Clans in Berlin

Clan-Größe Nasser Rammou erneut vor Gericht

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Razzia im Spätkauf von Nasser Rammou am Tag seiner Festnahme im Februar 2021.

Razzia im Spätkauf von Nasser Rammou am Tag seiner Festnahme im Februar 2021.

Foto: BM

Die Clan-Größe Nasser Rammou steht ab Montag erneut vor dem Berliner Landgericht. Es geht wieder um die Attacke auf Tschetschenen.

Berlin. Selten müssen sich Kriminelle gleichzeitig in zwei verschiedenen Verfahren vor der Justiz verantworten. Im Fall des Intensivstraftäters Nasser Rammou wird es ab der kommenden Woche soweit sein. Während sich der 45-Jährige noch vor der 33. Strafkammer der Prozess unter anderem wegen Verstößen gegen das Waffen- und das Kriegswaffenkontrollgesetz verantworten muss, beginnt am Montag (9.30 Uhr) vor der zweiten das Verfahren wegen gefährliche Körperverletzung und Landfriedensbruchs.

Dabei handelt es sich jedoch um einen Berufungsprozess. Nasser Rammou, der innerhalb des stadt- und polizeibekannten Remmo-Clans aus Neukölln zu den Führungsfiguren zählt und anders geschrieben wird, wurde bereits im August 2021 vom Amtsgericht Tiergarten zu drei Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Gegen dieses Urteil hatte er Rechtsmittel eingelegt, sodass der Prozess nun komplett wiederholt werden muss.

Konkret geht es dabei um Angriffe auf tschetschenische Männer am S-Bahnhof Gesundbrunnen an den Abenden des 7. und 8. November 2020, an denen Rammou mit mehreren Verwandten beteiligt gewesen sein soll. Die Opfer wurden laut Anklage aus einer Gruppe heraus mit Eisenstangen, Schlagstöcken und Fäusten malträtiert, in zwei Fällen wurde zugestochen.

Nasser Rammou: Richter warf Clanmann rassistische Motive vor

Das Gericht attestierte Nasser Rammou in seinem Urteil, aus rassistischen Motiven heraus gehandelt zu haben. Es sei ihm nur darum gegangen, Personen zu verletzten, die der Volksgruppe der Tschetschenen angehören. Die Attacken geschah laut den Ermittlern aus Rache. Nur wenige Stunden vor dem ersten Angriff stürmten mehrere tschetschenische Männer eine Spätkauf an der Neuköllner Wildenbruchstraße, der dem Remmo-Clan zugerechnet wird.

Unklar ist jedoch, ob sich Nasser Rammou aktiv an den Attacken beteiligte. Lediglich seine Anwesenheit ist nachweisbar, da er nach seiner letzten Entlassung aus dem Gefängnis im Jahr 2019 unter Führungsaufsicht stand und eine elektronische Fußfessel trug. Seit Februar 2021 sitzt er in Untersuchungshaft und verbrachte bereits 15 seiner 45 Lebensjahre wegen aller möglichen Delikte im Gefängnis.

Der andere Prozess gegen Nasser Rammou und seinen „Geschäftspartner“ Tim H. läuft seit November 2021. Es ist eines das ersten großen Encrochat-Verfahren am Berliner Landgericht. Auch die beiden Angeklagten sollen sich über den Kryptierungsdienst, der 2020 von Ermittlern entschlüsselt wurde, unverblümt über Drogen- und Waffengeschäfte ausgetauscht haben.

Rammou soll mit Angriff auf Tschetschenen bei Encrochat geprahlt haben

Glaubt man den Ermittlern, waren beide dabei relativ deutlich. „Neste Woche kommen neue Kanaren“ oder „Granaten auch?“, heißt es etwa in teils fehlerhaftem Deutsch. Auch über die Pläne, konkurrierende Drogenhändler umzubringen, sollen sich beide ausgetauscht haben. Einer der Nutzer, hinter dem die Ermittler den im Libanon geboren Nasser Rammou vermuten, schreib dabei auch: „Gesten habe ich die cechenen misshandeln in wedding.“

Der Prozess soll Stand jetzt Anfang Juni mit einem Urteil enden. Der Berufungsprozess wegen des Angriffs auf die Tschetschenen wird komplett neu aufgerollt. Insgesamt sind dafür 20 Verhandlungstage bis Ende September angesetzt.