Energiekrise

«Lage ist dramatisch»: Kultur soll gesichert werden

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Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen), Staatsministerin für Kultur und Medien.

Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen), Staatsministerin für Kultur und Medien.

Foto: Michael Kappeler/dpa/Archivbild

Mit der Energiekrise steigen die Kosten auch für Theater und Museen deutlich. Auch in Kulturinstitutionen geht es ums Sparen. Bund und Länder basteln dafür an gemeinsamen Plänen.

Berlin. Angesichts der Energiekrise und damit verbundenen Kostensteigerungen wollen Bund, Länder und Kommunen Kultureinrichtungen wie Museen und Theater sowie die kulturelle Infrastruktur sichern. «Die Lage ist dramatisch», sagte Kulturstaatsministerin Claudia Roth der Deutschen Presse-Agentur in Berlin am Donnerstag nach einem Treffen mit ihren Amtskolleginnen und -kollegen aus den Ländern sowie Vertretern der Kommunen.

Während der Videokonferenz schilderte der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, mögliche Sofort-Maßnahmen sowie notwendige Vorbereitungen für die Wintermonate.

«Wir wollen die Funktionsfähigkeit der Kultureinrichtungen sicherstellen und sie offen halten. Schließungen sind ganz sicher keine Antwort», sagte die Grünen-Politikerin. «Die Folgen des russischen Angriffskrieges mit der Gasverknappung treffen uns alle, eben auch den Kulturbereich und die Kulturbranche, durch massive Verteuerungen.»

«Kultureinrichtungen können eine Vorbildfunktion übernehmen und sagen: Ja, wir haben verstanden, wir müssen einen Beitrag leisten», sagte Roth. Für Einsparpotenziale sollen Stufenpläne ausgearbeitet werden, um Grenzwerte zu bestimmen und «möglicherweise auch zu definieren, was besonders schützenswerte Kulturgüter sind. Dabei soll die kulturelle Infrastruktur insgesamt erhalten bleiben. Sie hat jetzt gerade in diesen schweren Zeiten eine ganz besondere Bedeutung.»

Eine Ad-hoc-Arbeitsgruppe solle den Austausch intensiv vorantreiben. Die Kulturminister und -ministerinnen wollen dabei gemeinsam vorgehen. «Es ist wichtig, bei möglichen Einsparungen an einem Strang zu ziehen», sagte Roth. «In den Bundesländern sind schon sehr unterschiedliche Maßnahmen überlegt, Untersuchungen angestellt und Vorschläge erarbeitet worden. Die wollen wir miteinander austauschen, um dann im September eine gemeinsame Linie zu verabreden.»

Roth will einen Überblick über mögliche Handlungsoptionen, Best-Practice-Beispiele und Worst-Case-Strategien, an denen sich die Einrichtungen länderübergreifend orientieren können.

Die Museen und Einrichtungen ermittelten derzeit ihre Potenziale. «Es ist noch verfrüht, Prozentzahlen für Einsparungen zu nennen. Es sind sehr unterschiedliche Kultureinrichtungen, das muss man sich jetzt zusammen mit den Verbänden anschauen. Aber es gibt eine große Bereitschaft einzusparen und etwa zu überlegen, wie man mit den Temperaturen umgehen kann», sagte Roth.

Auf die öffentliche Hand sieht die Kulturstaatsministerin finanzielle Folgen zukommen. «In den Haushalten auch der bereits belasteten Kommunen wird es durch die Energie massive Kostensteigerung geben», sagte Roth. Da werde Unterstützung benötigt und müsse überlegt werden, ob Sondermittel generiert werden könnten.

Auch die Vorsitzende der Kulturministerkonferenz, Nordrhein-Westfalens Kulturministerin Ina Brandes (CDU), betonte in einer Mitteilung, Kulturangebote sollten trotz der großen Herausforderungen der Energiekrise für das Publikum da sein. «Zudem sind Archive, Museen und Bibliotheken, wenn sie zum Beispiel bedeutsames Kulturgut aufbewahren, Teil der kritischen Infrastrukturen», sagte sie. Daher müsse ihre Energieversorgung im Notfallplan Gas auch bei Alarmstufe 3 priorisiert werden. Gleichzeitig müssten sich Kultureinrichtungen auf Notfälle bei der Energieversorgung vorbereiten.

Müller sprach von einer angespannten Situation. «Damit der Kulturbereich mit seinen wichtigen gesellschaftlichen Funktionen auch bei reduzierten Gasliefermengen seinen Beitrag leisten kann, müssen wir alle zusammen solidarisch Gas einsparen und dürfen es nicht zu einer Gasmangellage kommen lassen.»