Architektur

A104: Ideen für die Nachnutzung gesucht

| Lesedauer: 3 Minuten
Isabell Jürgens
Der Schinkel-Wettbewerb 2023  steht unter dem Motto:  „Stadt statt A 104“  und setzt sich mit den Möglichkeiten des Rückbaus des Autobahnstummels zwischen Wilmersdorf und Steglitz auseinander. Im Bild die Wohnmaschine Schlangenbader Straße über der A 104.

Der Schinkel-Wettbewerb 2023  steht unter dem Motto:  „Stadt statt A 104“  und setzt sich mit den Möglichkeiten des Rückbaus des Autobahnstummels zwischen Wilmersdorf und Steglitz auseinander. Im Bild die Wohnmaschine Schlangenbader Straße über der A 104.

Foto: Robert Patzschke

Der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg hat einen Wettbewerb zur Nachnutzung des Autobahnstunnels A104 ausgelobt.

Berlin.  Für den Abriss des drei Kilometer langen Autobahnstunnels A104 zwischen Konstanzer Straße und Neue Filandastraße hat sich der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg (AIV) bereits vor einem Jahr stark gemacht. Damals präsentierte der AIV erste Test-Entwürfe, die die städtebaulichen Chancen der durch den Abriss der A104 wiederzugewinnenden Stadtquartiere in Steglitz und Wilmersdorf verdeutlichten. Um der Forderung Nachdruck zu verleihen, macht der Verein nun die Nachnutzung zum Thema des renommierten Schinkel-Wettbewerbs. „Stadt statt A104" lautet die Aufgabenstellung für die Planer aller Disziplinen.

„Im kommenden Schinkel-Wettbewerb werden wir in den verschiedenen Fachsparten die Frage stellen, welche städtebaulichen, verkehrlichen, architektonischen, künstlerischen und landschaftsgestaltenden Chancen sich aus dem Rückbau der A104 ergeben“, erläutern Gesche Gerber und Ernst Wolf Abée, Vorsitzende des AIV-Schinkel-Ausschusses.

Wie wird der Umbau der autogerechten Stadt zur lebenswerten Stadt erfolgreich? Quartier104 statt Bundesautobahn 104? Welche Verkehrsdichte verträgt die klimagerechte Stadt der Zukunft, welche Einwohnerdichte braucht die Urbanität der Metropole, welche neuen Nutzungen benötigt die resiliente Stadt? Auf diese Fragen sollen die Nachwuchsplaner eine Antwort finden.

A104 - mehr zum Thema: Planer: Komplettabriss der A 104 für 6500 neue Wohnungen

A104: Teilstrecke der A100 ist ein relikt aus der Mauerzeit

Zu Mauerzeiten war die A104 als Teilstrecke der A100 am Knoten Wilmersdorf konzipiert worden – als kreuzungsfreie Verkehrsverbindung zwischen dem Hohenzollerndamm und der Schlossstraße in Steglitz. Sie sollte zudem den Anschluss an eine weitere Stadtautobahn, die A103, ermöglichen. Im Jahr 1974 wurde der erste Abschnitt zwischen Konstanzer und Mecklenburgischer Straße eröffnet, der letzte Abschnitt wurde 1980 fertiggestellt.

Die kreuzungsfreie, vierspurige Trasse endet jedoch bereits kurz hinter dem Breitenbachplatz, danach wird der Verkehr durch die dicht bebaute Schildhornstraße geführt. Nachdem die Schildhornstraße zur Tempo 30-Zone erklärt worden war, erfolgte 2006 die weitgehende Entwidmung der A104 als Bundesautobahn. Seitdem ist das Land Berlin verantwortlich für die Unterhaltung der Straßen- und Brückenbauwerke.

Allein auf der Fläche der ehemaligen Autobahntrasse – als öffentliches Straßenland im Landesbesitz – könnten nach den 2021 vom AIV vorgelegten Entwürfen 3000 Wohnungen entstehen. Auf angrenzenden Flächen, zumeist im Privatbesitz, wäre demnach Platz für weitere 3500 Wohnungen. Zudem würde Raum für attraktive Stadtplätze und Grünflächen entstehen.

Ausschreibungsunterlagen stehen ab September online

Der Ideen- und Förderwettbewerb richtet sich an junge Leute bis 35 Jahre aus den Bereichen Architektur, Bauingenieurwesen, Stadtplanung, Landschaftsarchitektur, Verkehrsplanung und Freie Kunst. Er zählt zu den bekanntesten und ältesten deutschen Nachwuchspreisen.

Insgesamt werden Preisgelder in Höhe von bis zu 30.000 Euro vergeben. Die Ausschreibungsunterlagen stehen allen Interessierten ab September online auf www.aiv-berlin-brandenburg.de zur Verfügung. Die Anmeldung erfolgt – ebenfalls ab September über den Kooperationspartner „Wettbewerbe aktuell“.