gemeinde Am Mellensee südlich von Zossen (Teltow-Fläming) zu transportieren, hieß es aus der Behörde. Dort entsorgt Brandenburg Munition.

Lesen Sie auch: Feuer im Grunewald - Liveblog zur Lage rund um den Sprengplatz der Berliner Polizei.

Auch Polizeipräsidentin Barbara Slowik äußerte sich im Rundfunk Berlin-Brandenburg ähnlich. Genehmigungsfähige Alternativen seien nicht in Sicht. Zudem stehe der Sprengplatz im Grunewald ständig zur Verfügung, auch am Wochenende könnten hier Blindgänger gesprengt werden. Das geschehe an sechs Tagen im Frühjahr und an sechs Tagen im Herbst. Im Sommer werden kontrollierte Sprengungen wegen der Waldbrandgefahr unterlassen. Deswegen lagere auf dem Sprengplatz auch stets eine gewisse Menge an explosivem Material. Anders als in Brandenburg stünden im Grunewald auch Sprengbunker zur Verfügung.

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Gerade die aktuelle Lage habe gezeigt, dass der Sprengplatz an einem ziemlich sicheren Ort liege, hieß es. Obwohl vermutlich große Teile der dort gelagerten Munition in die Luft geflogen sei, seien die nächsten Wohnhäuser weit genug entfernt. Auch die Warnung an die Menschen im Südwesten der Stadt, wegen der Rauchentwicklung die Fenster geschlossen zu halten, habe mehr vorsorgenden Charakter gehabt als dass es sich um eine echte Gefahr gehandelt habe.

Dennoch geht man sowohl im Senat als auch im Abgeordnetenhaus davon aus, dass in den kommenden Wochen über den Standort des Sprengplatzes geredet werden wird, wie es die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) am Donnerstag bei einem Besuch am Sperrkreis angekündigt hatte. Das Brandenburger Innenministerium ließ am Freitag eine Anfrage der Berliner Morgenpost über mögliche Kooperationen in Sachen Kampfmittelbeseitigung unbeantwortet.

In den anderen Parteien außer in der Union stellt sich die Lage nicht so klar dar: „Ein Sprengplatz im Wald ist sicher nicht ideal“, sagte SPD-Fraktionsvize Melanie Kühnemann-Grunow. Aber ob es besser sei, Munition über weite Strecken durchs Land zu fahren, sei die Frage. Immerhin sei trotz der vielen Explosionen niemand verletzt oder getötet worden. Womöglich müsse man mit einem Wiederaufbau der Anlagen die Lagerung und die Sicherheitstechnik verbessern, so die Sozialdemokratin.

Auch Sebastian Schlüsselburg (Linke) will sich nicht festlegen. Zunächst wolle er die Ermittlungen zur Brandursache abwarten. „Aber die Argumente der Polizeipräsidentin lassen sich hören“, so der Jurist.

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