Mit Reizgas

Polizei richtet mobile Wache am Columbiabad ein

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Foto: Morris Pudwell

Bademeister hatten einige Gäste des Columbiabads verwiesen. Die gingen auf Sicherheitsleute los. Jetzt sichert die Polizei das Freibad.

Berlin. Nach Ausschreitungen im Columbiabad in Neukölln verstärkt die Polizei den Schutz für Besucher und Wachpersonal. Am Donnerstag richteten Beamte vor dem Bad eine mobile Wache ein, wie die Pressestelle mitteilte. Auch auf andere Bäder hätten die örtlichen Streifenpolizisten verstärkt ein Auge. Die CDU fordert ein umfassendes Sicherheitskonzept für die Bäder. Nach mehreren Angreifern vom Columbiabad wird noch gefahndet.

Am Mittwoch hatte der Vorstandsvorsitzende der Berliner Bäder-Betriebe (BBB), Johannes Kleinsorg, mitgeteilt, dass die Polizei die Bäder schützen soll. „Wir freuen uns sehr über das Engagement der Polizei Berlin, die sich ad hoc bereiterklärt hat, uns bei der Absicherung des Freibadbetriebs zu unterstützen.“ Das bestätigte die Behörde auf Nachfrage. Darüber hinaus würden auch die BBB mehr Sicherheitspersonal an den Columbiadamm schicken, so Kleinsorg.

Am Dienstagabend waren gegen 19.30 Uhr im Sommerbad Neukölln mehrere junge Männer mit Schlagstöcken und Reizgas auf Angestellte losgegangen. Elf Menschen wurden verletzt – darunter sechs Badegäste, vier Sicherheitskräfte und ein Mitarbeiter eines Rettungsdienstes. Sie klagten über Augenreizungen, zwei gaben auch an, ins Gesicht geschlagen worden zu sein. Drei der Verletzten mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Der Auseinandersetzung war eine andere Schlägerei vorausgegangen, in deren Folge zwölf Personen des Bades verwiesen worden waren.

Mobile Wache und tägliche Streifen von Einsatzhundertschaften

Nach knapp einer Stunde waren sie jedoch zurückgekommen, wobei einige von ihnen nach Angaben der Polizei über den Zaun eingedrungen waren. Laut Zeugen hatten sie dann gezielt Jagd auf Mitarbeitende des Sicherheitsdienstes gemacht. Drei Securitys, die offenbar besonders im Fokus standen, mussten flüchten und verschanzten sich im Aussichtsturm des Bads. Die Angreifer versuchten daraufhin, die Tür einzuschlagen. „Die Auseinandersetzungen im Sommerbad Neukölln haben gestern ein Ausmaß erreicht, wie wir es bisher nicht kannten“, sagte BBB-Chef Kleinsorg. „Diese Gewalt macht uns sehr betroffen.“

„Ab morgen werden wir eine mobile Wache vor dem Bad postieren und täglich werden Hundertschaften in der Zeit zwischen 16 und 24 Uhr auf Streife sein“, erklärte Polizeisprecherin Anja Dierschke am Mittwoch das genaue Vorhaben. Die Beamtinnen und Beamten würden dabei aber nicht nur im Bad, sondern auch in der umliegenden Gegend unterwegs sein. Es gehe aber auch darum, auf dem Gelände Präsenz zu zeigen. „Wir planen auch, gegenüber Personen, die wiederkehrend auffällig werden, Gefährderansprachen zu halten“, so Dierschke weiter. Die Polizei stehe dabei in engem Austausch mit den Bäderbetrieben.

Im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung hat die Polizei Berlin zudem auf ihrer Internetseite ein Hinweisportal freigeschaltet. Zeuginnen und Zeugen der Tat können darüber Videodateien, Fotos und Beobachtungen an die Ermittlerinnen und Ermittler der Kriminalpolizei übersenden. Dies kann auch ohne Angaben zur eigenen Person, also anonym, erfolgen.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Berlin zeigt sich von diesen Plänen wenig begeistert. „Es war leider eine Frage der Zeit, wann Berlins Polizei hier mal wieder als Mutti für alles in die Bresche springen muss, weil andere Institutionen ihrer Verantwortung nicht nachkommen“, sagte Landeschef Stephan Weh der Berliner Morgenpost. Der Einsatz der Mobilen Wache ergebe zwar in Fällen wie diesen Sinn. „Dass wir aber tagtäglich mit Einsatzhundertschaften am Columbiabad und in anderen Bädern der Stadt Präsenz zeigen, übersteigt sämtliche personelle Ressourcen.“ Die Beamtinnen und Beamten seien dabei stets in voller Montur im Einsatz, so Weh weiter. „Wir erwarten, dass die Einsatzkräfte vor Ort jetzt wenigstens entsprechend der klimatischen Bedingungen versorgt und regelmäßig herausgelöst werden.“

Frank Balzer, innenpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion Berlin, forderte Innensenatorin Iris Spranger (SPD) auf, mit Polizei und Bäderbetrieben ein Sicherheitskonzept zu erarbeiten. Die mobile Polizeiwache vor dem Columbiabad sei nur eine kurzfristige Notfalllösung.

Drei Angreifer wurden vorübergehend festgenommen

Nachdem die Polizei am Dienstagabend eintraf, flohen die Angreifer. Drei Verdächtige konnten kurz darauf festgenommen werden. Die jungen Männer im Alter von 19, 23 und 24 Jahren saßen unweit des Schwimmbads in einem Auto. Im Wagen stellten die Beamten außerdem einen Schlagstock, einen Baseballschläger sowie zwei Messer sicher. Die Festgenommenen wurden nach der erkennungsdienstlichen Behandlung wieder freigelassen. Gegen sie wird nun wegen des Verdachts des besonders schweren Landfriedensbruchs ermittelt.

In den vergangenen Wochen kam es insbesondere an heißen Tagen immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen in Berlins Sommerbädern. Ende Juni eskalierte eine Wasserpistolenschlacht im Freibad am Insulaner in Steglitz in einer Massenschlägerei, an der sich bis zu 100 Personen beteiligten. Auch das Columbiabad musste bereits vorzeitig geschlossen werden, nachdem dort nach einer Schlägerei Mitarbeiter und Polizisten bedrängt wurden.

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