Regionalbahnen

Neue Regionalzüge: Mehr Platz für Räder und ein buntes WC

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Die neuen Regionalzüge der Deutschen Bahn kommen im Netz Elbe-Spree zum Einsatz.

Die neuen Regionalzüge der Deutschen Bahn kommen im Netz Elbe-Spree zum Einsatz.

Foto: Deutsche Bahn

Die Deutsche Bahn stellt erneuerte Regionalzüge vor und verstärkt ab Dezember das Angebot im Netz Elbe-Spree.

Berlin. Wer künftig mit der Regionalbahn Richtung Potsdam, Cottbus, Bad Belzig oder auch zum BER fährt, sollte etwas tun, was man als erfahrener Bahnreisender sonst eher vermeidet: Einen Blick in die Zugtoiletten werfen. Mit orangefarbenen Klobrillen, Karomuster und Fototapeten mit „Ausblicken“ ins Grüne oder aufs Meer im schönsten Retro-Stil waren die Örtchen die heimlichen Stars der Zug-Präsentation am Donnerstag, zu der Verkehrssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) und Brandenburgs Verkehrsminister Guido Beermann (CDU) eigens zum Bahnhof Lichtenberg gekommen waren.

145 Doppelstockwagen, 41 „Talent“-Triebwagen sowie 29 Loks lässt die Deutsche-Bahn-Tochter DB Regio Nordost derzeit für rund 150 Millionen Euro fortlaufend sanieren. Das Versprechen: Mehr und längere Züge, dichtere Taktung, freies Wlan, mehr Sitzplätze und Platz für Fahrräder und Gepäck. Ab Dezember werden die sanierten Züge – sie sind zwischen zehn und 25 Jahre alt – im Netz Elbe-Spree unterwegs sein, dessen Angebot ab dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember verbessert werden soll.

Dies war die eigentliche Nachricht des feierlichen Termins mit rotem Teppich, Schnittchen und Streichterzett am Gleis. Symbolisch unterzeichneten dafür Jarasch, Beermann und Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn im Nordosten, noch einmal den Verkehrsvertrag, nachdem die Deutsche-Bahn-Tochter DB Regio Nordost zwei der vier sogenannten „Lose“ des deutschlandweit größten Ausschreibungsnetzes erhält. Das Netz erstreckt sich über vier Bundesländer – Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Einige der neuen Züge sind schon seit März 2021 unterwegs, etwa auf der Linie RB20 (Potsdam – Oranienburg) oder RE7 (Dessau-Roßlau – Berlin – Wünsdorf-Waldstadt). Ab Dezember werden sie auch auf den Linien RE2, FEX, RB14, RB24 und RB32 fahren.

Die neuen Regionalzüge der Deutschen Bahn - die besten Bilder

Deutsche Bahn: Größere Bildschirme machen die Zuginformationen besser sichtbar

Zwei modernisierte Züge ließen sich Jarasch und Beermann gleich vorführen. Sie begutachteten die Steckdosen, die von der Decke unter die Fenster der Vierersitze verlegt wurden. USB-Anschlüsse gibt es nicht, dafür aber geräumigere Gepäckablagen und Stellflächen für Rollstühle, Kinderwagen und Fahrräder mit großen Piktogrammen. Größere Bildschirme machen die Zuginformationen besser sichtbar. In den Doppelstockzügen zum Flughafen BER werde es künftig zusätzliche Kofferstellflächen geben, kündigte Carsten Moll an, Chef der DB Regio Nordost. Klappbare Armlehnen sorgen für mehr Komfort, mehr Kameras in den Zügen für mehr Sicherheit, große Piktogramme auch außen am Zug für bessere Orientierung, etwa, wo Radfahrer einsteigen können. Insgesamt, so Moll, seien im Netz Elbe-Spree 30 Prozent mehr Angebot geplant „und 50 Prozent mehr Sitzplätze.“

Florian Müller, stellvertretender Geschäftsführer des Berliner Fahrgastverbandes IGEB, begrüßte das erweiterte Angebot. Er kritisierte aber, es komme „Jahre zu spät“. Ähnlich wie bei den „KISS“-Zügen der Ostdeutschen Eisenbahn (Odeg), die sich trotz steigender Fahrgastzahlen nicht verlängern ließen, sei auch hier zu befürchten, dass das neue Angebot schon bald nicht mehr ausreiche. „Doch jetzt es ist für Jahre festgeschrieben.“

Die steigenden Fahrgastzahlen im Regionalverkehr durch das 9-Euro-Ticket nahm Verkehrssenatorin Jarasch zum Anlass, mehr Geld vom Bund zu fordern, „für neue Fahrzeuge, den Ausbau des Netzes, dichtere Takte, um die Menschen zum Umsteigen zu bewegen“. Das 9-Euro-Ticket habe gezeigt, dass Menschen dazu durch preiswerte und einfache Angebote zu motivieren seien. Als Anschluss-Angebot forderte sie ein „Klimaticket“.

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