Gericht

Neuköllner Anschlagsserie: Richterin lehnt Nebenklage ab

Am 1. Februar 2018 stand das Auto von Ferat Kocak in Flammen.

Am 1. Februar 2018 stand das Auto von Ferat Kocak in Flammen.

Foto: Ferat Kocak / dpa

Linken-Politiker Ferat Kocaks Auto wurde von Neonazis angezündet. Kocak erfüllt laut Richterin nicht die Gründe einer Nebenklage.

Berlin.  Im Prozess gegen die beiden Neonazis Sebastian T. und Tilo P. im Rahmen der Neuköllner Anschlagsserie darf der Linken-Politiker Ferat Kocak nicht als Nebenkläger aussagen. Laut der zuständigen Richterin erfülle er die Gründe nicht, um als Nebenkläger auftreten zu dürfen. Zuerst berichtete der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb).

In der Nacht zum 1. Februar 2018 sollen die beiden angeklagten Neonazis nach Ansicht der Generalstaatsanwaltschaft Berlin Kocaks Auto in der Hofeinfahrt seines Elternhauses sowie das eines Buchhändlers in Brand gesetzt haben. Ab dem 29. August müssen sie sich vor einem erweiterten Schöffengericht des Amtsgerichts Tiergarten verantworten. Die Neuköllner Anschlagsserie begann vor 13 Jahren.

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Das Opfer einer Brandstiftung muss laut Strafprozessordnung nachweisen, dass die Tat körperliche und seelische Schäden im Leben des Betroffenen hinterlassen hat. Weil das nach Ansicht der Richterin nicht der Fall ist, wurde die Nebenklage abgewiesen.

Neuköllner Anschlagsserie: Kocaks Anwältin will Rechtsmittel gegen richterlichen Beschluss einlegen

Der Linken-Abgeordnete habe in der Folge des Brandanschlags auf seinen Wagen lediglich fünf Sitzungen bei einer Psychologin in Anspruch genommen, argumentiert die Richterin laut RBB weiter.

Kocaks Anwältin Franziska Nedelmann kündigte an, Rechtsmittel gegen den Beschluss einzulegen. Laut Strafprozessordnung sei dieser zwar unanfechtbar, doch Nedelmann beruft sich auf eine fehlerhafte Begründung.

Die Anwältin verweist auf andauernde Angstzustände und Schlaflosigkeit ihres Mandanten infolge des Anschlags. Zudem habe er in den vergangenen Jahren, wie im Antrag auf Zulassung zur Nebenklage formuliert, zehn Mal psychologische Unterstützung in Anspruch genommen.

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