Trickbetrüger

So schützen Sie sich vor Taschendiebstahl

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Häufige Masche von Taschendieben: Während ein Täter das Opfer ablenkt, nutzt der zweite von hinten die Gelegenheit (Symbolbild).

Häufige Masche von Taschendieben: Während ein Täter das Opfer ablenkt, nutzt der zweite von hinten die Gelegenheit (Symbolbild).

Foto: Kai Kitschenberg

Taschendiebe nutzen das Gedränge vor allem an Bahnhöfen und die Arglosigkeit ihrer Opfer. So schützt man sich am besten vor ihnen.

Berlin. Während die Corona-Pandemie das öffentliche Leben in Berlin zum Stillstand brachte, hatten auch Taschendiebe kaum Gelegenheit, ihrem kriminellen Handwerk nachzugehen. Mittlerweile bieten sich aber wieder genug Gelegenheiten. Insgesamt 5669 Fälle von Taschendiebstahl hat die Berliner Polizei hat die Berliner Polizei in den ersten fünf Monaten des Jahres erfasst.

„Es bewegt sich fast wieder auf dem Niveau von vor Corona“, sagt Daniela Pfaender. Die Polizeihauptkommissarin aus dem Bereich der Kriminalitätsprävention ist daher gemeinsam mit Kollegen auch der Bundespolizei, der BVG und der Deutschen Bahn an Berlins Bahnhöfen unterwegs, um Reisenden Tipps zum Schutz vor Taschendieben zu geben. Das können Sie tun:

Wie schützt man sich vor Taschendieben?

Grundsätzlich sollte man an Bargeld und Wertsachen nur das Notwendigste mitnehmen und das eng am Körper. „Einfach in dem Bereich, wo man Zugriff darauf hat, man die Hand drauf haben kann und wo sie nicht sichtbar sind – bestenfalls in einer verschließbaren, mit einem Reißverschluss geschützten Tasche“, sagt Pfaender. Dazu würden sich etwa Umhängetaschen empfehlen, die man unter der Kleidung tragen kann.

Das Portemonnaie in der Gesäßtasche sei im Getümmel eher eine schlechte Idee. Und auch Rucksäcke empfehlen sich eher nicht – es sei denn, sie haben auf der verdeckten Seite extra verschließbare Fächer oder man trägt sie vorne. Außerdem sollte man sein Gepäck nie unbeobachtet stehen lassen und vor allem vorsichtig sein, wenn man Bargeld abhebt.

Wo schlagen Taschendiebe besonders zu?

Neben Großveranstaltungen wie Konzerte, Einkaufsstraßen oder die Touristenhotspots rund um das Brandenburger Tor, die East Side Gallery oder der City West. Taschendiebe gehen außerdem gezielt auch in Berlins Bahnhöfe und die öffentlichen Verkehrsmittel – vor allem beim Ein- und Ausstieg. „Wenn man eh dicht zusammen ist und gerempelt wird, fällt es am wenigsten auf“, sagt Pfaender. Gerade jetzt zum Beginn der Ferienzeit und vor dem Hintergrund, dass die Züge dank des Neun-Euro-Tickets derzeit eh recht voll sind.

Welche Tricks haben Taschendiebe?

„Taschendiebe sind sehr geschickte Menschen“, sagt Polizistin Pfaender. Greifen sie auf der vollen Rolltreppe etwa das Telefon oder Portemonnaie aus der Gesäßtasche, bekommt das Opfer das kaum mit. Dünne Taschen wie Turn- oder Jutebeuteln, die in der Regel nur ein Fach haben, werden gern auch mit einem Messer einfach aufgeschlitzt.

Die Täter gehen oft in Gruppen vor, wobei einer das Opfer ablenkt. „So werden etwa Stadtpläne vorgehalten und nach dem Weg gefragt oder darum gebeten, Geld zu wechseln“, so Pfaender weiter. Opfer werden auch unter dem Vorwand, Spenden zu sammeln, abgelenkt, während außerhalb ihres Blickfelds jemand zuschlägt.

Die Polizei beobachtete auf Bahnhöfen außerdem zuletzt eine neue Masche: Die Täter helfen älteren Menschen vermeintlich dabei, ihr Gepäck einzuschließen, sorgen dabei aber dafür, dass das Schließfach nicht richtig verschlossen wird. Außerdem gaben sich Täter in den vergangenen Jahren als Polizisten aus und sprachen Touristen an, von denen sie vermeintlich Falschgeld einziehen wollten.

Wer sind die Taschendiebe?

Ein wesentlicher Teil sind, wie auch bei anderen Eigentumsdelikten, die sogenannten reisenden Tatverdächtigen. Dabei handelt es sich um Personen, die keinen festen Wohnsitz in Deutschland haben und lediglich herkommen, um Straftaten zu begehen. Es gibt aber auch Banden, die gewerbsmäßig agieren und Nachwuchs ausbilden. „Es gibt einige, die sich ihren Lebensunterhalt damit finanzieren“, sagt Pfaender.

Was sollte ich tun, wenn ich bestohlen wurde?

Viele Opfer sehen von einer Anzeige ab, da sie in der Regel eh nicht zur Ergreifung des Täters führt. Von den 2021 insgesamt 13.700 erfassten Taschendiebstählen wurden mit 957 Fällen lediglich sieben Prozent aufgeklärt. PHK Pfaender rät trotzdem zur Anzeige – nicht nur für die Statistik. „Für uns ist es aber immer wichtig, von Straftaten zu erfahren, weil wir nur so dagegen handeln können.“ Sollten sich etwa in bestimmten Gebieten Fälle häufen, würden dort Zivilstreifen tätig werden.

Außerdem sollte man EC- und Kreditkarten sofort sperren. Möglich ist das auch unter der Telefonnummer 116 116. Das elektronische oder SEPA-Lastschriftverfahren, für dass nur eine Unterschrift und keine PIN nötig ist, lässt sich darüber jedoch nicht sperren. Das geht nur nachdem der Verlust der Polizei gemeldet wurde.

Auch die elektronischen Funktionen des Ausweises sollte man über das Bürgeramt sperren, kann sich aber mit der Beantragung eines neuen etwas Zeit lassen. „Erfahrungsgemäß tauchen Ausweisdokumente, die Diebe nicht gebrauchen können, wieder auf“, sagt Pfaender. Bis man in Berlin einen Termin beim Bürgeramt hat, dauere es aber eh lang.