Widerstand gegen Putin

Ukrainische Demonstranten beklagen drei Monate Krieg

| Lesedauer: 3 Minuten
Thomas Schubert
Am Sonntag haben vor dem Brandenburger Tor erneut Demonstranten gegen den Ukraine-Krieg protestiert.

Am Sonntag haben vor dem Brandenburger Tor erneut Demonstranten gegen den Ukraine-Krieg protestiert.

Foto: Reto Klar

Der ukrainische Verein „Vitsche“ zog mit Hunderten Unterstützern durch Berlin-Mitte. Vorher gab es Wirbel um Putin-Plakate.

Berlin. Es sind immer die gleichen Forderungen und Parolen. Und fast genau drei Monate nach dem Beginn von Russlands Krieg in der Ukraine sind es die Aktivisten des Vereins „Vitsche“ In Berlin eigentlich leid, sie vorzutragen.

„Energie-Embargo jetzt!“ und „Keine Geschäfte mit Russland!“ skandierte die pro-ukrainische Gruppe am Sonntag abermals vor dem Brandenburger Tor. Es war der Prolog für einen Demonstrationszug auf einer Rundstrecke durch Berlin-Mitte zur Marshalbrücke und wieder zurück zum Platz des 18. März. Dass Sprecherin Vlada Vorobiova und ihr Unterstützerkreis von der „Vitsche“ erneut die Stimmen erhoben, geschehe mit Blick auf das nahende dreimonatige Jubiläum des Schreckens, den der Krieg in der Ukraine über Europa und die Welt verbreitet, betonten die Aktivsten. Und ein Grund für den lauten Protest ist aus Sicht von Vlada Vorobiova auch die anhaltende Passivität der deutschen Bundesregierung, die weiterhin ungelöste Abhängigkeit von Putins Gas. „Deutschland finanziert immer noch den Krieg in unserem Land. Deswegen können wir nicht nach Hause“, protestierte die Stimme der Initiative.

Missverständnis um ukrainische Plakate: Keine Zensur durch die Polizei

Aufregung gab es vor der Kundgebung wegen eines Missverständnisses mit der Berliner Polizei. So hatte die Demonstranten zunächst angenommen, dass bestimmte Russland-kritische Protestplakate nicht erlaubt oder gar zensiert werden sollten. Ein Verantwortlicher der Polizei stellte aber während der Kundgebung am Brandenburger Tor klar, dass es keineswegs um Verbote oder Zensur gehe, sondern lediglich um eine Überprüfung. Letztlich seien alle Plakate erlaubt worden. Auch jene mit drastischen Aussagen, die bei den pro-ukrainischen Demonstrationen in Berlin immer wiederkehren.

Aufseiten der Veranstaltergruppen wird zum Beispiel die Forderung laut, dass die deutsche Bundesregierung die Folgen von Putins Feldzug als Genozid benennt. Jede Verharmlosung des Kriegsgeschehens und seiner Folgen unterstütze den russischen Propaganda-Apparat, befürchtet Vorobiova. „Russland klaut uns die Identität und Kultur“, beschreibt sie den Schaden für die Identität des Landes. In diesem Sinne liege ein „Kultur-Genozid“ vor. Auch die Angewohnheit in Deutschland, von „Putins Krieg“ zu sprechen, sieht die Protestgruppe kritisch. Die Propaganda des russischen Präsidenten habe dazu geführt, „dass die Menschen in diesem Land nicht mehr denken können.“ In diesem Sinne sei der Medienapparat Russlands eine besonders gefährliche Waffe.

Geflüchtete unterstreichen ihre Identität mit ukrainischer Sprache und Trachten

Umso wichtiger war es den Teilnehmern des zweistündigen Protestzugs durch Mitte, von den Deutschen klare Worte und eine ungeschönte Sicht auf den Krieg einzufordern. Viele der Demonstranten wiesen darauf hin, dass die russische Invasion schon vor acht Jahren mit der Besetzung der Krim begann, was in Deutschland bis heute unterschätzt werde. Ukrainische Identität ausstrahlen, dazu gehört für die Protestteilnehmern das Tragen traditioneller Trachten und das Lautwerden der ukrainischen Sprache, die zu lange unterdrückt worden sei.

Auch wenn der Umzug durch Mitte am Sonntag auf Hunderte Teilnehmer anwuchs, erreichte er bei weitem nicht die Ausmaße wie die Großkundgebungen im März direkt nach Kriegsbeginn. Damals versammelten sich in Mitte mehrere Zehntausend Menschen, um sich mit dem attackierten Land solidarisch zu zeigen.