Pandemiefolgen

Betriebe kämpfen mit Saison- und Fachkräftemangel

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Von Christian Bark, dpa
Ein Mähdrescher erntet in Dahme Wintergerste (Luftaufnahme mit einer Drohne).

Ein Mähdrescher erntet in Dahme Wintergerste (Luftaufnahme mit einer Drohne).

Foto: Patrick Pleul/dpa/Symbolbild

Ob Landwirtschaft, Handel oder Gastronomie - Viele Branchen in Brandenburg finden immer weniger Personal. Der Fach- und Saisonkräftemangel ist oft eine direkte Folge der Corona-Krise und setzt den Betrieben nun nachträglich zu.

Potsdam (dpa/bb). Viele Branchen in Brandenburg leiden derzeit unter Saison- und Fachkräftemangel. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Neben der sinkenden Zahl an Fach- und Saisonkräften, sind auch steigende Lohnkosten ein Problem. «Viele Saisonkräfte haben die jüngste Mindestlohnsteigerung abgewartet, um dann mit dem höheren Mindestlohn den Arbeitseinstieg vorzunehmen», sagt etwa Andreas Jende, Geschäftsführer des Gartenbauverbands Berlin-Brandenburg. Aber auch der Wettbewerb mit anderen Branchen und anderen Bundesländern im Saisonkräftebereich nehme zu und wirke sich erschwerend aus.

«Grundsätzlich ist der Fachkräftemangel in der Branche zu spüren. Gerade im Bereich der Tierhaltung ist Nachwuchs schwieriger zu finden», beschreibt der Geschäftsführer des Landesbauernverbands, Denny Tumlirsch. Selbst für den Feldbau finde sich weniger Nachwuchs als noch vor zehn Jahren. Darüber hinaus fehlten massiv Fachkräfte für die Leitungsebenen.

Steigende Buchungszahlen und wachsende Beliebtheit des Inlandurlaubs geben dem Hotel- und Gastgewerbe im Land aktuell großen Auftrieb nach trüben Jahren der Corona-Krise. «Allein diesen Mai waren die Buchungszahlen zehn Prozent höher als im Mai 2019, sagt Olaf Lücke, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Brandenburg. Der wachsenden Nachfrage könnten aber immer weniger Betriebe entsprechen. «Mindestens 60 Prozent der Gastronomen suchen Personal», beschreibt er das Dilemma.

In der Corona-Krise seien vor allem Fachkräfte massiv in andere Branchen abgewandert. Aktuelle Diskussionen über folgende Corona-Maßnahmen verunsicherten zusätzlich. Die Anwerbung von Saisonkräften werde zunehmend schwieriger, weil etwa im Nachbarland Polen ebenfalls Personalmangel herrsche, schätzt Lücke ein. Ferienjobs seien nicht mehr so gefragt wie früher und auch ukrainische Flüchtlinge ließen sich nur schwer für die Arbeit begeistern. «Hinzu kommt, dass es der Branche nach wie vor nicht gut geht. Wir haben von Januar bis April dieses Jahres ein Auslastungsminus von zehn Prozent», so der Hauptgeschäftsführer der Dehoga.

Gut geht es im Handel vor allem den kleinen und mittleren Betrieben nicht, wie Phillip Haverkamp, Sprecher des Handelsverbands Berlin-Brandenburg (HBB), berichtet. «Eigenkapital wurde in der Corona-Krise aufgebraucht, da bleibt wenig für neue Fach- oder Saisonkräfte übrig.» Der Umsatz im April 2022 sei bundesweit im Einzelhandel um nominal 4,7 Prozent zum Vormonat gesunken. Der sowieso schon geschwächte Handel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren habe im Vergleich zum Vormonat 4,3 Prozent verloren.

«Die besonders von der Pandemie betroffenen Branchen, die auch jetzt im Zuge der Inflation und allgemeinen Unsicherheit wieder an Umsatz einbüßen wie etwa der Textilhandel, werden sich sicher bei allen Ausgaben schon aus rein wirtschaftlichen Gründen sehr genau überlegen müssen, was geht und was nicht geht», so Phillip Haverkamp. Das gelte auch für Saisonkräfte.

Gerade um die kleinen und mittleren Händler zu unterstützen, fordert der Handelsverband einen Investitionsbonus vom Staat. Migranten gegenüber sei die Branche sehr offen. Und auch Andreas Jende sagt: «Flüchtlinge aus der Ukraine können ein Teil der Lösung sein, jegliche Initiativen würden wir begrüßen.» Aufgrund der zahlreichen Verflechtungen des Gartenbaus etwa durch osteuropäische Saisonkräfte oder auch durch europaweite Handelsaktivitäten gebe es in der Branche eine insgesamt große Offenheit für Arbeitskräfte aus dem Ausland.