Maßnahmen

Energie-Krise: Nur noch 19 Grad in Berlins Behörden

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Uta Keseling und Julia Lehmann

Das Land Berlin will Energie einsparen. Deswegen soll die Raumtemperatur in öffentlichen Gebäuden auf 19 Grad sinken.

Berlin.  Die Zahlen klingen gewaltig: Insgesamt rund 6,8 Millionen Quadratmeter Raumfläche in gut 2000 Gebäuden muss das Land Berlin allein in seinen eigenen und den angemieteten Gebäuden heizen. Vom Gericht bis zum Bezirksamt, vom Theater bis zur Feuerwehr wurden dafür 2019 insgesamt rund 440.000 Megawattstunden Energie für Heizung und Warmwasser verbraucht. Für Strom kamen noch mal 130.000 Megawattstunden dazu, so die Zahlen der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), die Berlins öffentliche Gebäude verwaltet. Derzeit befinde man sich „im engen Austausch mit dem Senat, um zu Energiesparmaßnahmen zu beraten und diese anschließend schnellstmöglich einzuleiten“, sagt BIM-Sprecherin Marlen Koenecke auf Anfrage. Ziel sei eine einheitliche Regelung für das Land Berlin.

Die durchschnittliche Raumlufttemperatur in den Verwaltungsräumen des Landes betrage derzeit 22 Grad Celsius, so Koenecke. „Eine Senkung der Durchschnittstemperatur auf 20 Grad beziehungsweise 19 Grad Celsius ist unseres Erachtens notwendig“ – dies sei jedoch abhängig von den Anforderungen der Nutzerinnen und Nutzer, so die Sprecherin. Denkbar sei dafür eine Absenkung der Vorlauftemperaturen und dezentral der Einsatz von begrenzbaren Thermostatköpfen. Die deutsche Arbeitsstättenverordnung schreibt für Arbeitsplätze, an denen leichtere Arbeiten im Sitzen ausgeführt werden, generell mindestens 20 Grad Celsius vor.

Um Energie zu sparen, solle mittelfristig „der Ausbau regenerativer Energien und somit die Substitution fossiler Energieträger sowie die Elektrifizierung der Wärmeversorgung“ umgesetzt werden, so die Sprecherin weiter. Dies sei ein laufender Prozess, „der noch einmal beschleunigt werden muss“. Darüber hinaus helfe der Einsatz energieeffizienter Verbraucher, um die Kraftwerke zu entlasten und damit den Gasverbrauch zu mindern. Auch das Projekt zur „Nutzermotivation“, zum Klimaschutz in öffentlichen Gebäuden, solle beschleunigt werden.

Maßnahmen für die Bezirke sollen erst im letzten Quartal verhandelt werden

Was dies konkret im kommenden Winter bedeutet, ist jedoch vielerorts noch unklar. Aus dem Rathaus Tempelhof-Schöneberg heißt es etwa: Erst im letzten Quartal des Jahres solle das Thema zentral für alle Bezirke und Verwaltungen mit der Senatsfinanzverwaltung verhandelt werden. Natürlich sei dem Bezirk klar, dass die Energiekosten definitiv steigen. Jedoch wolle man wegen der sich täglich verändernden Einschätzungen noch warten – auch, um doppelte Arbeit zu vermeiden. Die Bezirke erhielten hierzu gegebenenfalls einen Ausgleich durch die Senatsverwaltung für Finanzen, da in der bisherigen Bezirkszuweisung dafür noch keine Vorsorge getroffen werden konnte. Dies betreffe alle Gebäude, wobei insbesondere die Heizkosten noch nicht eingeschätzt werden könnten.

Für Mitarbeiter des Bezirks Tempelhof-Schöneberg sei eine Unterstützung bei den Energiekosten weder tarifrechtlich noch besoldungsrechtlich vorgesehen. Inwieweit das Land Berlin hierzu etwas beitragen werde, sei nicht bekannt und absehbar. Der Bezirk selbst könne dies auch nicht entscheiden.

Auch bei Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretern scheint das Thema eher fern. Konkrete Forderungen, etwa zu einem Energiekostenausgleich für Beschäftigte im Homeoffice, gebe es seitens seiner Gewerkschaft nicht, sagt Andreas Splanemann, Sprecher der Gewerkschaft Verdi in Ber­lin und Bran­den­burg. Er rät, das Thema Energie und Temperaturen direkt zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmervertretern unter Berücksichtigung der jeweiligen Bedingungen vor Ort zu regeln. Wenn für Arbeitnehmer im Homeoffice oder beim mobilen Arbeiten durch steigende Energiekosten höhere Auslagen entstünden, müssten diese, ähnlich wie in der Corona-Pandemie, durch Pauschalen der Arbeitgeber ausgeglichen werden, fordert der Gewerkschafter. „Denkbar wäre auch eine steuerliche Entlastung“. Arbeitnehmer ins Homeoffice zu schicken, um am Arbeitsort Energie zu sparen, sei dagegen in keinem Fall eine Lösung. Davor warnt auch Daniela Ortmann, Vorständin des Berliner Hauptpersonalrats, der die 144.000 Beschäftigten des Landes Berlin vertritt.

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