Kriminalität

Nach Amokfahrt in Berlin noch ein Opfer im Krankenhaus

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Andreas Gandzior
Blumen liegen in Gedenken an die Opfer vor der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche.

Blumen liegen in Gedenken an die Opfer vor der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche.

Foto: Christoph Soeder/dpa/Archivbild

Bei der Amokfahrt auf dem Kudamm und der Tauentzienstraße waren eine Frau getötet und 32 Menschen verletzt worden.

Berlin. Einen Monat nach der Amokfahrt am 8. Juni auf dem Kurfürstendamm und dem Tauentzien, bei dem eine Lehrerin ums Leben kam und laut Staatsanwaltschaft 32 Menschen verletzt wurden, dauern die Ermittlungen einer Mordkommission des Landeskriminalamtes (LKA) an.

Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den hochgeladenen Bild- und Videodateien. Nur kurze Zeit nach der Tat hatte die Berliner Polizei ein Portal eingerichtet und sich mit der Bitte an die Öffentlichkeit gewandt, Fotos und Videos der Amokfahrt hochzuladen. Die Polizei teilte auf Anfrage der Berliner Morgenpost mit, dass aktuell 53 Bild- und 169 Videodateien hochgeladen worden sind. Wie viele Dateien möglicherweise mehrfach hochgeladen wurden, kann derzeit nicht gesagt werden. „Die Auswertung der im Hinweisportal hochgeladenen Videos dauert an“, teilte die Polizei mit.

Ermittlungsverfahren gegen „Gaffer“

Im November 2019 hatte das Bundeskabinett eine Strafe für „Gaffer“ beschlossen. Demnach sollen Personen, die Unfalltote fotografieren, künftig mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren bestraft werden können. „Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen wird voraussichtlich ein Ermittlungsverfahren eingeleitet“, teilte die Polizei mit. „In besagtem Fall wurden Videoaufnahmen in den Sozialen Medien hochgeladen und damit veröffentlicht.“

Einen Monat nach der Todesfahrt in der Berliner Innenstadt wird noch ein Opfer im Krankenhaus behandelt. Das teilte eine Sprecherin der Gesundheitsverwaltung am Donnerstag auf Anfrage der Deutschen Presseagentur mit, ohne weitere Details zu nennen. Bei der mutmaßlichen Amoktat am 8. Juni waren eine Frau getötet und laut Staatsanwaltschaft 32 Menschen verletzt worden. Bei der Zentralen Anlaufstelle, die bei der Senatsjustizverwaltung angesiedelt ist und das Hilfsangebot für Verletzte, Ersthelfende oder Augenzeugen koordinieren soll, sind nach Angaben eines Justizsprechers derzeit 139 Betroffene registriert. Viele von ihnen waren in der Hauptstadt zu Gast. Nach den Angaben stammen die Menschen aus sieben verschiedenen Bundesländern sowie zwei anderen EU-Staaten. Besonders betroffen von der Tat war eine Schulklasse aus Hessen. Die Lehrerin starb, ein Lehrer und sieben Schüler kamen mit schweren Verletzungen in Krankenhäuser.

Amokfahrt in Berlin: Giffey und Kreck trafen Betroffene

Berlin hatte nach der Tat ein Beratungstelefon eingerichtet. Dort erhielten Hilfesuchende weiterhin täglich rund um die Uhr erste psychosoziale Unterstützung, erklärte der Justizsprecher. Zwischenzeitlich habe es auch ein nichtöffentliches Treffen der Betroffenen mit Berlins Regierender Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) und Justizsenatorin Lena Kreck (Linke) gegeben. Dabei seien auch Hilfsangebote und konkrete Ansprechpartner vorgestellt worden, etwa vom Versorgungsamt, der Unfallkasse, des Berliner Krisendienstes oder Opfervereinen. Derzeit werde ein individuelles Informationsblatt für die Betroffenen erstellt. Zudem gehe es darum, die Menschen in Berlin oder in den jeweiligen Bundesländern weiterzuvermitteln, damit sie psychosoziale Unterstützung bekommen.

Der 29 Jahre alte Fahrer befindet sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft weiterhin in einem psychiatrischen Krankenhaus. Die Behörde wirft dem Deutsch-Armenier Mord in einem Fall und versuchten Mord in 17 Fällen vor. Nach Überzeugung der Ermittler hat eine psychische Erkrankung des Mannes zu der Todesfahrt geführt. Der Mann war auf dem Ku’damm und der Tauentzienstraße in der westlichen Berliner Innenstadt mit einem Auto in zwei Menschengruppen gefahren. (mit dpa)

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( mit dpa )