Demonstration

Musikalischer Protest gegen Autobahnausbau ohne Blockade

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Musikerinnen und Musiker nehmen an der Protestveranstaltung gegen den Weiterbau der A100 teil.

Musikerinnen und Musiker nehmen an der Protestveranstaltung gegen den Weiterbau der A100 teil.

Foto: Gerald Matzka/dpa

Mit einer ungewöhnlichen Aktion auf der Autobahn wollten Aktivisten gegen immer mehr Straßen mobil machen. Doch es kam anders.

Berlin (dpa/bb). Unter dem Motto «Musizieren statt betonieren» haben rund 100 Musiker und Chorsänger in Berlin-Friedenau gegen den weiteren Ausbau der Stadtautobahn protestiert. Allerdings mussten sie für ihr Konzert am Donnerstag kurzfristig umdisponieren: Anstatt wie eigentlich vorgesehen auf der Autobahn gaben sie ihr musikalisches Programm auf einer Brücke über die Autobahn zum Besten. Denn die Polizei untersagte kurz zuvor die auf der A103 an der Anschlussstelle Saarstraße geplante Blockade.

Als Grund nannte ein Polizeisprecher die Vollsperrung auf der weiter westlich gelegenen Autobahn 115 wegen des Waldbrandes im Grunewald. Um zusätzliches Verkehrschaos zu vermeiden, müsse die A103 als weitere wichtige Route in die Berliner Innenstadt frei bleiben.

Den Veranstaltern von der Initiative «Lebenslaute» wurden zwei alternative Standorte angeboten. Nach interner Beratung entschieden sich diese zähneknirschend für einen davon, nämlich die Friedenauer Brücke über die A103 an der Anschlussstelle Saarstraße.

Zwar wird auch diese Brücke normalerweise von vielen Autos befahren. Aber die Verkehrsbehinderungen infolge des Straßenkonzerts waren deutlich geringer als im Falle einer Blockade der Autobahn. Eine Buslinie musste allerdings laut Verkehrsinformationszentrale zeitweise eingestellt werden.

Ein Sprecher der Initiative übte Kritik am Vorgehen der Polizei und sprach von «Willkür» und «Rechtsbruch». «Wir behalten uns weitere - auch rechtliche - Schritte vor», sagte er.

Bereits Tage vor dem Protestkonzert hatte es Knatsch zwischen Veranstaltern und Polizei gegeben. Denn ursprünglich sollte es auf der A100 zwischen den Anschlussstellen Tempelhof und Oberlandstraße stattfinden. Weil die Polizei dort noch größere Verkehrsbehinderungen erwartete als auf der A103, wurde der neue Ort festgelegt.

Die Aktion in Friedenau blieb am Donnerstag indes nicht die einzige der Gruppe «Lebenslaute». Am frühen Morgen starteten die Musikerinnen und Musiker mit einer zuvor nicht angekündigten Aktion in den Tag. Mehrere Dutzend von ihnen besetzten für einige Stunden eine Autobahnbaustelle nahe dem Treptower Park.

Sie musizierten, Bauarbeiter hörten zu, die Atmosphäre sei entspannt und friedlich gewesen, sagte ihr Sprecher. Die Bauarbeiten waren während der Aktion unterbrochen. Die Verantwortlichen der Baustelle erstatteten laut Polizei Anzeige wegen Landfriedensbruchs.

Die Gruppe «Lebenslaute» ist schon seit Mitte der 1980er Jahre bundesweit aktiv und spielt vornehmlich klassische Musik an aus ihrer Sicht «menschenbedrohenden» Orten. Die Aktionen in Berlin, die von einem Berliner Bündnis gegen die A100 sowie der Initiative «Sand im Getriebe» unterstützt wurden, richteten sich vor allem gegen Pläne des Bundesverkehrsministeriums, die A100 im Osten der Stadt zu verlängern, aber auch gegen den Bundesverkehrswegeplan und «versteinerte Verkehrspolitik» insgesamt.

Derzeit ist die A100 zwischen dem Dreieck Neukölln und dem Treptower Park in Bau. Das Bundesverkehrsministerium plant einen Weiterbau von dort aus in Richtung Lichtenberg.