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A100: Klimaschützer stören erneut Berufsverkehr

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Eine Klimaschutz-Demonstrantin der Gruppe "Letzte Generation" sitzt an der Ausfahrt Halenseestraße der Stadtautobahn (Archivbild).

Eine Klimaschutz-Demonstrantin der Gruppe "Letzte Generation" sitzt an der Ausfahrt Halenseestraße der Stadtautobahn (Archivbild).

Foto: Paul Zinken/dpa

Klimaschützer der "Letzten Generation" errichteten auch am Donnerstag Blockaden in Berlin. Betroffen waren die A111, A100 und A113.

Berlin. Die Klimaschützer haben am Donnerstagmorgen den zweiten Tag in Folge an mehreren Stellen den Verkehr blockiert. Auf der A100 habe es am Morgen zunächst Beeinträchtigungen an den Ausfahrten Halensee und Sachsendamm gegeben, sagte eine Polizeisprecherin. Mehrere Menschen hätten sich auf der Fahrbahn festgeklebt.

Laut Verkehrsinformationszentrale (VIZ) waren mehrere Ein- und Ausfahrten auf den Stadtautobahnen A111, A100 und A113 betroffen. Es kam zu Staus. Richtung Neukölln mussten Autofahrer plus 40 Minuten Zeit einplanen. Mittlerweile können laut der Autobahnpolizei die Ein- und Ausfahrten der Anschlussstellen an den Stadtautobahnen wieder voll befahren werden. Auch die Staus hätten sich weitgehend abgebaut, twitterte die VIZ.

Die Gruppe "Letzte Generation" twitterte am Donnerstagmorgen: "A100 am 2. Tage in Folge zum Stillstand gebracht!" Zitiert wird in dem Tweet Henning Jeschke, Mit-Initiator der "Letzten Generation": „Was wir hier tun, geschieht aus Verzweiflung. Herrn Scholz muss klar sein, dass sein aktueller Kurs sowohl heute als auch in Zukunft Menschenleben kostet!" Die Initiative fordert von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), sich gegen Ölbohrungen in der Nordsee auszusprechen.

Klimaprotest in Berlin: Deutsche Polizeigewerkschaft fordert Verurteilungen

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DpolG) kritisierte am Donnerstag die Aktionen massiv und forderte ein schärferes Vorgehen gegen die Demonstrierenden. "Bislang hat das Land Berlin 55 Kostenbescheide verschickt. Und wann kommt es zu Verurteilungen?", so DPolG-Landeschef Bodo Pfalzgraf in einer Pressemitteilung. Die Kosten für das Ablösen einer Person vom Asphalt koste 241 Euro, sagt er mit Bezug auf Recherchen von rbb24.

"Mit den Blockaden verweigern sie auch Rettungsdiensten die Durchfahrt und gefährden Menschenleben. Das sind gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr und Nötigung, also Straftaten, die hart geahndet werden sollten", heißt es weiter. "So hehr das Ziel, so öffentlichkeitswirksam die Methoden, so eindeutig handelt es sich um Straftaten." Die Polizei Berlin habe bereits eine eigene Sonderermittlungsgruppe "EG Asphalt" gegründet, bei der schon im Februar mehr als 200 Verfahren liefen. Ein Dutzend lägen der Staatsanwaltschaft seitdem vor.

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Klimaschützer in Berlin: Polizei ermittelt wegen Nötigung

Die Klimaschützer waren bereits am Mittwoch auf der Autobahn A100 in Berlin aktiv. Insgesamt seien 43 Menschen daran beteiligt gewesen, hieß es von der Polizei Berlin. Gegen sie werde nun wegen Nötigung ermittelt. Zu Berichten der Initiative, wonach ein Demonstrant einen Fußtritt gegen den Kopf bekommen habe, lagen der Polizei zunächst keine Erkenntnisse vor.

Am Mittwoch blockierten die Demonstrierenden mehrere Ausfahrten an der Autobahn A100. Betroffen waren laut Polizei Berlin die Ausfahrt Beusselstraße in Richtung Nord, die Ausfahrt Seestraße in Richtung Nord sowie der Autobahnabschnitt zwischen Jakob-Kaiser-Platz und Beusselstraße in Höhe Goerderlersteg.

Die A100 war in Richtung Seestraße ab dem Autobahndreieck Charlottenburg gesperrt, meldete die Verkehrsinformationszentrale (VIZ). Durch die Sperrung der A100 in Richtung Wedding baute sich im Berufsverkehr ab dem Autobahndreieick Charlottenburg ein Stau von + 20 Minuten auf, so die VIZ. Wegen der Blockade musste die Buslinie 106 in Richtung U Seestraße eine Umleitung fahren.

Letzte Generation fordert Erklärung von Kanzler Olaf Scholz

In einer Pressemitteilung erklärte die "Letzte Generation" die Ziele der Spontan-Aktion am Mittwoch. "Diesmal blockieren die Bürgerinnen und Bürger direkt auf der A100, um auf die Lebensbedrohlichkeit der Klimakrise aufmerksam zu machen", hieß es dort. "Außerdem haben sie Banner mit der Aufschrift 'Nordsee Öl? Nö!’ und ‘Öl sparen statt bohren' über der Autobahn gehisst. Sie forderten von Olaf Scholz eine Erklärung, in der er neue Ölbohrungen in der Nordsee ausschließt."

In einem Tweet hieß es: "Wer jetzt Kanzler ist, muss Klimakanzler sein! Wo sind Sie, Herr @Bundeskanzler?"

In einem weiteren Tweet erklärten die Klimaschützer: "Wir machen so lange weiter, bis @OlafScholz erklärt, dass es keine neuen Ölbohrungen in der Nordsee geben wird. Wir nehmen es nicht länger hin, dass unsere Bundesregierung weiterhin die Lebensgrundlagen unserer Kinder und Enkelkinder zerstört."

Klimaschützer seit Tagen in Berlin aktiv

Am Montag hatten aus Protest gegen den G7-Gipfel im bayerischen Elmau etwa 80 Klimaschützer Eingänge und Zufahrten des Bundesfinanzministeriums in Berlin blockiert. Demonstranten der Gruppe Extinction Rebellion klebten sich am Montagmorgen an der Straße oder an Toren zum Innenhof des Gebäudes fest. Die Polizei löste sie von der Straße und trug sie zur Seite, wie eine Sprecherin sagte. Es gab vorläufige Festnahmen.

In der vergangenen Woche hatten Demonstranten der Klimaschutz-Gruppe "Letzte Generation" an mehreren Tagen im Berufsverkehr Berliner Autobahnausfahrten blockiert. Dutzende Demonstranten wurden in den vergangenen Tagen von der Polizei vorläufig festgenommen und wieder freigelassen. Auch im Januar und Februar hatte es zahlreiche Autobahnblockaden gegeben.

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( bea/dpa )