Neubau

Veränderte Planung: Gertraudenbrücke wird schmaler

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Die Neue Gertraudenbrücke in Berlin-Mitte muss erneuert werden. In Zukunft soll sie schmaler werden.

Die Neue Gertraudenbrücke in Berlin-Mitte muss erneuert werden. In Zukunft soll sie schmaler werden.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Die Verkehrsverwaltung hat ihre Pläne für die Neue Gertraudenbrücke in Mitte überarbeitet. Auch die Mühlendammbrücke wird verschlankt.

Berlin. Mit der Neuen Gertraudenbrücke und der Mühlendammbrücke müssen in den nächsten Jahren zwei zentrale Bauwerke in Berlin abgerissen und neu gebaut werden. Die bisherigen Pläne dafür stießen allerdings nicht nur auf Unterstützung. Vor allem von Anwohnerinitiativen und aus dem Bezirk Mitte gab es Kritik daran, dass die Dimensionen der Überquerungen ähnlich wie heute bleiben sollten. Die Senatsmobilitätsverwaltung hat die Pläne nun aber noch einmal überarbeitet – mit dem Ergebnis, dass beide Brücken künftig schmaler werden als bisher angedacht.

Um knapp fünf Meter soll sich die Breite der Neuen Gertraudenbrücke im Vergleich zum heutigen Bauwerk reduzieren, sie liegt damit bei gut 29 statt wie bisher rund 34 Metern. Bei der Mühlendammbrücke wird der Querschnitt sogar neun Meter schmaler, er soll künftig noch gut 36 Meter betragen. Für das Bauwerk hatte es im vergangenen Jahr bereits einen Realisierungswettbewerb gegeben, der Siegerentwurf sah eine Breite von rund 41 Metern vor. Wie Mobilitätssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) sagte, habe der Wettbewerbssieger die Verschmälerung aber begrüßt. Die Politikerin betonte zudem: Durch die geringere Breite spare man „nicht nur Asphalt und Beton. Es spart uns auch Geld und kommt dem künftigen Gesicht der historischen Mitte zugute“.

Die beiden Brücken durchs Stadtzentrum sind vielbefahren, mehr als 60.000 Fahrzeuge werden dort pro Tag in beide Richtungen gezählt. Damit hatte die Senatsverwaltung in der Vergangenheit auch begründet, dass die Breiten nicht oder nur wenig reduziert werden können. Dass das nun doch möglich ist, erklärt sich durch eine veränderte Verkehrsführung: Bislang sollte die Trasse in der Mitte der Brücken, auf der künftig Straßenbahnen fahren sollen, bis zur Inbetriebnahme der Tramstrecke zwischen Alexanderplatz und Kulturforum/Potsdamer Platz frei gehalten werden. Nun ist angedacht, dass die Fläche zunächst für zwei Pkw-Spuren genutzt wird – das spart Platz. Hinzu kommt pro Richtung ein weiterer Fahrstreifen für den sogenannten motorisierten Individualverkehr sowie eine Busspur.

Von Anfang an geschützter Radfahrstreifen

Möglich wird durch die geänderte Planung auch, von Beginn an einen geschützten Radfahrstreifen zu schaffen. Bislang sollte es, zumindest in einer ersten Phase, eine gemeinsame Spur für Busse und Radfahrer geben. Bei der Neuen Gertraudenbrücke gibt es die Besonderheit, dass nur Richtung Alexanderplatz Rad- und Fußweg über das neue Bauwerk verlaufen. Fußgänger und Radfahrer, die Richtung Potsdamer Platz unterwegs sind, sollen dafür die benachbarte historische Gertraudenbrücke nutzen, die erhalten bleibt und saniert wird.

Mit der Zeit soll sich – wie bislang bereits geplant – der Querschnitt der Brücken verändern. So fallen die Busspuren weg, wenn die Straßenbahn fährt, zunächst kann es damit bei zwei Fahrstreifen pro Richtung für Pkw bleiben. Längerfristig, wenn sich wie von der Senatsverwaltung im Sinne der Verkehrswende angestrebt, die Zahl der Autos reduziert, soll es nur noch eine Spur pro Richtung geben. Der frei werdende Raum soll dann anders genutzt werden. Bei der Neuen Gertraudenbrücke ist auch denkbar, dass sich die Breite weiter reduziert, in dem zunächst mit einem später wieder abnehmbaren Teil gearbeitet wird. „Der Querschnitt der Zukunft ist ausdrücklich offen“, sagte Lutz Adam, Abteilungsleiter Tiefbau. Ein Realisierungswettbewerb für das Bauwerk steht noch aus. In diesem soll auch eine Neugestaltung des angrenzenden Spittelmarkts betrachtet werden.

Trotz der Verschlankung der Bauwerke sind aber noch nicht alle Kritiker restlos überzeugt. „Es ist zwar löblich, dass die Brücken etwas schmaler werden, aber das ändert nichts daran, dass es weiterhin eine Verkehrsschneise durch die Innenstadt gibt“, sagte Hendrik Blaukat von der Interessengemeinschaft (IG) Leipziger Straße. Gerade bei der Neuen Gertraudenbrücke hatte die IG darauf gesetzt, dass mehr Verkehr über die historische Brücke abgewickelt werden kann, der Neubau damit deutlich reduziert wird. Blaukat setzt nun darauf, dass die Zivilgesellschaft in die Auslobung des Wettbewerbs einbezogen wird. „Die Wettbewerbsbeschreibung muss echte Innovationen möglichen machen und den gesamten Bereich umfassen, um zu einer stadtverträglichen Lösung zu kommen“, sagte er.

Besonders kritisch ist der Zustand der Mühlendammbrücke

Lob für die geänderten Pläne gibt es von der FDP. „Die neuen Brücken passen besser ins Stadtbild der historischen Mitte Berlins – bei ausreichend hoher Verkehrskapazität. Das ist ein Fortschritt im Vergleich zu den überdimensionierten Plänen der damaligen Senatorin Regine Günther“, sagte der verkehrspolitische Sprecher der Fraktion im Abgeordnetenhaus, Felix Reifschneider. Zugleich forderte der FDP-Politiker, dass, mit Blick auf den schlechten Zustand der beiden Brücken, die Planungen nun mit Tempo vorangetrieben werden müssten.

Tatsächlich ist, wie Tiefbau-Abteilungsleiter Adam sagte, vor allem der Zustand der Mühlendammbrücke kritisch. Die maximale Belastung musste dort bereits reduziert werden, um eine Sperrung zu verhindern. Zudem wird die Brücke mithilfe eines optischen und akustischen Warnsystems überwacht. „Sie muss möglichst schnell rückgebaut werden“, so Adam. Nach jetzigem Stand soll spätestens 2024, idealerweise schon Ende 2023 mit dem Abriss begonnen werden. Eine überarbeitete Visualisierung des Neubaus und eine detailliertere Kostenschätzung sollen Ende August vorliegen. Für beide Brücken ist eine rund vierjährige Bauphase ohne Vollsperrung vorgesehen. Fertig werden sollen sie demnach im Jahr 2028.