Nahverkehr

Auf der Stammbahn sollen künftig Regionalzüge fahren

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Jessica Hanack
Mit der Stammbahn entsteht zwischen Potsdam und Berlin eine neue Regionalbahn-Verbindung.

Mit der Stammbahn entsteht zwischen Potsdam und Berlin eine neue Regionalbahn-Verbindung.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Für die Reaktivierung der Stammbahn zwischen Berlin und Potsdam ist eine Entscheidung gefallen. Im Norden wird die S-Bahn ausgebaut.

Berlin.  Die Frage, welche Art von Zügen künftig einmal auf der Potsdamer Stammbahn fahren soll, schwebte seit Jahren über dem Vorhaben – und bremste ein Vorankommen der Reaktivierung. Nun haben sich die Länder Berlin und Brandenburg geeinigt, die Wahl fiel auf die Regionalbahn. Berlin hatte lange für eine S-Bahn-Lösung geworben, die eine dichtere Erschließung mit mehr Haltepunkten ermöglicht hätte. „Am Ende haben jedoch die Argumente für die Regionalbahn-Alternative überwogen, vor allem geht es dabei um die „überregionale Wirkung“, wie Berlins Mobilitätssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) und Brandenburgs Verkehrsminister Guido Beermann (CDU) am Montag erklärten.

„Die Regionalbahn-Lösung wird am Ende den Deutschlandtakt möglich machen und den Bahn-Knoten Berlin stärken“, sagte Jarasch. Ziel des Deutschlandtakts ist es, die Zahl der Fahrgäste im Schienenverkehr bis 2030 gegenüber dem Wert von 2019 zu verdoppeln, unter anderem durch dichtere Takte.

Die Potsdamer Stammbahn gehört zu den Bahnstrecken, die im Rahmen des Infrastrukturprojekts i2030 von den beiden Ländern, der Deutschen Bahn und dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) reaktiviert und ausgebaut werden sollen. Die Strecke führt von Potsdam unter anderem über Griebnitzsee, Europarc-Dreilinden und Düppel-Kleinmachnow in Richtung Berliner Zentrum.

Dabei sind in der Hauptstadt zwei Streckenführungen angedacht: Zum einen geht es durch den Nord-Süd-Tunnel zum Potsdamer Platz, allerdings gilt der Tunnel schon heute als überlastet. Deshalb soll nur ein Teil der Züge auf dieser Strecke fahren, erklärte Senatorin Jarasch. „Einen Teil wollen wir auch über den Berliner Südring führen.“ Auf diesem Weg ginge es dann über den Bahnhof Südkreuz zum Ostkreuz.

Stammbahn: Pro Stunde und Richtung sind vier Fahrten angedacht

Insgesamt sollen pro Richtung vier Regionalbahnen pro Stunde fahren, dafür ist ein zweigleisiger Ausbau nötig. Dabei könnten auch in Berlin mehrere Stationen, an denen bislang nur S-Bahnen halten, für den Regionalverkehr ausgebaut werden. Dazu zählen auf der Strecke in Richtung Potsdamer Platz die S-Bahnhöfe Zehlendorf, Rathaus Steglitz und Schöneberg. Auf der anderen Route wären außer am Südkreuz Halte in Neukölln oder an der Herrmannstraße denkbar. Dafür muss die Strecke zwischen Schöneberg und Treptow ebenfalls elektrifiziert und zweigleisig ausgebaut werden.

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Mit ihrer Entscheidung für den Ausbau des Regionalverkehrs in dem Bereich würden die beiden Länder zu einem resilienten Bahnknoten in Berlin beitragen, so Jarasch. „Wir erwarten im Gegenzug, dass auch der Bund als Investor einsteigt.“ Das gehe über Fördermittel hinaus und betreffe etwa die Digitalisierung der Strecken, um mehr Verkehr zu ermöglichen. Das Thema soll auch auf dem geplanten „Bahngipfel“ am 3. Juni noch einmal besprochen werden.

S-Bahn soll im Zehn-Minuten-Takt nach Hennigsdorf fahren

Auch für eine weitere Strecke haben Berlin und Brandenburg nun Entscheidungen getroffen. Dabei geht es um die Korridor des Prignitz-Expresses zwischen Gesundbrunnen und Neuruppin. Als erstes Teilprojekt soll dort der Abschnitt zwischen Velten und Neuruppin bis 2026 ausgebaut werden, um dann die Fahrt von zwei Regionalzügen pro Stunde und Richtung zwischen Hennigsdorf und Neuruppin zu ermöglichen. Weiterhin soll der Takt auf der S-Bahnlinie S25 zwischen Schönholz und Hennigsdorf auf einen Zehn-Minuten-Rhythmus verdichtet werden, wovon auch die Ortsteile Tegel und Heiligensee sowie das Gewerbegebiet Urban Tech Republic profitieren sollen. Ein neuer Haltepunkt ist in Borsigwalde geplant, ebenso eine spätere Weiterführung der S-Bahn bis nach Velten.

Die Regionalbahn wird allerdings in dem Korridor weiter über den Berliner Außenring führen und damit einen gewissen Umweg nehmen. Eine Direktführung parallel zur S-Bahn-Strecke hatte sich als kompliziert und zu teuer herausgestellt, hieß es. „Auf dem Korridor des Prignitz-Express’ haben wir eine Lösung gefunden, die kostengünstiger und damit umsetzbar ist“, sagte Beermann. Für das Umland und den Berliner Norden werde sich die Schienenanbindung verbessern.

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Etwas Geduld ist dabei allerdings noch gefragt: Der Zehn-Minuten-Takt der S-Bahn nach Hennigsdorf wird voraussichtlich erst gegen Mitte der 2030er-Jahre kommen. Ähnlich sieht es bei der Aufnahme des Verkehrs auf der Stammbahn aus. Dort wird mit der zweiten Hälfte der 2030er-Jahre kalkuliert.

Der Fahrgastverband Igeb zeigte sich erleichtert darüber, dass die Entscheidung zur Stammbahn getroffen wurde. „Eine klare Ansage zur Stammbahn war überfällig“, sagte Sprecher Jens Wieseke. „Wir erwarten durch die Regionalbahn-Verbindung eine große Entlastung in den 2030er-Jahren.“ Wenngleich der Verband auch gern die direkte Verbindung für den Prignitz-Express nach Gesundbrunnen gesehen hätte, nannte Wieseke den geplanten Zehn-Minuten-Takt der S-Bahn und die perspektivische Verlängerung nach Velten einen „Schritt in die richtige Richtung.“