Neuer Treffpunkt

Ein Zentrum für die Schwarzen Communities

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Joachim Fahrun
Der Etat für Vielfalt ist bei Senatorin Lena Kreck angesiedelt.

Der Etat für Vielfalt ist bei Senatorin Lena Kreck angesiedelt.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Berlin kauft eine Immobilie in Wedding, wo sich schwarze Deutsche, Menschen aus Afrika oder mit afrikanischen Wurzeln treffen können.

Berlin. Der Berliner Senat wird den Aufbau eines festen Zentrums für die Schwarzen Communities in der Stadt finanziell unterstützen. 3,65 Millionen Euro hat die Koalition aus SPD, Grünen und Linken im neuen Doppelhaushalt dafür vorgesehen. Das Geld soll verwendet werden, um eine Immobilie in Wedding zu erwerben, wo sich schwarze Deutsche, Menschen aus Afrika oder mit afrikanischen Wurzeln treffen und Unterstützung erhalten können.

Der Betrag ist einer der größten Einzelposten im von der Koalition deutlich aufgestockten Etat für Vielfalt, der bei der Senatorin Lena Kreck angesiedelt ist, die für Justiz, Vielfalt und Antidiskriminierung zuständig ist: „Ich begrüße, dass die Schwarzen Communities in Berlin ein eigenes Zentrum erhalten“, sagte die Linken-Politikerin der Morgenpost.

Träger des Projektes ist der Verein „each one teach one“ (zu deutsch etwa: jeder bringt jedem etwas bei“), abgekürzt EOTO, mit Sitz an der Togostraße im Afrikanischen Viertel. In Aussicht steht nach Angaben des Vereins ein europaweit strahlender Leuchtturm für die schwarze Zivilgesellschaft. Der Verein versteht sich als Plattform für „Empowerment“, also die Ermächtigung schwarzer Menschen, ihre politischen Forderungen zu artikulieren, sich gegen Rassismus zu wehren und ihre Kulturen zu leben und wieder zu entdecken. EOTO ist freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe und befindet sich im Anerkennungsverfahren als freier Träger der politischen Bildung.

Der Verein begann 2014 mit einer ehrenamtlich geführten Kiezbibliothek mit 1500 Büchern von Autoren afrikanischer Herkunft. Inzwischen beschäftigt EOTO nach eigenen Angaben 27 Menschen, verwaltet ein Jahresbudget von fast zwei Millionen Euro und gilt als wichtigste Anlaufstelle der Schwarzen Communities.

Um die Arbeit langfristig abzusichern ist nun geplant, die Remise im Hinterhof der Togoer Straße 76 als Community Zentrum herzurichten und dann mit weiteren Teilen des Gebäudes zu erwerben. Dort könnten Initiativen Räume bekommen, Gastwissenschaftlerinnen arbeiten, Kultur stattfinden, eine Großküche könnte für den Kiez kochen und von Schwarzen betriebene Unternehmen einziehen. Käufer wird nach den vorliegenden Plänen die gemeinnützige Gesellschaft für Stadterneuerung GSE.

Der Landeszuschuss von 3,65 Millionen Euro schließt nach Angaben von EOTO die Finanzierungslücke für das auf gut neun Millionen Euro angelegte Projekt. Der Rest kommt als Darlehen von der genossenschaftlichen GLS-Bank, einem Zuschuss und einem zinslosen Kredit der Lotto-Stiftung und fast 200.000 Euro Eigenanteil. 900 Quadratmeter sind noch zu vermieten und werden zu Preisen zwischen 14 und 18 Euro an Gewerbetreibende aus den Schwarzen Communities vergeben.