Im See ertrunken

In Berlin schon vier Badetote: So schwimmen Sie sicher

| Lesedauer: 3 Minuten
Philipp Siebert
Nachdem ein 26-Jähriger vor ein paar Wochen im Weißensee verschwand, wurde über Stunden nach ihm gesucht. Seine Leiche fanden Feuerwehr und Rettungsschwimmer am Folgetag.

Nachdem ein 26-Jähriger vor ein paar Wochen im Weißensee verschwand, wurde über Stunden nach ihm gesucht. Seine Leiche fanden Feuerwehr und Rettungsschwimmer am Folgetag.

Foto: Morris Pudwell

Vier Menschen starben 2022 schon in Berlins Gewässern, ein fünfter wird noch vermisst. Mit diesen Tricks schwimmt man jedoch sicher.

Berlin.  Selbstüberschätzung, Übermut oder gesundheitliche Probleme: Das sind nach Erfahrung von Martin Holzhause die häufigsten Gründe, warum Menschen beim Baden ertrinken. „Gerade Alkohol wirkt sich in dreifacher Hinsicht negativ aus“, sagt der Sprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft. „Er mindert die Reaktionsfähigkeit, wirkt sich auf den durch die Hitze eh schon beanspruchten Kreislauf aus und regt zu leichtsinnigen Handlungen an.“ Zuletzt bezahlte ein 50-Jähriger in Stuttgart den betrunkenen Sprung in den Neckar mit dem Leben.

In Berlin gab es in diesem Jahr bereits mindestens vier Badetote. Am Sonnabendabend ertrank ein 30-Jähriger im Schlachtensee. Am 18. Juni starb ein 49-Jähriger im Flughafensee, am selben Tag und genau eine Woche später am 25. wurden die Leichen eines 17- und eines 26-Jährigen aus dem Weißen See geborgen.

Ob es bereits einen fünften Fall gibt, ist unklar. Denn ob es sich bei einer Leiche, die am 27. Juni in der Spree auf Höhe des Treptower Parks gefunden wurde, um einen zwei Tage zuvor verschwundenen Schwimmer handelt, ist nach Auskunft der Berliner Polizei vom Montag weiter unklar.

Weißer See: 17- und 26-Jähriger starben offenbar durch Schlingpflanzen

Den beiden Toten im Weißen See wurden offensichtlich die Schlingpflanzen zum Verhängnis, vor denen der Bezirk Pankow am Ufer mit Schildern warnt. „In der Regel sterben Menschen dabei durch eine Panikreaktion“, sagt DLRG-Experte Holzhause. „Man erschrickt, wird panisch, kommt nicht los, gerät unter Wasser und ertrinkt.“ Um das zu vermeiden, solle man sich zum einen gedanklich darauf vorbereiten, dass es in Naturgewässern solche Pflanzen gibt. „Wenn man dann ruhig bleibt und sich auf den Rücken dreht, kann man sich in der Regel gut befreien.

Auch die Techniker Krankenkasse hat jüngste einige Tipps veröffentlicht, um Badeunfälle zu vermeiden. So sollte man nicht in unbekannte Gewässer springen, im Urlaub nur dort schwimmen gehen, wo auch Einheimische sind und vor allem die eigene Kraft nicht zu überschätzen. „Das Risiko bei Wasserströmungen, Brandung oder Riffen ist oft höher als gedacht“, heißt es. Experten warnen daher davor, insbesondere ungeübt und allein Flüsse durchschwimmen zu wollen.

Im vergangenen Jahr ertranken nach Zählungen der DLRG 299 in Deutschland – die meisten davon mit 60 in Bayern, die wenigsten mit zwei in Thüringen. Auch Berlin liegt über das gesamte Jahr mit acht Badetoten (2020: elf) ebenfalls im hinteren Feld. Dass es in diesem Jahr bis Anfang Juli bereits vier oder fünf sind, könnte darauf hindeuten, dass für die Hauptstadt bis Ende des Jahres höhere Zahlen zu erwarten sind.

Allgemeiner Fitnesszustanddurch die Corona-Pandemie geringer

Mit einen Grund dafür liegt laut Holzhause in der Corona-Pandemie. Die Menschen hätten sich währenddessen weniger bewegt, seien weniger fit. „Wer sonst im Winterhalbjahr schwimmen war, konnte dies nicht tun, da die Hallenbäder schlicht geschlossen hatten. Grundsätzlich gelte daher, lieber seine Bahnen im Uferbereich zu ziehen. „So kann einem bei einem Krampf schnell geholfen werden.“ Außerdem sollte man sich vorher abkühlen, um den Kreislauf nicht zu überfordern.