Berliner Wirtschaft

Sebastian Stietzel ist neuer Präsident der Berliner IHK

| Lesedauer: 5 Minuten
Sebastian Stietzel ist der neue Präsident der Berliner Industrie- und Handelskammer. Er setzte sich bei der Wahl am Dienstagabend gegen die Unternehmerin Barabara Jaeschke durch.

Sebastian Stietzel ist der neue Präsident der Berliner Industrie- und Handelskammer. Er setzte sich bei der Wahl am Dienstagabend gegen die Unternehmerin Barabara Jaeschke durch.

Foto: Privat

Die Vollversammlung der Berliner Kammer wählte den Unternehmer Sebastian Stietzel in das Ehrenamt.

Berlin. Der Beteiligungsunternehmer Sebastian Stietzel (42) ist neuer Präsident der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK). Stietzel wurde am Dienstagabend von der 99-köpfigen Vollversammlung der Kammer in einer geheimen Abstimmung in das Ehrenamt gewählt. Stietzel erhielt 62 Stimmen, auf seine Gegenkandidatin Barbara Jaeschke (67) entfielen 27, drei Mitglieder der Vollversammlung enthielten sich. Der erste öffentliche Auftritt des neuen IHK-Oberhauptes wird noch am Abend auf dem Sommerfest der Kammer erwartet. Zu der Veranstaltung sind rund 2000 Gäste geladen.

„Ich danke der Vollversammlung für ihr Vertrauen und meiner Mitbewerberin für den fairen Wahlkampf. Ich freue mich darauf, gemeinsam mit einem starken Präsidiumsteam die Berliner Wirtschaft vertreten zu dürfen und den Erneuerungskurs der IHK fortsetzen zu können“, sagte Stietzel nach seiner Wahl laut Mitteilung der Kammer.

Neu-Präsident Stietzel gründete mit 16 Jahren sein erstes Unternehmen

Stietzel ist seit mehr als 20 Jahren bei der Berliner IHK engagiert und hat eigenen Angaben zufolge im Alter von 16 Jahren sein erstes Unternehmen gegründet: Einen Computerservice in seiner Heimatstadt Neustrelitz (Mecklenburg-Vorpommern). Seit 1999 lebt und arbeitet er in Berlin. Derzeit ist der 42 Jahre alte Stietzel Geschäftsführer zweier Beteiligungsgesellschaften. Er war zuvor als Vize bereits Teil des IHK-Präsidiums um Daniel-Jan Girl, der den Einzug in die neue Vollversammlung nicht mehr schaffte und daher auch nicht erneut als Präsident kandidieren konnte.

Gegenkandidatin Barbara Jaeschke, Gründerin und Geschäftsführerin der GLS Sprachenschule und des Hotels Oderberger in Prenzlauer Berg, gratulierte Stietzel zu seiner Wahl. Sie werde die Kammer auch weiterhin unterstützen. Jaeschke hatte vor der Abstimmung am Dienstagabend für einen kleineren Fauxpas gesorgt: Für gewöhnlich lassen sich die Kandidaten von einem Unterstützer zur Wahl vorschlagen. Jaeschke allerdings hatte das versäumt. Daraufhin schlug sie sich kurzerhand selbst vor. Beide Kandidaten sprachen daraufhin vor der Vollversammlung vor.

Die neue Vollversammlung ist paritätischer besetzt, die Wahlbeteiligung sank allerdings

Die im Mai neu gewählte 99-köpfige Vollversammlung der Kammer ist erstmal fast paritätisch besetzt, das Geschlechterverhältnis zwischen Frauen und Männern ist also nahezu gleich. Fast zwei Drittel der neuen Mitglieder des Kammer-Gremiums sind zudem zum ersten Mal dabei. Die Beteiligung bei der Wahl zur Vollversammlung war allerdings gesunken: Nur 6,33 Prozent der Mitglieder hatten votiert. Bei der vorherigen Abstimmung im Jahr 2017 lag die Wahlbeteiligung noch bei 8,9 Prozent. Damals hatten gut 22.000 Unternehmer abgestimmt.

Kritiker hatten in den vergangenen Jahren auch immer wieder moniert, dass das Ehrenamt der Kammer kaum noch die Realitäten in der Berliner Wirtschaft abbilde. Nicht nur die Digitalwirtschaft sei unterrepräsentiert, auch viele zuletzt gewachsene Start-ups könnten kaum für die wichtige Arbeit der Kammer begeistert werden. Vertreter der neuen Dax-Konzerne Delivery Hero, Zalando und Hellofresh sind nach wie vor nicht Teil des IHK-Ehrenamts.

In den letzten acht Monaten war Digital-Unternehmer Daniel-Jan Girl Berlins IHK-Präsident

Die Industrie- und Handelskammer gilt als wichtigste Interessenvertretung der Berliner Wirtschaft. Der Präsidentin oder dem Präsidenten kommt als höchstem Ehrenamt eine besondere Bedeutung zu. Sie oder er gilt als Sprachrohr für die Unternehmen und soll mit der Bundes- aber vor allem der Landespolitik auf Augenhöhe kommunizieren und sich für die Interessen der Hauptstadt-Wirtschaft stark machen. Vor allem die Themen Digitalisierung der Verwaltung, Wohnungsneubau und Ausbildung standen in den vergangenen Jahren im Fokus der Kammer.

Digitalunternehmer Daniel-Jan Girl, der als Präsident zuletzt die Berliner IHK öffentlich vertreten hatte, war vor acht Monaten als Nachfolger der Filmproduzentin Beatrice Kramm gewählt worden. Kramm hatte das Amt seit 2016 inne und war vor dem Ende ihrer eigentlichen Amtszeit zurückgetreten. Die gebürtige Duisburgerin Kramm war die erste Frau in Berlin die dieses IHK-Ehrenamt bekleidete. Langjährige Präsidenten von Berlins Industrie- und Handelskammer waren zuvor unter anderem der Chef des Entsorgungsunternehmen Alba, Eric Schweitzer, und der Inhaber der Unternehmensgruppe Gegenbauer, Werner Gegenbauer.

Berlins IHK ist mit Blick auf die Zahl der Mitgliedsfirmen die zweitgrößte Kammer Deutschlands

Mit rund 300.000 Mitgliedsunternehmen zählt die Berliner IHK zu den größten Kammern in Deutschland. Hauptgeschäftsführer ist seit 2003 der Jurist Jan Eder. Die IHK beschäftigt rund 300 hauptamtliche Mitarbeiter. Der Hauptsitz der Kammer ist das Ludwig-Erhard-Haus an der Fasanenstraße in Wilmersdorf. Das markante Gebäude – im Volksmund „Gürteltier“ genannt – hatte die IHK 2018 für 26,5 Millionen Euro von einem Immobilienfonds zurückgekauft. Seitdem ist die Kammer wieder alleiniger Besitzer und sparte sich so eigenen Angaben zufolge jährliche Leasinggebühren in Höhe von rund 7,3 Millionen Euro.

Die Mitgliedsbeiträge für die Unternehmen hatten daraufhin um 20 Prozent gesenkt werden können. Die Höhe der Kosten für die verpflichtende IHK-Mitgliedschaft ist abhängig von der Größe des Unternehmens. Eine im Handelsregister eingetragenen Firma zahlt in jedem Fall den Grundbetrag von 64 Euro im Jahr. Der Mindestbeitrag kann auf bis zu 10.240 Euro für ein Großunternehmen mit mehr als 40 Millionen Euro Jahresumsatz steigen. Hinzu kommt eine Umlage. Diese lag im Jahr 2020 bei 0,17 Prozent des Gewinns des jeweiligen Unternehmens.