Wärmeschutz

Arbeiten im Freien: Wie Berliner durch die Hitze kommen

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Alexander Rothe
Straßenarbeiten – wie hier an der Frankfurter Allee – sind bei großer Hitze besonders belastend.

Straßenarbeiten – wie hier an der Frankfurter Allee – sind bei großer Hitze besonders belastend.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Angesichts extremer Wärme werden vielerorts die Regeln für den Arbeitsplatz im Freien gelockert – nicht nur die Dienstzeiten.

Berlin.  Eine neue Hitzewelle rollt über Berlin. Insbesondere Berufsgruppen, deren Tätigkeit im Freien stattfinden, sind der sengenden Sonne ausgeliefert und bedürfen eines gesonderten Schutzes. Aus diesem Grund ergreifen Arbeitgeber Maßnahmen, um ihre Mitarbeitenden zu schützen.

Oft auf den heißen Straßen anzutreffen, sind die Mitarbeitenden der Berliner Stadtreinigung (BSR). „Für unsere operativ tätigen Einsatzkräfte tun wir einiges, um die Hitze etwas erträglicher zu machen“, erklärt BSR-Pressesprecher Sebastian Harnisch. Die Bediensteten dürften luftige Arbeitskleidung und schützende Kopfbedeckung tragen sowie ihre Pausenzeiten flexibel gestalten. Zudem würden ihnen kostenlos Sonnenschutzmittel und Getränke zur Verfügung gestellt. Die meisten Müll- und Reinigungsfahrzeuge verfügten zudem über Klimaanlagen.

Bei der Dienstkleidung gibt es auch Varianten

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) setzen ebenfalls auf kostenlose Getränke für das Fahr- und Sicherheitspersonal. So werden beispielsweise an den Endstationen Wasser und Eistee ausgeteilt, berichtet Pressesprecher Jannes Schwentu. „Das ist seit Jahren geübte und geschätzte Praxis.“ Zusätzlich werden Kühltücher an die Belegschaft verteilt, die über den Nacken gehangen werden können.

Auch bei der Dienstkleidung werde hitzegerecht nachgesteuert. „Bei der Dienstkleidung gibt es auch Varianten, zum Beispiel mit kurzer Hose, die für warme Sommertage gut geeignet sind. Wir haben im Fahrdienst aber auch schon geraume Zeit keine generelle Dienstkleidungspflicht mehr. Das ist jeweils per Vereinbarung geregelt.“ Kolleginnen und Kollegen seien lediglich verpflichtet, die blaue Weste als Erkennungszeichen zu tragen und sich ordentlich zu kleiden. Weiterhin würden über eine Mitarbeit-App Tipps für den Gesundheitsschutz an heißen Tagen gegeben. „Tatsächlich kommen einige Menschen ja deutlich besser mit der Hitze zurecht als andere. Das heißt, da geht es gar nicht unbedingt um die konkrete Tätigkeit und wir sensibilisieren alle.“

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Mehr Wasserspender bei der Feuerwehr

Bereits für die Auswirkungen von Hitze auf den Körper sensibilisiert sind die Einsatzkräfte der Feuerwehr, in deren Berufsalltag der Kampf gegen die Hitze gang und gäbe ist. Informationskampagnen sind daher nicht notwendig, wohl aber eine waches Auge: „Jede Führungskraft muss auf ihre Mannschaft achten und sichergehen, dass sie viele Pausen machen und viel trinken“, sagt Feuerwehr-Pressesprecher Dominik Pretz. Gegebenenfalls müsse weiteres Personal angefordert werden. Auf den Wachen stünden laut Pretz außerdem Wasserkisten und -spender bereit, wobei Letztere ausgebaut werden sollen. „In diesem Jahr sollen 15 weitere hinzukommen. Ziel ist es, alle Feuerwehrwachen mit Wasserspendern auszustatten.“

Die Polizei setzt unter anderem auf flexible Arbeitszeiten. „Unabhängig vom jeweiligen Arbeitszeitmodell kann die Rahmenanwesenheitszeit bei einer längeren Hitzeperiode ausgeweitet werden, das bedeutet, dass die Mitarbeitenden in der Zeit zwischen 4 Uhr und 22 Uhr ihren Dienst versehen können, um so die Möglichkeit zu haben, in den ,kühleren’ Stunden des Tages zu arbeiten. Auch der Rückgriff auf mobiles Arbeiten ist in Teilen möglich“, so die Polizei auf Anfrage.

Weitere Maßnahmen sehen vor, den Dienst bei hohen Temperaturen beispielsweise durch das Weglassen von Kopfbedeckung zu erleichtern. Diese Entscheidung habe jedoch die jeweils verantwortliche Führungsperson zu treffen. Eine gesamtbehördliche Anordnung gebe es nicht.

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Manche Tätigkeiten machen bei hohen Temperaturen keinen Sinn

Als besonders exponiert gelten Mitarbeitende aus dem Baugewerbe: körperlich anstrengende Tätigkeiten, die oftmals unter ungeschützter Sonneneinstrahlung stattfinden. Ähnlich wie die Polizei verlegen viele Firmen ihre Arbeitszeiten daher in die kühlere Tagesstunden, wie Thomas Herrschelmann, Sprecher der Fachgemeinschaft (FG) Bau Berlin und Brandenburg, erklärt.

Die FG vereint mehr als 900 Firmen aus dem Bauhauptgewerbe und informiert regelmäßig zu Hitzeschutz auf Baustellen. Dabei arbeitet sie eng mit der Berufsgenossenschaft Bau zusammen, die sich des Themas auf ihrer Webseite angenommen hat. Auf dieser werden die Gruppen genannt, die besonders anfällig für hitzebedingte Erkrankungen sind: über 50-Jährige und neue eingestellte Beschäftigte. Mitarbeiter müssten neben ausreichender Flüssigkeitszufuhr darauf achten, übermäßige Wärmeeinwirkung oder innere Wärmeproduktion zu vermeiden.

Wie belastend die Arbeit auf den Dächern sein kann, weiß Christian aus Charlottenburg. Er ist selbstständiger Dachdecker und weiß, dass bei hohen Temperaturen die Arbeit unter gewissen Umständen keinen Sinn macht. „Auf einem Flachdach ist die Arbeit bei solcher Hitze nicht möglich.“ Beim Zusammenschweißen der Teerpappe-Bahnen entstehe durch den Brenner bereits sehr große Hitze, zusätzlich knalle die Sonne auf das Dach, mache die Teerpappe weich. „Wenn man dann mit den Arbeitsschuhen darüber läuft, können Schäden entstehen.“ Statt 7 Uhr finge er an heißen Tag daher schon 5 Uhr an, höre um 11 Uhr auf. Der einzige Schutz: eine Mütze und viel trinken.