Tierseuche

Schweinepest-Fälle: Rund 1300 Tiere müssen sterben

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Restiktionszonen, Sperrgebiete, Schutzzäune, Biosicherheitsmaßnahmen: Seit über 20 Monaten versucht Brandenburg, die Tierseuche ASP einzudämmen. Fast schien es, als sei die Gefahr gebannt. Doch nun kommen schlechte Nachrichten aus dem Norden des Landes.

Potsdam (dpa/bb). Jetzt haben auch Landwirte im Norden Brandenburgs mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) zu kämpfen. Erstmals ist in der Uckermark in einem Haustierbestand die Tierseuche nachgewiesen worden. Betroffen ist laut Verbraucherschutzministerium in Potsdam ein Schweinemastbetrieb mit etwa 1300 Tieren. Das nationale Referenzlabor, das Friedrich-Loeffler Institut (FLI), habe den Verdacht auf ASP am Samstag bestätigt. Der Tierbestand sei sofort durch das zuständige Veterinäramt gesperrt und notwendige Maßnahmen eingeleitet worden. Die Tiere werden getötet und unschädlich beseitigt, wie das Ministerium am Samstag weiter mitteilte.

Der Amtstierarzt war am Samstagnachmittag bereits vor Ort und leitete entsprechende Maßnahmen ein. An diesem Montag werde der Krisenstab zusammenkommen und über weitere Maßnahmen wie etwa Sperrbereiche beraten, sagte die Sprecherin des Landkreises Uckermark, Ramona Neumann, am Sonntag auf Anfrage.

Jetzt müsse umgehend die Ursache für den Eintrag in die Schweinebestände gefunden werden, um den Weg des Virus nachvollziehen zu können, erklärte Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher (Grüne). Sie forderte alle schweinehaltenden Betriebe auf, die strengen Biosicherheitsmaßnahmen strikt einzuhalten, um weitere Ausbrüche in Hausschweinehaltungen zu verhindern.

Die Initiative Freie Bauern, Interessenvertretung bäuerlicher Familienbetriebe in Deutschland, forderte unterdessen ein anders Umgehen mit der Tierseuche. Riesige Steuergelder seien wegen der Stilllegung von Landwirtschaftsbetrieben in ASP-Restiktionszonen ausgegeben worden, sagte Sprecher Reinhard Jung aus der Prignitz der dpa am Sonntag. Aus der Natur einen keimfreien Raum zu machen, seien «Allmachtsphantasien». Besser sei die klassische Seuchenbekämpfung, die direkt bei den landwirtschaftlichen Betrieben ansetze.

«Das heisst: Der Betrieb wird gesäubert und nach einer bestimmten Frist darf wieder eingestellt werden. In dieser Zeit wird ein Radius um den Betrieb gezogen und die benachbarten Betriebe unter verschärfte Beobachtung gestellt», erklärte der 56-Jährige Landwirt. Es habe mehr Sinn, Zäune um Schweineställe zu bauen als einen Zaun quer durch Deutschland, den man alle paar Wochen verschieben müsse.

Im Landkreis Spree-Neiße war im September 2020 bundesweit der erste Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest beim Schwarzwild amtlich festgestellt worden. Mitte Juli des vergangenen Jahres hatte die Schweinepest erstmals in Deutschland auf Hausschweine in Nutzbeständen übergegriffen - wieder in Brandenburg. Labore hatten das Virus bei einem Bio-Betrieb mit 300 Tieren im Kreis Spree-Neiße sowie bei einem Kleinsthalter mit zwei Tieren in Märkisch-Oderland nachgewiesen. Sämtliche Tiere in den beiden Beständen wurden getötet.

Erstmals wurde die Tierseuche am Samstag auch in Niedersachsen nachgewiesen - in einem Betrieb im Emsland. In Brandenburg wurde bislang bei insgesamt 2564 Wildschweinen die Tierseuche festgestellt. Zunächst konzentrierte sich die Ausbreitung auf den Süden und Osten Brandenburgs, mittlerweile ist auch der Norden betroffen. Die Tierseuche ist eine schwere Virusinfektion - für Wild- und Hausschweine endet sie meist tödlich.