Kostenfalle

9-Euro-Ticket: BVG verkauft trotzdem teure Monatskarten

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Beatrix Fricke
Hier gilt das 9-Euro-Ticket nicht

Hier gilt das 9-Euro-Ticket nicht

Das 9-Euro-Ticket sorgt gerade für Ärger. Denn nicht in jedem Regionalzug gilt das Ticket. Das Video erklärt, wo das Ticket nicht gilt.

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Berliner müssen beim Ticketkauf am BVG-Automaten aufpassen. Der Verkauf "normaler" Tickets ist nicht deaktiviert.

Berlin. Sind die BVG-Automaten eine tückische Tariffalle? Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben im Juni an BVG-Fahrscheinautomaten Tausende teure Monatskarten und Tagestickets verkauft - obwohl das 9-Euro-Ticket-Angebot in den meisten Fällen deutlich günstiger ist. Zum Vergleich: Eine Monatskarte für den Tarifbereich AB kostet 86 Euro, für den Bereich ABC 107 Euro.

Insgesamt seien seit Anfang Juni Monatskarten "im mittleren vierstelligen Bereich" verkauft worden, so BVG-Sprecher Jannes Schwentu. "Tageskarten wurden im mittleren fünfstelligen Bereich verkauft." Dabei können auch sie kaum mit dem 9-Euro-Ticket konkurrieren: Für den Bereich AB sind im Regeltarif 8,80 Euro fällig. Für den Tarifbereich ABC kostet die 24-Stunden-Karte zehn Euro, also sogar mehr als das einen Monat lang gültige 9-Euro-Ticket, das seit Anfang Juni bundesweit für Regional- und Nahverkehr gilt. Zuerst hatte "T-Online" über die Ticketverkäufe am Automaten berichtet.

Wie viele Ticketkäufer unwissentlich in die Tariffalle getappt sind, ist der BVG nicht bekannt. Technisch sei es nicht möglich gewesen, den Verkauf der regulären Tickets zu deaktivieren, so der BVG-Sprecher. "Daher weisen wir auf der Startseite deutlich auf das Angebot hin", sagt er. Zudem werde das 9-Euro-Ticket massiv beworben, soll es doch die Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs aufzeigen.

9-Euro-Ticket: Schon fast 1,4 Millionen allein bei der BVG verkauft

Tatsächlich scheint es so gut wie unmöglich, nichts vom 9-Euro-Ticket mitzubekommen. Das Angebot ist derzeit in aller Munde - im positiven wie im negativen Sinn. Die Offerte ist unschlagbar günstig, sorgt aber immer wieder auch für überfüllte Züge und Ärger bei Ausflüglern und Berufspendlern.

Auch wird das 9-Euro-Ticket-Angebot rege genutzt: Allein die Berliner Verkehrsbetriebe haben bis einschließlich Montag fast 1,4 Millionen 9-Euro-Tickets verkauft, davon allein über 1,1 Millionen für den Monat Juni. Die rund 850.000 Abonnentinnen und Abonnenten der BVG müssen sich keine Gedanken über Tarifärger machen: Bei ihnen gilt das Abo automatisch auch als 9-Euro-Ticket.

"Die Verkäufe der regulären Tages- und Monatstickets im Juni sind hoch, aber in Relation zu diesen Zahlen dann doch eher gering", meint BVG-Sprecher Schwentu. Er weist zudem darauf hin, dass Tages- und Monatskarten im Vergleich zum 9-Euro-Ticket weitere Vorteile bieten. So sei das Monatsticket anders als das 9-Euro-Ticket übertragbar und berechtige zur Mitnahme weiterer Personen am Wochenende. Bei der Tageskarte sei die Mitnahme von bis zu drei Kindern zwischen sechs und 14 Jahren und sämtlichen Kindern unter sechs Jahren kostenfrei. Dies könnte in seinen Augen Ticketkäufer bewegen, "normale" Tickets statt 9-Euro-Tickets am Automaten zu lösen.

S-Bahn Berlin: Im Juni eine halbe Million 9-Euro-Tickets verkauft

Nicht nur die BVG, auch die S-Bahn Berlin vermeldet eine hohe Nachfrage nach dem 9-Euro-Ticket. Insgesamt habe die S-Bahn Berlin im Juni über ihre Verkaufsstellen und S-Bahn-Automaten im Stadtgebiet und im Umland eine halbe Million 9-Euro-Tickets verkauft, erklärte das Unternehmen am Donnerstag.

Die S-Bahn habe im Juni zudem deutlich mehr Fahrgäste befördert. „Der günstige Fahrpreis und die Einfachheit des Tickets machen den Nahverkehr in Berlin nachweislich noch attraktiver", sagte S-Bahn-Chef Peter Buchner. "Wir liegen mit 95 Prozent aktuell fast wieder auf dem Vor-Corona-Niveau. Gegenüber dem Mai ist die Nachfrage um zehn Prozentpunkte gestiegen."

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